Ehe: Zwischen Prostitutionslizenz und Führerschein

Mit der Austragung des Songcontest 2015 hat sich Österreich als weltoffenes, tolerantes Land positioniert. Viele homosexuelle Paare fühlen sich dennoch diskriminiert – für sie gilt das Eheverbot.

Das Eheverbot und die damit einhergehende Diskriminierung ist für Sven Alexander Hofer der Grund, seinen Lebenspartner momentan nicht zu heiraten. Einerseits, weil homosexuelle Paare, wenn sie eine eingetragene Partnerschaft (EP) eingehen den „Familiennamen“ verlieren und fortan einen „Nachnamen“ tragen. Damit verbunden sei ein Zwangsouting, sagt Sven – zum Beispiel, wenn man ein Formular ausfülle, in dem zwischen Familiennamen und Nachnamen unterschieden wird: „Aber ob ich mich outen will oder nicht, ist ja wohl Privatsache.“ Der Wiener Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner kritisiert, dass somit nur für homosexuelle Paare eine eigene Namenskategorie neu erschaffen wurde: „Dass man eine Bevölkerungsgruppe durch eine eigene Namenskategorie kennzeichnet, hat es seit der Nazizeit nicht mehr gegeben.“

Für homosexuelle Paare gilt außerdem ein Standesamtsverbot. Eine eingetragene Partnerschaft wird bei der Bezirksverwaltungsbehörde geschlossen, wo man sonst zum Beispiel Prostitutionslizenzen oder Gewerbeberechtigungen erhalte, so Graupner: „Schon beim Schließen der Partnerschaft führt man den Menschen damit vor Augen, dass sie nicht gleichwertig sind.“ Für Sven ist dies tatsächlich ein weiterer zentraler Punkt, keine EP einzugehen: „Heiraten zwischen Jagdressort und Führerscheinstelle ist nicht besonders romantisch.“ In insgesamt 33 Punkten unterscheidet sich die Eingetragene Partnerschaft von der Ehe. Als die EP 2010 eingeführt wurde, waren es noch knapp 70 Unterschiede.

Hochzeit im toleranteren Nachbarland
Christina Maria Bauer heiratete ihre Frau Daniela bereits 2008. „Da zu diesem Zeitpunkt in Österreich noch kein Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Partnerschaften existierte und wir einen gemeinsamen Namen führen wollten, hatten wir die offizielle Zeremonie auf dem Krefelder Standesamt.“ Da damals nicht die gesamte Verwandtschaft anwesend sein konnte, feierten die beiden ihre Hochzeit ein zweites Mal in Wels. „Wir hielten eine private, feierliche Zeremonie ab. Mit Musik, Einmarsch, passenden Texten und Treuegelöbnissen. Das war ganz klassisch – es gab zu essen, zu trinken, eine schöne Hochzeitstorte, lustige Spiele und Geschenke.“

Sven und sein Partner gehen offen mit ihrer Beziehung um, auch ihrem Sohn gegenüber. Beim Thema Kinder gibt es jedoch weitere Unterschiede: Bisher durften homosexuelle Paare keine Fremdkinder adoptieren. Erlaubt ist seit 2013 aber die Stiefkindadoption. Ab 2016 erhalten nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs homosexuelle Paare die gleichen Adoptionsrechte wie heterosexuelle Paare.

Gleiches Recht durch Gerichtsurteile
„Alles was wir an Recht haben, haben wir immer vor Gericht erstritten“, sagt Sven. Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Partnerschaft wurden in den letzten Jahren stets durch Gerichtsurteile aus der Welt geschafft. Sven Alexander Hofer ist auch Obmann des Vereins Vielfalt, der Initiator der Bürgerinitiative Ehe gleich ist. Mehr als 27.000 Österreicher haben bereits unterschrieben und verlangen damit die Aufhebung des Eheverbots für homosexuelle Paare. SPÖ, Grüne und NEOS treten für die Öffnung der Ehe ein.

Politischer Widerstand
Anders als ÖVP, FPÖ und Team Stronach. Die Familiensprecherin der FPÖ, Anneliese Kitzmüller sagt, dass in Österreich niemand diskriminiert werde und es den Initiatoren der Bürgerinitiative lediglich um die Aufweichung familiärer Strukturen ginge. Dem widerspricht Graupner: „Wenn ein Paar eine Ehe eingeht, wird die Partnerschaft stärker gefestigt als das jetzt mit der Eingetragenen Partnerschaft der Fall ist.“ Insbesondere für Kinder wäre eine Ehe ein Vorteil, so Graupner: Gleichgeschlechtliche Paare hätten jetzt zwar gleiche Familiengründungsrechte, aufgrund des Eheverbots seien ihre Kinder unehelich. Das nehme ihnen die Stabilität der Familie. Sven erzählt: „Es ist ja genau dieses Familienbild, das wir wollen. Wir leben ja diese konservativen Werte.“

Sven glaubt an den Erfolg der Bürgerinitiative: „Es ist unmöglich, dass die Bürgerinitiative scheitert, denn jede Unterschrift ist eine klare Aussage für Gleichberechtigung.“ Sven fordert auch die Politik und im Speziellen die ÖVP auf, auf die Bevölkerung zu hören. Das Volk sei in diesem Punkt schon viel weiter als die Regierung. „Vor dem Gesetz sind wir alle gleich und dieses Recht fordern wir ein“, sagt Sven.

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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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