Akademikerball: Korporierte, Kontroversen und Kritiker

Der Wiener Akademikerball ist der umstrittenste Ball Österreichs. Wir haben mit Befürwortern und Gegnern des Balls gesprochen. Der Organisator, die Wiener FPÖ wollte kein Statement abgeben.

Hier geht es zum ersten Teil des Artikels…

Aber nicht nur die internationalen Gäste des Balls stehen in der Kritik seiner Gegner. Einen Großteil der Ballbesucher machen Mitglieder verschiedener Burschenschaften aus. Ihr Dachverband, der Wiener Korporationsring (WKR) besteht aus 20 akademischen Burschenschaften, zu denen auch die Teutonia gehört. „Die deutschnationalen Burschenschaften bilden seit jeher ein Scharnier zwischen dem parteiförmigen Rechtsextremismus einer FPÖ und dem militanten Neonazismus“, so Steinhauser. Meryl Haas von der Österreichischen Hochschülerinnenschaft bezeichnet deutschnationale Burschenschaften als den ideologischen Kern der FPÖ. „Mit den blauen Wahlerfolgen wird das Gedankengut der Burschenschafter wieder salonfähig: Der Akademikerball steht repräsentativ für diese Gefahr“, ergänzt die grüne Studierendenvertreterin.

Die Teutonia ist ein, seit 1868 bestehender, akademischer Männerbund der Mensuren ficht. Als sogenannte schlagende Burschenschaft werden Fechtkämpfe mit Mitgliedern anderer schlagender Bünde durchgeführt. In ihrer frühen Geschichte war die Teutonia von mehrfachen Auflösungen durch staatliche Behörden bedroht. Von 1918 bis 1933 waren die „Teutonen“ Teil der Deutschen Burschenschaft. Nach einer 74-jährigen Pause erfolgte im Jahr 2007 der Wiedereintritt.

Kritik wird laut(er)
Dass diese Studentenverbindungen in der Hofburg einen Ball feiern führte 2008 zur Gründung des No-WKR Bündnises, das es sich zum Ziel setzte, den Ball aus der Wiener Hofburg zu vertreiben. Mit Slogans wie „Unseren Hass, den könnt ihr haben“ zogen 2014 Demonstranten durch die Wiener Innenstadt und protestierten gegen die Veranstaltung in der Hofburg.

Im Verfassungsschutzbericht heißt es dazu: „Die kritischen Veranstaltungen und Proteste wurden verstärkt, von extremistischen und gewaltbereiten Strukturen unterwandert und für Ausschreitungen, Sachbeschädigungen und Angriffe auf Ballgäste und Sicherheitskräfte missbraucht“. 2012 fiel das Datum des Balls auf den Jahrestag der Auschwitz-Befreiung, das erhitzte nicht nur die Gemüter österreichischer Linker und Antifaschisten, auch aus anderen Ländern reisten Demonstranten an. Laut dem jährlichen Bericht des österreichischen Inlandsgeheimdiensts nahmen mehrere tausend Personen an Gegenveranstaltungen teil.

Ein Jahr später kam es nach den Demonstrationen zu Ausschreitungen. Die Zufahrtswege zur Hofburg wurden blockiert, es kam zu Angriffen auf Ballbesucher und Exekutive, sowie Sachbeschädigungen. Laut Verfassungsschutzbericht wurden zwölf Personen festgenommen und 150 Anzeigen vorgenommen. Zu den bisher heftigsten Ausschreitungen kam es 2014. Am Stephansplatz eskalierte die Lage nach den zuerst friedlichen Demonstrationen. Ein „Schwarzer Block“ zog randalierend durch die Innenstadt.

„Demos – Attacke auf persönliches Leben“
Die Demonstrationen rund um den Akademikerball nimmt Jörg Mayer gewissermaßen als Attacke auf das persönliche Leben der Ballbesucher wahr. Es gehe nicht, dass diverse linke Bündnisse nur ein politisches Problem mit einer Gesellschaft hätten, in der jeder nach seinem unabhängigen Ratschluss und freien Gewissen seine Meinung einbringen könne. „Sie haben ein ganz persönliches Problem damit, dass es diese Menschen überhaupt gibt, die auf den Akademikerball gehen, und wollen sie privat fertigmachen.“

Das No-WKR-Bündnis hat sich mittlerweile aufgelöst. Die OgR hingegen geht weiter auf die Barrikaden. „Der Schwerpunkt der diesjährigen Demonstrationen gegen den Akademikerball liegt darin, den engen Zusammenhang zwischen Burschenschaften, FPÖ und der rassistischen Stimmung im derzeitigen öffentlichen und medialen Diskurs aufzuzeigen“, so Käthe Lichtner. Ausschreitungen von linker Seite erwarte man keine, jedoch sei es in den letzten Monaten und Jahren zu einer massiven Gewaltbereitschaft und körperlichen Übergriffen von Rechten gegen gekommen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig der Gewaltprovokation.

Draußen Protest, drinnen Walzer
Während in der Innenstadt protestiert wird, wird in der Hofburg gefeiert. „Entspannt, ausgelassen, fröhlich. Wie eine Semester-Abschluss-Party – nur ohne aufdringliche Burschen, ohne sich ausziehende Mädchen, ohne Rumgegröle, ohne zertretene Plastikbecher – und Gott sei Dank auch ohne all diese sich als ach so intellektuell inszenierenden Leute, die in der Ecke auf einem Sofa sitzen, weltbewegend dreinschauen und einem die neuesten Erkenntnisse von Judith Butler erzählen“, schildert Jörg Mayer die Stimmung.

Die Zahl der Demonstranten, die jährlich gegen den Ball demonstrieren übersteigt die Zahl der Besucher um ein Vielfaches. Zudem sinkt die Zahl der Ballbesucher jährlich seit die FPÖ die Schirmherrschaft übernommen hat, „da sich viele deutsche Korporierte weigern, eine Parteiveranstaltung zu besuchen“, vermutet Peham. Jörg Mayer hingegen weiß Gegenteiliges zu berichten, die Besucherzahlen würden steigen und über jenen der letzten WKR-Bälle liegen. Elemente, die Ausdruck couleurstudentischer Tradition sind, seien aber stärker geworden. „Der Ball ist ja keine Parteiveranstaltung, ein derartiger Charakter ist nicht einmal im Geringsten spürbar, geschweige denn intendiert.“ Die Aufmerksamkeit für den Ball verortet Mayer in den Wahlerfolgen der FPÖ.

Käthe Lichtner erklärt, dass es den Demonstranten durchaus auch darum gehe verstärkt auf den Zusammenhang zwischen Burschenschaften und FPÖ aufmerksam zu machen: „Wer FPÖ wählt, wählt deutschnationale Burschenschaften. Wenn jene Kreise an die Macht kommen, wird es keine Lösungen für die Sorgen der Bevölkerung geben, sondern die Probleme werden sich zuspitzen.“

Neben der OgR rufen auch die Sozialistische Linkspartei und das Bündnis „Jetzt Zeichen setzten“ zum Protest auf. Slogans wie „Burschenschafter vertreiben – Flüchtlinge bleiben“ von der OgR erhitzen die Gemüter der FPÖ-Funktionäre. Die ÖH ist Teil des Bündinisses „Jetzt Zeichen setzen“ erwartet einen friedlichen Verlauf der Kundgebungen und Demonstrationen. Die Polizei bereitet sich mit 29 Kameras und 2500 bis 2800 Polizisten auf die Ballnacht vor.

Titelbild: Akademiker Ball Demo 2015 ( © Julian Haas )

Artikel von Barbara Bürscher und Christina Seitz

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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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