KopfhörerInnen: Ages – Roots

Ages – Roots
(VÖ 13.11.2015 | Etage Noir Special – Daily Records)

(c) Etage Noir Special|Daily Records

(c) Etage Noir Special|Daily Records

Aus Alt mach Neu: „Roots“ heißt die neue Platte der Oberösterreicher Roland von der Aist, Andy Korg und Aka Tell. Die drei Musiker sind eigentlich unter dem Namen A.G. Trio bekannt geworden, haben jetzt aber mit dem neuen Album das Projekt Ages gestartet. Diese musikalische Reinkarnation bringt merklich Schwung in ihre Klangspiele, so klingt „Roots“ melancholischer und erdiger als seine Vorgänger.

SBTRKT auf österreichisch
Die vorab veröffentlichten Singles Return (feat. Zanshin), I Want It (feat. Laura Goméz) und Hymn (feat. Inner) verraten, in welche Richtung das Album geht. Auf insgesamt zehn der vierzehn Songs lud man namhafte Gastsängerinnen und Sänger aus der Indie- und Elektroszene, um die Beats auch stimmlich aufzupolieren. Was bei internationalen Acts wie SBTRKT ähnlich funktioniert, klappt in der österreichischen Variante ausgesprochen gut: Die Titel sind auf das Nötigste reduziert, in den Klanglandschaften werden sorgfältig Soundeffekte und Samples eingestreut und die melodiösen Gesangslinien verleihen dem ganzen einen poppigen Twist.

Elektronik fürs Gehirn
„Roots“ ist Entschleunigung, Elektronik zum Entspannen, nicht zum Tanzen. Das Album lädt eher zum verträumten Hören über Kopfhörer ein, als zum Abfeiern in verschwitzter Clubatmosphäre und das ist gut so. Vor diesem Kontext macht der Titel Hymn etwa seinem Namen alle Ehre: Der Song wabert und pulsiert ruhig vor sich hin, während die Stimme Inners zum mitwippen animiert. Das dürfte dem Trio ebenfalls gut gefallen, hat es doch gleich Inner als Live-Sängerin engagiert.

Bei However entfaltet sich dann auch textlich die melancholische, bittersüße Schwere des Albums. Ira Atari singt darin über die Unterschiede und Vorlieben welche Probleme diese beim Suchen und Finden der großen Liebe mit sich bringen können („We might fall in love, we might come to hate, we might become friends, we might, we might“)

Stilles Highlight der Scheibe ist das sphärische Chances, in das sich die Stimme des Catastrophe and Cure-Sängers Johannes Eder einfügt. Hier werden wieder zu Beginn elektronische Elemente mit minimalistischer Gitarre verknüpft, das Ganze erinnert etwas an The xx. Dieser Schlüsselsong entlarvt das große Potenzial des Albums: Ages machen elektronische Musik für Menschen, die auf Indie stehen.

True Detective auf österreichisch
Das Vido zu Chances gibt außerdem die optische Stilrichtung der Band vor: Wunderschöne Naturlandschaften werden auf Gesichter und Tierkörper projiziert, das Ganze erinnert stark an das Intro der Serie „True Detective“. Mit dabei ist außerdem das Symbol der Band, ein Wishbone, das auch als „A“ gedeutet werden kann. Zusammen mit den mystischen und naturverbundenen Bildern passt diese Optik überraschend gut zur elektronischen Musik, die Ages machen. Noch nie sah österreichische Musik so gut aus, Entschuldigung Bilderbuch.

Titelbild: (c) Etage Noir Special | Daily Records

Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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