Männerpartei: „Quote ist Quatsch“

Foto: (c) Christina Stowasser

Männerpartei-Spitzenkandidat Gerhard Kaspar spricht im Zuge der Wien-Wahl über Geschlechterforschung, überholtes Familienrecht und gerechte Gleichberechtigung

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Obwohl die Männerpartei nur im Wahlkreis Donaustadt antritt, hat ihr Spitzenkandidat und ehemaliges Piratenmitglied Gerhard Kaspar große Pläne. Man wolle keine Scheuklappenpolitik mehr, die Wien-Wahl wird als Startschuss nach ganz oben gesehen, das Parlament ist das Ziel. Die erste Hürde auf diesem politischen Marathon wurde vor kurzem geschafft. Über 100 Unterstützungs-Erklärungen wurden dabei gesammelt. Und vierzig Prozent, also fast die Hälfte der Unterschriften kommen laut Gerhard Kaspar von Frauen, denn der Name „Männerpartei“ täusche und man betreibt „Solidaritätspolitik für alle“. Außerdem ist für ihn Geschlechterforschung „reiner Humbug“ und die Debatte um das Gendern Verschwendung von Ressourcen. Ein Gespräch über politischen Lobbyismus, ein eigenes Männerministerium und das neue Feindbild „Mann“.

mokant.at: „Männerpartei“ ist ja ein sehr eindeutiger Name. Besteht Ihre Partei denn nur aus Männern?
Kaspar: Nein, überhaupt nicht. Wir wollen mit dem Parteinamen ein Signal setzen, dass Geschlecht in der Politik keine große Rolle zu spielen hat. Auf der anderen Seite werden aber bestimmte Gruppen in der Diskussion vernachlässigt. Es gibt etwa keinen Männernotruf, kein Männerservice und keine Männerhilfsstellen. Daraus ist der Name „Männerpartei“ abgeleitet, aber es ist weder ein Name der nur für Männer steht, noch setzt er sich nur aus Männern zusammen.

Foto: (c) Christina Stowasser

Foto: (c) Christina Stowasser

mokant.at: Jetzt kann man aber als Frau alleine durch den Namen etwas verunsichert sein. Bei der Wien-Wahl treten viele kleinere Parteien an. Ist es da sinnvoll, von vornherein mindestens die Hälfte aller potenziellen Wähler zu verschrecken?
Kaspar: Sie werden lachen, aber das war schon bei den Unterstützungserklärungen überhaupt nicht der Fall. Der Name schreckt nicht ab, sondern ruft höchstens einen „Hoppla“-Effekt hervor. Ungefähr 40 Prozent der Erklärungen sind von Frauen gekommen. Es trat eher das Gegenteil ein, nämlich dass Aussagen gekommen sind wie: „Endlich macht ihr was, endlich kümmert ihr euch um eure Rechte“. Wobei ich das gar nicht so eng sehe, denn man muss nicht von Männer- oder Frauenrechten sprechen, sondern vom Menschenrecht und das ist unteilbar.

mokant.at: Ich möchte jetzt etwas konkreter zum Landeswahlprogramm 2015 der Männerpartei Bezug nehmen: Unter dem Punkt „Gerechtigkeit an Universitäten“ steht dort, dass in Gender Studies alles Männliche als Feindbild dargestellt wird. Ist das nicht eine etwas verkürzte Sichtweise?
Kaspar: Ja, das ist verkürzt aber dennoch vom Kern her richtig. Gender Studies haben das Problem der Wissenschaftlichkeit. Man kann diese Studien nicht wirklich in den wissenschaftlichen Bereich rücken, solange sie keine Methode vorweisen können, wie man sozialisiertes und angeborenes Verhalten voneinander trennen kann. Solange das nicht messbar wird und mit wissenschaftlichen Methoden auseinandergehalten werden kann, ist jede Form von Geschlechterforschung reiner Humbug. Da diese Forschung das auch selber weiß, ist sie in ständiger Abwehrhaltung. Daraus resultiert eine starke Abneigung ganzheitlicher Modelle, stattdessen sagt man, der Mann sei an allem schuld: Am Krieg, dass Frauen nicht in entsprechende Berufe kommen und so weiter.

mokant.at: Jetzt gibt es aber auch die sogenannten „Men’s Studies“ als eigenen Strang innerhalb der Geschlechterforschung. Sind auch die Humbug?
Kaspar: Man muss ganz klar auseinanderhalten: Es hat Geschlechterforschung immer schon gegeben. Wenn man aber eine Wissenschaft so betreibt, dass man nur eine Seite betrachtet, ist das Schwachsinn. In der Gewaltforschung etwa schält man nur heraus, welche Gewalt Frauen erleben. Bei gleichen Kriterien käme man auch bei den Männern auf die gleiche Zahl. Jede dritte Frau und jeder dritte Mann in der EU erlebt Gewalt. Man muss beide Seiten betrachten und das tun Gender Studies leider nicht.

„Hier wird versucht, ein altes Rollenmodell weiterzuführen.“

mokant.at: In einem Text auf Ihrer Homepage schreibt die Männerpartei von Gleichberechtigung beim Familienrecht. An welchen Punkten des aktuellen Systems stößt man sich dabei besonders?
Kaspar: Wir haben ein zentrales Ziel: Wir wollen die gleichberechtigte Elternschaft herstellen. Dabei soll die UN-Kinderrechtskonvention, in der Kindern der gleichberechtigte Kontakt zu beiden Elternteilen garantiert wird, durchgesetzt werden. Lasten und Pflichten sollen gleichermaßen aufgeteilt werden: Es macht keinen Sinn wenn eine Person für den gesamten Unterhalt aufkommen soll und gleichzeitig auch die Kinder versorgt. Manche Väter versuchen das und brennen sich aus. Wir wollen das gesetzlich verankern, was auch in anderen Ländern funktioniert. Dass solche Modelle den Kindern gut tun, wird leider in Österreich, Deutschland und der Schweiz ignoriert.

mokant.at: Was wäre hier ein Beispielmodell, bzw. ein Land, aus dem man ein solches übernehmen könnte?
Kaspar: Teilweise kann man Teile aus Frankreich oder den Beneluxländern herausziehen, aber es fehlt überall noch der Fokus: In Österreich gilt etwa die ständige Judikatur, dass ein Kind im Alter von bis zu zehn Jahren in Streitfällen automatisch zur Mutter kommen soll. Bei den Unterstützungserklärungen habe ich etwa einen Mann getroffen, der mir mit Tränen in den Augen erklärt, er sehe sein Kind nur mehr sechs Stunden in der Woche, obwohl er es vorher über die Halbzeit hinaus betreut hat. Hier wird versucht, ein altes Rollenmodell weiterzuführen. Es braucht eine neue Art des gleichberechtigten Miteinanders, das ist auch in unserem Motto verankert: „Für ein faires Miteinander“.

mokant.at: Auf der Homepage fordern Sie auch „objektive Bewertungen im Bildungssystem“. Was ist damit gemeint?
Kaspar: Hier geht es darum, dass es im Bildungswesen langsam zu einem Ungleichgewicht gekommen ist, das sich ständig weiter verstärkt. Nur 31 Prozent aller Maturierenden etwa sind männlich. Das ist für den Herrn Häupl kein Problem, auch nicht für Sandra Frauenberger oder für die Frau Heinisch-Hosek. Normalerweise muss sofort gegengesteuert werden, wenn irgendwo ein Anteil unter 50 Prozent fällt. Aber wenn das Burschen in den Schulen betrifft, dann wird auf einmal gesagt, die seien halt nicht so fleißig. Die dümmste Aussage dazu ist von einem grünen Politiker gekommen, der hat gemeint: „Mädchen sind halt das fähigere Geschlecht“. Das ist kein Denken mehr, sondern in Wirklichkeit eine Art von Rassismus.

mokant.at: Was wäre hier ein Lösungsvorschlag von Seiten der Männerpartei?
Kaspar: Man muss die Diversität in den Schulen verstärken, aber nicht weil es so wichtig ist, dass überall Männer sind. Das wäre eine Umkehrung der anderen Idee, es müssten überall dort Frauen hinein, wo sie vielleicht gar nicht hin wollen. Es geht nur darum, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Dazu braucht es auch keine Quote, sondern ein vernünftiges Denken bei den Menschen.

„In der heutigen Zeit gibt es keine gruppenbezogene Diskriminierung, hervorgerufen durch mystische Mächte oder strukturellen Benachteiligungen.“

mokant.at: Weil Sie gerade auch die Aufteilung von Männer und Frauen angesprochen haben: Auf einer Ihrer Homepages fordert man einen Männerminister. Im aktuellen Wahlprogramm fordern Sie die Abschaffung des Frauenministeriums. Was denn jetzt?
Kaspar: Das ist ganz einfach: Die Männerpartei hat sich aus einer reinen Männerbewegung entwickelt. Bis heute haben wir eine Entwicklung durchlaufen und gesehen, dass reine Männerhemen natürlich wichtig sind, aber dass man die Fokussierung nicht so durchführen kann, wie es schon im Feminismus gemacht wird. Es bringt nichts, wenn man ein Geschlecht einseitig isoliert betrachtet und von Diskriminierung spricht, das ist Blödsinn. In der heutigen Zeit gibt es keine gruppenbezogene Diskriminierung, hervorgerufen durch mystische Mächte oder strukturellen Benachteiligungen. Es sind individuelle Diskriminierungen, gegen die wir vorgehen müssen. Wenn etwa ein Mann oder eine Frau im Sorgerecht benachteiligt wird, dann soll ihm oder ihr geholfen werden. Wenn das Sorgerecht insgesamt eine Schieflage hat, dann muss die beseitigt werden.

Foto: (c) Christina Stowasser

Foto: (c) Christina Stowasser

mokant.at: Aber bedarf es dazu jetzt einen Männerminister oder nicht?
Kaspar: Nein, den braucht es eben nicht. Wir wollen genau das Gegenteil, nämlich eine Solidarität in der Gesellschaft. Wenn es ein solches Ministerium geben soll, dann müsste es unter dem Namen „Solidaritätsministerium“ laufen, das nicht nur Männer und Frauen im Fokus hat, sondern etwa auch Einwanderer. Deshalb gibt es für uns keinen Männerminister, gleichzeitig sollte es in Wien aber auch keine Frauenbeauftragte geben, weil das in Wirklichkeit die Gesellschaft spaltet. Wir zementieren damit bestimmte Verhaltensweise und Vorstellungen, wie Menschen zu sein haben und machen dabei eine Art von Lobbyismus für ganz bestimmte Gruppen. Dann braucht es als Reaktion wieder eine Lobby für die andere Gruppe und dann geht es los: Wir fangen an darüber zu streiten, ob es „Lenkerin“ oder „die Lenkende“ heißen soll, oder ob etwa der Begriff „Anrainerinnenparkplatz“ zulässig ist. Das ist Blödsinn, für den noch dazu Geld hinausgeworfen wird. Wir sollten uns vielmehr vernünftige Regeln überlegen, die allen Menschen ein faires Miteinander und eine Balance ermöglichen.

mokant.at: Apropos „Balance“: Eine wichtige Forderung von Ihnen ist ja, das Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen anzugleichen. Warum?
Kaspar: Das hat mehrere Hintergründe. Jede Art von Ungleichheit, die nicht biologisch nachweisbar oder fundiert ist, führt automatisch zu Benachteiligung von beiden Gruppen. Es sind nicht nur Männer betroffen, weil sie mehr arbeiten müssen, sondern auch Frauen, weil sie früher aus dem Arbeitsprozess müssen. Wissen sie was das für Frauen bedeutet? Sie kriegen Jobs nicht mehr oder dürfen bestimmte Kurse nicht mehr machen. Deshalb geht es für uns nicht um Männer und Frauen im Einzelfall, sondern um gerechte Gleichberechtigung. Das heißt in dem Fall, zur gleichen Zeit in die Pension zu gehen. Wir wollen Gleichberechtigung, das heißt Chancengleichheit am Beginn, aber nicht Ergebnisgleichheit am Ende.

„Sobald der Fokus da ist, können wir uns zurückziehen, denn dann sind wir nicht mehr nötig.“

mokant.at: Ich möchte jetzt noch zur Wien-Wahl konkret kommen. Bei der Bezirksvertretungswahl tritt die Männerpartei in den Bezirken über der Donau an. Im 21. Bezirk ist mit „Wir für Floridsdorf“ eine Kleinpartei dabei, die sich ja sehr auf diesen Bezirk konzentriert. Wie will man sich da durchsetzen?
Kaspar: Das ist nicht schwer, wir haben ja eine klare Aussage: Wir bringen das, was der Politik fehlt. Wir wollen nicht nur das Leben in den Bezirken angenehmer machen, sondern wir wollen in jeder Gemeinde, in allen Gemeinderäten österreichweit, ins Parlament und letzten Endes auf der Europäischen Ebene den Fokus hineinbringen, der fehlt. Sobald dieser da ist, kann man sich zurückziehen, denn dann sind wir nicht mehr nötig. Wir wollen etwa Bezirksräte, die bei jeder Beratung und bei jedem Beschluss prüfen, ob hier tatsächlich fair und ausgewogen gehandelt wird. Das ist etwas, das bei dem Gesetz von Frau Heinisch-Hosek über sexuelle Belästigung völlig gefehlt hat. Hier war niemand, der die Risiken aufgezeigt hat, wenn man reine Behauptungen eines Menschen zum Beweis macht und den anderen dazu verpflichtet, einen Gegenbeweis zu liefern. Dann wird das Ganze zu einem sehr scharfen Instrument. Nur weil das einen Schutz darstellen soll, kann man nicht den Schutz anderer Menschen völlig vernachlässigen. Uns geht es zusammenfassend darum unsere Stimme in jeder Vertretung zu einer klaren Ansage zu machen.

mokant.at: Das heißt die Wien-Wahl ist für die Männerpartei der Startschuss bis nach oben ins Parlament?
Kaspar: Ja, wir sehen das natürlich so. An der Resonanz in der Bevölkerung haben wir gemerkt, dass ein starkes Bedürfnis da ist, endlich mit dieser Hetze gegeneinander aufzuhören. Der ganze Lobbyismus ist nur mehr ein Kräftespiel, das zu massiver Korruption führt. Man braucht keine Tauschgeschäfte, sondern klare Regeln die für alle gelten. Menschenrechte sind hier eine gute Grundlage, weil diese für alle gelten, sie keine Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Geschlecht haben.

mokant.at: Zum Abschluss möchte ich Sie noch auf einen konkreten Punkt aus Ihrem Wahlkreis ansprechen. Wie sehen Sie die Entwicklung der Seestadt Aspern?
Kaspar: Als Partei haben wir uns noch nicht ganz zu einem einheitlichen Standpunkt durchgerungen. Ich persönlich sehe das sehr positiv, weil diese urbanen Zonen ein gutes Klima fürs Miteinander schaffen. Solche Begegnungsstätten führen die Menschen zusammen, man sieht es auch an der Donauinsel. Das größte Problem bei der Stadtplanung ist die ideologische Scheuklappenpolitik, dass Leute nur nach ihrem Klientel handeln, auch wenn es sich als Blödsinn herausstellt. Wir versuchen, Wähler auf eine andere Art anzusprechen, statt einer Klientelpolitik wollen wir eine Solidaritätspolitik. Wir wollen die Menschen nicht gruppenweise fassen, sondern als Ganzes. Wir schauen uns an, wo Probleme sind und lösen sie.

Foto: (c) Christina Stowasser

Titelbild: (c) Christina Maria Stowasser

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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

1 Comment

  1. Martin Drucker

    19. September 2015 at 23:50

    Ewig schade, dass die Männerpartei nicht im Dritten antritt! Da heißt es nur: Nase zuhalten und den HC wählen!

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