Reiseguide: Zagreb

DSCN4389 (4)

Es muss ja nicht immer die Küste sein – Die Hauptstadt Kroatiens hat so einiges zu bieten!

Hier geht’s zu weiteren Reiseguides

Wer sich einmal abseits vom „more“ in das Landesinnere Kroatiens vorwagen möchte, wird es nicht bereuen. Die Hauptstadt eines der Lieblingsreiseziele der Österreicher ist charmant und wunderschön.

Tipp 1: Eine Busfahrt, die ist lustig. Eine Busfahrt, die ist schön.
Auf jeden Fall mit dem Bus anreisen! Dieser kostet ab Wien hin und retour nur 56 Euro und fünf Stunden Anfahrtszeit sind nun auch nicht zu verachten. Jedenfalls ist es stressfreier als selbst mit dem Auto zu fahren. Aber Achtung bei der Grenze: Der Stopp dient tatsächlich nur der Passkontrolle und wer dort nicht zurückgelassen werden möchte, sollte sich nach Vorzeigen des Passes schnurstracks wieder in den Bus begeben. Und über zurückgelassene, wütende Passagiere sollte möglichst auch nicht gelacht werden.

DSCN4390 (3)

Foto: (c) Agnes Kugler

Tipp 2: Wer Prag mag, wird Zagreb lieben!
Für das weltberühmte „Goldenen Gässchen“ in Prag muss ja Eintritt bezahlt werden, in Zagreb hingegen kann durch ähnlich charmante Gassen gratis flaniert werden. Der Einfluss der Habsburger-Monarchie ist wahrlich nicht zu übersehen. So sind auch hier noch Straßennamen in deutscher Sprache zu entdecken, wie etwa rund um die St. Markus Kirche in der „Gornji Grad“ (Oberen Stadt). Über die Stadt verstreut finden sich einige Gebäude, die an ein kleines Schönbrunn erinnern, nur noch ein bisschen gelber, so etwa das Theater. Ein besonderes Zuckerl der Stadt ist ein gratis zur Verfügung gestellter Wifi-Hotspot („Grad Zagreb“). So kann überall in der Innenstadt gratis das Internet genutzt werden, was gerade für Backpacker besonders praktisch ist.

Tipp 3: Es kann nicht immer nur gelacht werden!
So schön die Innenstadt auch ist, gerade im Sommer kann das Spazieren durch die Stadt ganz schön anstrengend werden. Hier empfiehlt sich auf jeden Fall ein Museum aufzusuchen. Als Anthropologin finde ich natürlich das Ethnographische Museum nahe des Theaters ganz toll. Wer jedoch einmal etwas ganz anderes erleben möchte, der gehe in das 2010 eröffnete „Museum of Broken Relationships“ (Ćirilometodska 2). Hier kommen beim Besucher sehr ambivalente Gefühle auf – mal muss man über die absurden Trennungsgeschichten lachen, dann drücken die Erzählungen doch sehr auf die Tränendrüse. Auf ein Happy End darf freilich nicht gewartet werden. Dieses Jahr eröffnete noch ein zweites, spezielles Museum in der Ilica Ulica in Zagreb: Das Museum of Illusions. Wenn das nur halb so gut ist wie das Museum of Broken Relationships, dann kann ich nur eine schwere Empfehlung abgeben. Trotz dieser hip-wirkenden, neuen Museen scheint Zagreb aber eher eine Hipster-freie Zone zu sein.

11880975_1024468087564251_37395870_n

Foto: (c) Agnes Kugler

Tipp 4: Mit Musik durch die Nacht
Wer liebt sie nicht? Die Live-Konzerte an einem lauen Sommerabend. Auch hier hat Zagreb einiges zu bieten. Da wäre zum einen der Trg Europe (Europaplatz) in der Nähe der wunderschönen Kathedrale, wo sogar Sand angeschüttet wird und Liegestühle bereit stehen und zum anderen das Viertel „Strossmatre“. Letzteres kann ich besonders empfehlen. Das Strossmatre befindet sich wie die St. Markus Kirche in der Gornji Grad und bietet dabei einen tollen Blick über die Donji Grad (Untere Stadt). An beiden Veranstaltungsorten wird kein Eintritt verlangt. Hingehen lohnt sich also auf jeden Fall. Die Musikstile sind ganz unterschiedlich, also ist bestimmt für jeden etwas dabei.

Tipp 5: Nah, so nah ist das Meer.
Sollte der eine oder die andere doch ans Meer fahren wollen – zwecks Abkühlung zum Beispiel, dann empfiehlt sich eine Busfahrt an die Küste. Vom sogenannten „Autobusni Kolodvor“ führen Busse an alle Orte, die das Herz so begehrt, so z.B. Pula (4-5h), Zadar (3-4h), Split (5-6h), Šibenik (5-6h). Dort wiederum seien Fähren an die vorgelagerten Inseln empfohlen. Besonders schön ist es dort aber nicht nur im Sommer, sondern vor allem im Frühling, wenn alles blüht. Außerdem sind die Strände dann etwas weniger von österreichischen und deutschen Touristen überflutet. Aber das ist wieder ein anderer Reiseguide.

Drei Insider-Tipps:
1. Die Bar „Krivi-Put“: Heißt zwar übersetzt „Falscher Weg“, ist aber definitiv der richtige Weg zu einem netten Abend bei ein paar Bieren. Das Lokal mit der Hausnummer 14 in der Savska Cesta (Straße) ist ein sehr schönes „come as you are“-Plätzchen zum Draußen im Garten sitzen, wo man nicht um 23 Uhr ins Lokalinnere gebeten wird. Ein Bier kostet umgerechnet etwa zwei Euro.

DSCN4396 (3)

Foto: (c) Agnes Kugler

2. Jarun See: Die Einheimischen lieben den künstlich angelegten See zwar nicht so sehr, aber zur Abkühlung tut er es allemal. Er ist zudem leicht mit der Straßenbahn zu erreichen. Ein Einzelfahrschein für die schöne blaue Tram kostet 10 Kuna (bisschen mehr als 1 Euro) und ist direkt beim Fahrer erhältlich. Außerdem stehen den Gästen Duschen und WCs gratis zur Verfügung.

3. „Le Prase“: Der etwas andere Souvenir-Laden in der Ulica Radićeva 4. Hier ist alles selbstgemacht und wunderschön, von witzigen Holzschildern, wie „In case of emergency break dance“ über ulkige Sparschweine, bis hin zu hübschen Schmuck gibt’s hier sehr vieles, das vor allem das weibliche Herz begehrt. Jedes Stück ist ein Unikat und damit ein tolles Mitbringsel aus dem Urlaub.

Was ihr nicht tun solltet:
1. …in den Zoo gehen. So schön der Park Maksimir, in dem sich der Zoo befindet, auch ist, auf einen Besuch des letzteren kann gut und gern verzichtet werden. Er ist eher mittelmäßig ausgestattet und über die Tierhaltung lässt sich ebenfalls streiten. Aber ein Spaziergang im Park lohnt sich auf jeden Fall!

2. …Ćevapčići essen. Wer auf Ćevapčići steht, sollte diese eher in Bosnien probieren. Hierzulande ist eher davon abzuraten. Aber kosten kann man sie natürlich trotzdem.

3. …darüber diskutieren, ob Nikola Tesla Kroate oder Serbe war. In Kroatien ist er Kroate und in Serbien Serbe – Ende. Das erspart euch lange und teilweise heftige Diskussionen.

Titelbild: (c) Agnes Kugler

Hier geht’s zu weiteren Reiseguides

Hat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Mitglied werden und damit jungen Journalismus fördern! Wenn du jeden Dienstag über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zum mokant Newsletter anmelden.

Agnes J. Kugler studiert Kultur- und Sozialanthropologie. Einen Großteil ihrer Zeit verbringt sie auf ihrem Fahrrad Gustav oder in der Bibliothek. Seit Jänner 2015 ist sie als Redakteurin bei mokant.at tätig. Kontakt: agnes.kugler[at]mokant.at

5 Comments

  1. Clemens H.

    18. August 2015 at 12:51

    mokant wird auch nicht unbedingt besser… mir kommt vor ihr schreibt nur mehr Reiseguides und Bandinterviews^^ Wann kommt wieder mal was mit mehr Substanz?

    • Michael Nowak

      18. August 2015 at 13:49

      Wenn nicht mehr alle ferienbedingt über die halbe Welt verstreut oder arbeiten sind oder jemand beschließt, dass man auch für Journalismus im Internet zahlen könnte. Nachdem letzteres so bald wohl nicht passieren wird, können wir wohl nur auf Semesterbeginn vertrösten, bis wieder regelmäßig was Ordentliches kommt.

    • Sofia Khomenko

      19. August 2015 at 11:59

      @Clemens H.
      1. Danke für dein Feedback.
      2. Im September kommt wieder mehr Substanz.
      3. Muss ich mich da Michael anschließen. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und machen mokant.at neben Studium und Arbeit oder – wie in meinem Fall – neben einem anderen Hauptberuf. Und Artikel mit Substanz brauchen viel Arbeit und Zeit. Es wäre natürlich leichter, wenn wir das nicht gratis machen würden. Es gibt übrigens die Möglichkeit uns zu unterstützen: http://mokant.at/mitglied-werden/

    • Dominik Knapp

      24. August 2015 at 14:10

      Wir mokant-Redakteure nennen diese Phase von Mitte Juni bis Ende August sehr einfallsreich gerne „Sommerloch“.
      Leider wird sich dieses Sommerloch auch künftig nicht vermeiden lassen, sofern sich nicht – wie bereits angemerkt – mehr fördernde Mitglieder oder sonstige Einnahmequellen finden lassen.
      Aber wir geben unser bestes und sind für jegliche Ideen unserer Leser, wie man diesen Umstand bestmöglich ändern könnte, jederzeit offen.

    • Agnes Kugler

      25. August 2015 at 13:50

      Außerdem ist der Sommer ja Reisezeit! Ich finde, da kann man gar nicht genug Reiseguides lesen 🙂 Welche Themen (mit mehr Substanz) würden dich denn interessieren?

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.