„Käuzchen“: Erdnussautomat, Freeman und Tschickqualm

Käuzchen

Teil 9 unserer Lokalrunde: Der Sommer geht zu Ende und somit auch die nächtliche Reise durch Wiens Lokale. Letzter Halt: „Käuzchen“

Als wir von der gegenüberliegenden Straßenseite sehen, dass ein Tisch des Gastgartens gerade frei wird, laufen wir schnell über die Straße. Die Gruppe, die gerade aufbricht, lächelt uns freudig zu. Alle Heurigentische seitlich neben dem „Käuzchen“ sind besetzt. Zu unserer Belustigung stellen wir fest, dass über jedem Tisch ein Schirm aufgespannt ist, nur an unserem nicht. Obwohl es bereits kurz vor 22 Uhr ist, versuchen wir den Schirm zu öffnen, weil wir irgendwie dazugehören wollen. Bei diesem Versuch versagen wir jedoch kläglich und beschließen es dann doch zu lassen. Der längliche Gastgarten, der sich von der Neustiftgasse in eine kleine Seitengasse zieht, ist mit einem dezenten Holzzaun umrandet. Seitlich ragen hohe Altbauten in den Himmel. Etliche Pflanzen stehen an den Rändern des Gartens und verpassen dem Ganzen einen angenehmen Gartenflair.

(c) Katharina Rustler

(c) Katharina Rustler

Da nach längerem Warten keine Bedienung kommt, gehe ich in das Innere des Lokals und stelle mich an die Bar. Ein älterer Herr mit langem Bart steht ebenfalls dort und starrt mich kurz mit aufgerissenen Augen an. Als ich zurückstarre, sieht er zur Seite und verschwindet nach draußen. Eine junge Kellnerin mit Brille und geflochtenem Zopf steht hinter der Bar und unterhält sich mit einem Gast. Sie sieht mich und plaudert noch kurz weiter. Während ich warte, sehe ich mich etwas um. Neben der reichen Dekoration an den Wänden des sehr urigen Lokals entdecke ich einen kleinen Erdnussautomaten auf der Theke. Gerade, als ich mir diesen genauer ansehen möchte, fragt mich die Kellnerin nach meiner Bestellung. Sie nickt freundlich und meint „Ich bring’s euch gleich raus“.

Who is who?
Von unserem Platz aus sehen wir genau in die Fenster des „Käuzchen“, die mit unterschiedlichen Dingen geschmückt sind. In einem davon stehen unzählige bunte Glasflaschen. Das andere ist mit bunten Stoffeulen dekoriert. In dem Fenster direkt neben uns steht ein Bilderrahmen mit dem Portrait eines Mannes. Ohne zu überlegen frage ich in die Runde, wieso hier wohl ein Bild von Morgan Freeman stehe. Vorerst geht keiner meiner Freunde darauf ein, bis ein Mädchen aus unserer Runde zu lachen beginnt. „Das ist doch nicht Morgan Freeman. Das ist Nelson Mandela“, bessert sie mich aus. Obwohl ich mich etwas schäme, beginne ich auch zu lachen. Trotzdem fragen wir uns, wieso genau Nelson Mandela in dem Fenster des Beisl steht. An der Wand daneben hängt ein Schild, das diverse Cordon-Bleu Gerichte anpreist.

(c) Katharina Rustler

(c) Katharina Rustler

Das Publikum wirkt recht durchgemischt, jedoch fällt uns auf, dass doch eher ältere Gäste da sind. Als eine Frau gerade aufsteht um zu gehen, läuft ihr eine junge Kellnerin hastig hinterher. Scheinbar hatte die Frau vergessen zu zahlen. Während wir das Geschehen beobachten, kommt die Kellnerin mit dem Zopf an unseren Tisch. „Ich muss leider abkassieren. Der Garten macht zu“, teilt sie uns freundlich mit. Sie setzt sich zu uns auf die Bank und rechnet unsere Preise auf einem kleinen Notizblock aus. Da wir noch nicht gehen wollen, beschließen wir, uns hinein zu setzen.

An der Bar, die sich gleich beim Eingang des Lokals befindet steht eine Gruppe von jungen Leuten. Wir quetschen uns an ihnen vorbei, um in den zweiten Raum zu gelangen. „Dark beer on draft. Come on“, fordert ein Mann der Gruppe seinen Freund auf. Als Kontrast zu draußen sind beinahe alle Tische im Inneren des „Käuzchen“ mit jüngeren Gästen besetzt. Wir entscheiden im Raucherbereich zu bleiben und ergattern im dritten Raum den letzten freien Tisch. Da hier ein Sessel zu wenig steht, borgen wir uns einen von unserem Tischnachbarn aus. Dieser nickt nur freundlich, um sich gleich wieder in den Bildschirm seines Laptops zu vertiefen. Während er eifrig auf die Tastatur tippt, bewegt er seine Lippen lautlos dazu.

„Besitzer oder Geschäftsführer?“
Wir stellen fest, wie sehr die Luft steht. Rauchige Kringel von Zigarettenqualm schweben durch das Zimmer und mischen sich mit dem Geruch von fettigem Essen. Der hintere Teil des kleinen Raumes wird von einer Art Holzverkleidung abgetrennt, wodurch eine schmale Nische entsteht. In dieser sitzen vier junge Männer und essen. Sie wirken ausgelassen und lachen laut. Neben dem Herrn mit dem Laptop sitzt sich ein junges Pärchen gegenüber, das sich leise unterhält. Der Aschenbecher zwischen ihnen ist beinahe bis zum Rand mit Zigarettenstummeln gefüllt. An der Wand neben uns hängt ein Bild mit der Aufschrift „Alle großen Ideen scheitern an den Leuten“.

Als ich mich etwas später erneut an die Bar stelle, bemerke ich, wie weit das Lokal noch in die andere Richtung weiter geht. Jedoch ist der Nichtraucherbereich ganz leer. Ich muss nur kurz warten. Die Kellnerin kommt mit einem Lächeln auf mich zu. Ich frage sie, ob ich einen Kontakt zu dem Besitzer des „Käuzchen“ bekommen könnte, um ihm ein paar Fragen über das Lokal zu stellen. „Besitzer oder Geschäftsführer? Was ist dir denn lieber?“, entgegnet sie hilfsbereit. Als ich meine, dass dies eigentlich egal wäre, drückt sie mir ein Streichholzschächtelchen in die Hand und verweist auf die Telefonnummer darauf. Leider erreiche ich am nächsten Tag niemanden dort. Weder Besitzer noch Geschäftsführer.

(c) Katharina Rustler

(c) Katharina Rustler

Wir bleiben noch eine Weile und beschließen, nach einer letzten Runde langsam zu gehen. Wir bezahlen unsere Getränke und verlassen das noch immer recht gut besuchte Beisl. Wir gehen an dem leeren Garten und dem eigentlichen Eingang auf der Neustiftgasse vorbei. Ein großes Schild darüber kündigt mit leuchtenden Buchstaben „Käuzchen“ an. Daneben steht in einer ebenfalls hell erleuchteten Auslage ein großes Motorrad. Erneut fragen wir uns, wieso genau ein Motorrad ausgestellt ist, gehen dem Ganzen jedoch nicht weiter auf den Grund. Langsam schlendern wir die nächtliche Straße entlang.

Titelbild: (c) Katharina Rustler

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