Jemen: Bomben, Kindersoldaten und Hunger

Im Jemen führen die großen Nachbarn Saudi-Arabien und Iran ihren Stellvertreterkrieg. Mitte Dezember scheiterten die Friedensverhandlungen und der Waffenstillstand wurde ständig gebrochen. Darunter leidet vor allem die Zivilbevölkerung. 

Hier geht’s zum ersten Teil des Artikels.

Amnesty International prangert in einem Bericht schwere Kriegsverbrechen aller Konfliktparteien im Jemen an. Saudi Arabien habe dicht besiedelte Wohngegenden bombardiert und es komme immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen am Boden bei denen zivile Gebiete zum Schlachtfeld würden. Bei den Angriffen kommen auch amerikanische Waffen zum Einsatz. Im November stimmte US-Präsident Barack Obama einem 1,3 Milliarden Dollar schweren Waffendeal mit Saudi Arabien zu.

Der britischen NGO Action on Armed Violence zufolge sind über 80 Prozent der in dem Krieg Getöteten und Verletzen Zivilisten. Während der ersten sieben Monate des Jahres 2015 wurden im Jemen mehr Opfer von Angriffen mit explosiven Waffen verzeichnet, als in jedem anderen Land weltweit. Mitte Juni berichtet Unicef von mindestens 279 getöteten und über 400 verletzten Kindern seit Beginn der saudischen Angriffe. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen berichtet zudem von Kindersoldaten. Laut Amnesty International werden auch Schulen bombardiert. Über 6500 Kinder können nicht mehr zur Schule gehen. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes macht wiederholt auf die katastrophale humanitäre Lage in Jemen aufmerksam. Es würden Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen erfolgen, Hilfslieferungen kämen in den betroffenen Gebieten nicht an. Auch die Lebensmittel im Jemen werden knapp. Laut World Food Programme verfügen 41 Prozent der Jemeniten nicht über genügend Nahrungsmittel.

Laut Amnesty International sei die Stadt Saada im Norden des Landes bei Bombenanschlägen zerstört worden. „Dass große, dicht bevölkerte Gebiete zu militärischen Zielen erklärt und Wohnhäuser mehrfach bombardiert wurden, beweist, wie wenig die Koalitionstruppen sich um die völkerrechtlich vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen zur Verhinderung ziviler Opfer scheren“, so Donatella Rovera von Amnesty International zur von Saudi-Arabien geleiteten militärischen Allianz.

Dennoch gibt es laut der jemenitischen Botschaft in Wien keine größeren Fluchtbewegungen aus dem Jemen. Am Anfang des Konflikts seien die Menschen zwar beispielsweise nach Saudi Arabien oder Dschibuti geflohen, momentan sei dies aber nicht der Fall. Laut Edlinger gäbe es aber große interne Fluchtbewegungen.

Hoffnung: Friedensgespräche neu
Bestrebungen, in erster Linie von der UN, Friedensgespräche zu führen blieben bisher ohne Erfolg. Es gab immer wieder Waffenruhen, die jedoch nie lange hielten. Im Oktober schickten die Huthi Rebellen ein Schreiben an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und ließen dabei auch der BBC eine Kopie zukommen. Darin verpflichteten sie sich einem Sieben-Punkte-Plan der Vereinten Nationen, der bei Gesprächen im Nachbarland Oman im September entstanden ist. Der Friedensplan enthält eine Waffenruhe, den Rückzug bewaffneter Milizen aus den Städten und die Rückkehr der Regierung nach Sanaa.

Am 15. Dezember 2015 starteten Friedensgespräche in Genf. Schon ein paar Tage später wurden sie aber vertagt. Edlinger steht der Chance auf Frieden eher skeptisch gegenüber. Saudi Arabien und seiner Koalition gehe es nicht um die Durchsetzung der Forderungen der Demonstranten von 2011/2012 sondern um die Wiederherstellung traditoneller Machtverhältnisse und der Wiedereinsetzung Hadis. „Der zuletzt auch von Saudi Arabien gebildeten sunnitischen Terrorallianz geht es um einen regionalen Machtkampf, in dem sie ihre Herrschaft in der Region aber auch die internen Herrschaftsstrukturen in den einzelnen Staaten verteidigen und festigen wollen“. Und im Jemen sei lediglich der Kampfplatz eines größeren Krieges, „so schrecklich das für die um ihr Überleben kämpfenden Menschen im Jemen auch sein mag.“

Du möchstest mehr über vergessene Konflikte wissen? In einer Serie beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichen Krisenherden dieser Erde. Hier geht es zum Überblick.

Mexiko_Logo3Mali_logo

 

 

 

 

 

Titelbild: flickr.com/Ahron de Leeuw (cc)

Blase_rotHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Mitglied werden und damit jungen Journalismus fördern! Wenn du jeden Dienstag über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zum mokant Newsletter anmelden.

Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.