Akademikerball: Korporierte, Kontroversen und Kritiker

Freyung, 18:24
Tausende Demonstranten auf dem Marsch Richtung Stephansplatz. Die Stimmung ist gut, die Lage entspannt.

Der Wiener Akademikerball ist der umstrittenste Ball Österreichs. Wir haben mit Befürwortern und Gegnern des Balls gesprochen. Der Organisator, die Wiener FPÖ wollte kein Statement abgeben.

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Wie seit knapp 50 Jahren werden auch in diesem Jahr Ende Jänner Mitglieder verschiedener Korporationen in der Wiener Hofburg das Tanzbein schwingen. Die Gästeliste des diesjährigen Balls ist noch geheim. Gerüchten zufolge werden heuer eine Delegation der rechtsextremen Jobbik-Partei aus Ungarn und die Pegida-Rednerin Tatjana Festerling erwartet, berichten Albert Steinhauser, Grüner Nationalratsabgeordneter und Andreas Peham (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands). Jörg Mayer, Sprecher der Akademischen Burschenschaft Teutonia zum Thema Prominenz am Akademikerball: „Wer weiß, vielleicht besucht uns in ein paar Jahren eine französische Staatspräsidentin. Dem Vernehmen nach war Marine le Pen das letzte Mal jedenfalls eine reizende Tänzerin“.

Es ist der dritte Akademikerball, der von der Wiener FPÖ organisiert wird. Davor hieß die Veranstaltung WKR-Ball und wurde vom Wiener Korporations-Ring, Ballausschuss – Verein für Brauchtumspflege durchgeführt. Der Wiener Korporationsring ist ein Dachverband von Wiener Studentenverbindungen. Als solcher sei er nicht eindeutig zuordenbar, so Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) Er differenziere „zwischen katholischen/ konservativen, ‚nur‘ deutschnationalen und völkisch-rechtsextremen Verbindungen. Letztere sind im WKR tonangebend.“ (Mehr Infos dazu gibt es hier

Die Betreibergesellschaft der Hofburg beschloss aufgrund der öffentlichen Kritik am WKR- Ball, diesen dort nicht mehr zu veranstalten. Daher übernahm die FPÖ die Organisation und änderte den Namen in Wiener Akademikerball. Der WKR-Ball war zudem auch der Grund, dass der „Wiener Ball“ aus dem UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gestrichen wurde. Vielen Kritikern ist es ein Dorn im Auge, dass Rechtspopulisten und Rechtsextreme aus ganz Europa dem Ball in der Hofburg beiwohnen.

„FPÖ – Vorbild der Nationalistenszene“
Jörg Mayer hingegen sieht in der Hofburg die idealen Räumlichkeiten für den Ball. „Wenn man einen solchen Ball in eine schnöde Halle verlegt, brauche ich dazu keine Gäste aus Deutschland mehr einladen“. Den Aufschwung der Bedeutung des Balles verortet er in seiner politischen Dimension: „Links begann ihn zu bekämpfen, Rechts ihn zu verteidigen. Die von den Anti-Ball Demonstranten Jahr um Jahr begangenen Ausschreitungen und die Kosten für die Polizeieinsätze, die zum Schutz der Ballgäste nötig sind, muss die Allgemeinheit tragen.“

Steinhauser ist sich hingegen sicher: In Paris, London oder Berlin wäre ein vergleichbarer Veranstaltungsort für Rechtsextreme undenkbar: „Als politische Trophäe soll er in Europa zeigen, wie weit man es in Österreich gebracht hat. FPÖ und die Wiener Burschenschafter gelten in der Nationalistenszene als Vorbild.“ Andreas Peham sagt, es würde viel darüber aussagen, wie normalisiert völkisches Gedankengut in einem Land sei. Das linke Bündnis Offensive gegen Rechts, kurz OgR bezeichnet es gar als Schande, dass der Ball in der Hofburg stattfindet. „Der Akademikerball ist wie die Spitze eines Eisbergs, der anschaulich macht, dass rechtsextremes Gedankengut in Österreich immer noch salonfähig ist“, so OgR-Sprecherin Käthe Lichtner.

Auch die Ballbesucher sind sich der Bedeutung und der Geschichtsträchtigkeit des Veranstaltungsortes bewusst: „Dass in jenen Räumen, wo einst Kaiser und Adel tanzten, heute die politischen Nachfahren jener nationalliberalen Revolutionäre feiern können, die seinerzeit von den Kaiserlichen noch standrechtlich erschossen wurden, ist ein schöner Gedanke“, so Mayer.

Rechtsextreme in der Hofburg
Auf der Gästeliste vergangener Bälle finden sich Größen aus den Reihen der NDP oder Mitglieder der Le Pen Familie vom französischen Front National. Mayer sieht im Akademikerball „eine wunderbare Gelegenheit, Freunde und Bekannte aus ganz Europa, um nicht zu sagen: aus der ganzen Welt, nach Wien einzuladen und ‚Willkommen‘ zu heißen. Man lernt neue Leute kennen und trifft alte Gesichter wieder.“ Albert Steinhauser, Grüner Nationalratsabgeordneter sieht hingegen ein „Vernetzungstreffen, bei dem man sich einen gutbürgerlichen Anstrich verleihen will. Der Ball soll zeigen, dass Burschenschafter und Rechtsextreme ein anerkannter Teil der Gesellschaft sind.“ Käthe Lichtner ergänzt, es käme einem Skandal gleich, dass Holocaust-Verharmloser und ihre international Verbündeten in einem der bedeutendsten Gebäude Österreichs hofiert werden würden.

Über Burschenschafter im Nationalrat, die Motivation der Demonstranten und wie die Ballgäste die Demos warhnehmen: Artikel weiterlesen…

Titelbild: Akademiker Ball Demo 2015 ( © Julian Haas )

Artikel von Barbara Bürscher und Christina Seitz.

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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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