Essenstest: Die mokant.at Mensen(tor)tour 2015 – Teil 2

(c) Jasmine Schuster

Hier kommt der zweite Teil unserer Mensen(tor)tour 2015 – wir haben im Justizcafé, in der TU Mensa, im SOHO in der Nationalbibliothek und in der WU Mensa gegessen und das Publikum unter die Lupe genommen.

Teil 1 der Mensen(tor)tour ist hier zu finden.

Station 5: Justizcafé
Neuer Tag, neues Glück – so hoffen wir nach den deprimierenden Erfahrungen der bisherigen Mensen. Wir wechseln in eine neue Mensen-Liga und beginnen den Tag mit einem Besuch im Justizcafe. Hier soll man nicht nur eine beeindruckende Aussicht finden, sondern auch sehr gutes Essen. Eine Bewertung weist sogar darauf hin, dass hier „kein Kantinenfraß‘“ serviert wird.

Das Justizcafé befindet sich im Obergeschoß des Justizpalasts. Bevor man jedoch nach oben darf, muss man die Handtasche abgeben und durch eine Sicherheitsschleuse spazieren. Unser Deo wird als gefährlich eingestuft und muss draußen bleiben, im Gegenzug bekommt man einen Zettel, mit dem man es später wieder abholen kann. Hat man es einmal bis nach oben geschafft, muss man sich für eines der drei Mittagsmenüs entscheiden. Die Gemüsesuppe ist zwar nicht sehr würzig, aber gut. Der Schmarrn ist lecker – weich wie Wölkchen und schmeckt nach Topfen. Der dazugehörige Zwetschkenröster ist fruchtig, jedoch etwas süß, was man nach den bisherigen Erfahrungen aber gerne verzeiht. Um 8 Euro ist das Menü (ohne Getränk) jedoch schon außerhalb der Mensenpreisliga. Der panierte Lachs ist zwar gut, aber ebenfalls nur für gefüllte Geldbörsen zu empfehlen.

Die Aussicht von der Dachterrasse ist sehenswert und lädt zu einem längeren Aufenthalt ein. Lediglich der Wind stört die angenehme Atmosphäre zwischen den Pflanzen und Blumen, mit Blick auf Volksgarten und Rathaus etwas.

Publikum:
Zwischen Menschen in Hemd und Hosenanzug sitzen auch Touristen, die besonders fröhlich, interessiert und an Austausch mit Einheimischen interessiert sind. Überleg dir schon mal eine spontane Antwort auf die Frage „What’s that?“, die deinen Kaiserschmarrn betrifft.

Dresscode:
Je nachdem: Mit Stecktuch für den Herren und mit dem bereits erwähnten Perlenohrschmuck für die Dame kannst du dich als Jurist tarnen. Sollte die Schmuckschatulle deiner Oma ein Tabu für dich sein, dann eben als Touri: Kamera und Kappe.

Fazit:
Aussicht und Essen sprechen für sich, doch die Preise schließen auch das Justizcafé von der bisher leeren Liste der every-day-Mensen aus.

(c) Jasmine Schuster(c) Jasmine Schuster

 

Station 6: TU Mensa
Die Mensa der TU testen wir stellvertretend für alle Mensen der ÖMBG, da in allen Standorten die selbe Speisekarte gilt. Beim Eintreten in den Speisesaal erwartet einen Raststättenflair:  Es gibt viele kleine Tische, jedoch auch einen Bereich mit großen Tischen. In der Mitte des Essbereichs steht ein riesiger, künstlicher Baum, der vermutlich stark zum Raststättenfeeling beiträgt. Die Essensauswahl ist groß, viele Speisen kann man in einer Glasvitrine beim Eingang bereits begutachten.

Es gibt zwei Menüs ab 5,20 Euro zur Auswahl, zahlreiche weitere Speisen und Beilagen gibt es ebenfalls. Die Preise sind allerdings für unseren Geschmack etwas deftig – Ein kleiner Beilagenteller mit Erdäpfeln kostet 3,70 Euro – ob man davon satt wird? Wir haben einen Teller Salat getestet, der uns zwar nicht vom Hocker haut, aber ok ist. Für etwas mehr als 4 Euro bekommen wir aber wieder nur Convenience Gemüse aus der Dose bzw. aus dem Glas. Schade!

Publikum:(c) Jasmine Schuster
Das Publikum ist hier sehr gemischt, es gibt vor allem zwei Arten von Besuchern: 1. Alte Menschen – alte Pärchen essen hier gemeinsam zu Mittag und rollen anschließend mit ihrem Rollator durch die Mensa. 2. Einzelgänger – zahlreiche junge Männer, denen man vom Kleidungsstil her sofort ein Studium an der TU zuschreiben würde, sitzen still und alleine an den Tischen (vorzugsweise an einem Tisch in einem stillen Eck).

Dresscode:
Entweder man greift zum Karohemd oder man packt die Brille mit Halsschnur ein.

Fazit:
Das Essensangebot ist groß und sieht auch lecker aus, ist preislich jedoch auch nicht in der günstigsten Ecke.

 

Station 7: SOHO Kantine in der Nationalbibliothek
Wer im Internet ein bisschen nach guten Mensen sucht, stößt irgendwann auch auf das SOHO bei der Nationalbibliothek. Dass es in der Nationalbibliothek eine Kantine gibt fasziniert uns so sehr, dass wir auch hier noch unbedingt etwas essen möchten. Beim Eingang der Bibliothek erklärt man uns, dass man um das Gebäude herum gehen muss, um zur Kantine zu kommen. Mit einem Plan bewaffnet findet man sie letztendlich tatsächlich, auch wenn man schon glaubt, total falsch zu sein.

Die Einrichtung der Kantine erinnert nicht am entferntesten an die der bisher getesteten Mensen. Möbel in dunklen Farben, in Holz und Lederoptik wurden nicht einfach bunt zusammengewürfelt sondern ergeben eine angenehme, stilvolle Atmosphäre.

Die Karte ist klein, aber fein und wir beschließen, eines der Menüs zu testen: Zwiebelquiche und Apfelstrudel kosten im Menü gemeinsam 7 Euro. Ein Cappuccino dazu nochmal 2,80 Euro. Die Quiche ist sehr würzig und saftig, wir empfinden sie trotz gut gefüllten Mägen nicht als besonders sättigend. Der beiliegende Salat müsste in Anbetracht der stark gewürzten Quichemasse etwas mehr sein, um ein ausgewogenes Verhältnis zu bilden. Der Apfelstrudel ist nicht besonders, man findet hin und wieder auch Kerngehäusereste im Apfelgemisch.

Publikum:
In Anbetracht der versteckten Lage ist es verwunderlich, dass es überhaupt andere Gäste gibt. Es scheinen sich hauptsächlich Touristen hier her zu verirren, die die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung abklappern.

Dresscode:
Legere Kleidung und Stadtplan reichen völlig aus, um in das Touri-Schema zu passen.

Fazit:
Bei dieser Kantine ist vorwiegend das Ambiente überzeugend. Die Einrichtung hat Stil und wirkt einladend, hier verweilt man gerne länger. Doch wenn man länger bleibt, wird man nochmals in die Karte blicken müssen, da das Quiche-Menü nicht sehr sättigend war.

(c) Jasmine Schuster(c) Jasmine Schuster

 

Station 8: WU Mensa
Die Mensa am neuen Standort der WU hat einen guten Ruf, hier findet man mit Sicherheit gutes Essen, heißt es. Betrieben wird die Mensa von Eurest. Bis man über den WU Campus bis zur Mensa gewandert ist, ist der Hunger bereits groß – entsprechend murrig merkt man, dass man zum Bezahlen eine Mensakarte benötigt oder bei der Kaffeeinsel in der Mitte zuerst bezahlt und dann das Essen abholt.

Um kurz vor 13 Uhr ist es hier voll und laut. Die Auswahl ist groß, Pizzen, Wraps, Fisch und mehr gibt es hier. Menüs gibt es allerdings nur zwei, beide mit dem WU-freundlichen Namen ECO. Wir testen das vegetarische Menü ECO 1– Knoblauchcremesuppe, pikante Linsen mit Fladenbrot und Salat. Das Menü kostet 5,29 Euro, wobei ein Getränk – Saft oder Mineralwasser – inkludiert ist. Suppe und Salat könnte man sich allerdings sparen. Die Suppe schmeckt nach Packerl und die Croutons schaffen das Unmögliche und sind gleichzeitig hart und aufgeweicht. Der Salat erinnert verdächtig an den, den wir bereits bei Station 1 im  AAI kennenlernen durften. Die Linsen sehen zwar nicht aus wie ein Fertigprodukt, sind allerdings viel zu stark gewürzt. Ein sensibler Gaumen belässt es nach einer halben Portion auch dabei.

Durch die hungrige Menschenmenge ist die Platzwahl eingeschränkt, Einzelgänger haben es hier schwer. Dafür kann man sich mit den Sitznachbarn über das Essen austauschen und merkt, dass es je nach Charge (Anm.: große Teilmenge einer Speise) unterschiedliche Linsenkonsistenzen gibt. Es scheint ein wenig Glückssache zu sein, ob man al-dente oder zerkochte Linsen bekommt.

Publikum:
Das Publikum ist gemischt, ein gemeinsamer Nenner ist schwer zu finden. Sicher ist jedoch, dass man hier keine Seniorenpärchen antreffen wird.

Desscode:
Durch das gemischte Publikum ist fast alles erlaubt, was erwachsen und studierend wirkt. Wer statt zur normalen Jeans zu bunten oder schwarzen Hosen greift ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Fazit:
Um 5,29 Euro sind Fertigsuppe und –salat einfach zu wenig. Das im Menü inkludierte Getränk kann darüber nur wenig hinwegtrösten. Für Nicht-WU-Studenten lohnt sich der weite Weg zu dieser Mensa jedenfalls nicht.

(c) Jasmine Schuster

 

Teil 1 der Mensen(tor)tour ist hier zu finden.

 

Titelbild und alle Fotos: (c) Jasmine Schuster

 

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Jasmine Schuster studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: jasmine.schuster[at]mokant.at

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