„Connolly’s“: Bambus, Samt und Veilchenspritzer

connolly´s

Teil 7 unserer Wiener Lokalrunde: Dieses Mal zieht es mokant.at in das irisch-österreichische Lokal nach Wien Meidling.

Ganz am Ende der Schönbrunner Straße, beinahe vor den Toren zum Schlossgarten, bietet die moderne Terrasse der Bar „Connolly´s“ eine angenehme Abwechslung in der sonst eher Lokal-armen Gegend. Unter straff gespannten grauen Sonnensegeln tummeln sich etliche weiße Korbstühle und Tische mit kleinen Pflänzchen darauf. Als Abtrennung zu der stark befahrenen Straße säumen hohe Bambushalme den Rand der Terrasse und verleihen dem Ganzen eine schick-gemütliche Atmosphäre. Genau diese scheinen viele der anderen Gäste auch zu schätzen: Jeder Tisch vor dem Lokal scheint besetzt zu sein. Bei einem kurzen Blick in das Innere des Lokals, stellen wir fest, dass dieses ebenfalls voll ist. Somit stellen wir uns an den Eingang und beschließen eine Weile zu warten.

Gleich zu Beginn unserer Ankunft fällt uns ein Mann mit lässig herabhängenden Hosenträgern auf, der vor den geöffneten Fensterscheiben des Lokals steht und mit lauter Stimme Fragen an das Publikum stellt. „In welcher Stadt wurde Christoph Kolumbus geboren?“, fragt er und nippt genüsslich an der Flasche Bier in seiner Hand. „Kommt Leute, so schwer ist das nicht“, meint er und sieht dabei auffordernd zu den Gästen ins Inneren der Bar. Gerade als einige Gäste ihre Antworten Preis geben und der Mann sie verkünden will, erscheint eine rothaarige Frau in einem schwarzen Kleid aus dem Lokal. Sie fragt uns mit einem Blick auf die gut besuchten Tische, ob wir denn reserviert hätten. Als wir dies verneinen, bietet sie uns an, drei Liegestühle und einen Sessel auf ein Stückchen Rasen, der sich links an die Holzterrasse anschließt, zu bringen. „Das gehört nämlich auch noch zu uns“, erklärt sie uns und verschwindet im Eingang der benachbarten Türe.

„Mit Herz und Seele“
Eine Minute später kommt sie mit einem kleinen Tischchen und drei Liegestühlen unter dem Arm aus dem Stiegenhaus. Mit einem freundlichen Lächeln stellt sie diese auf das Stück Rasen und holt gleich noch einen der weißen Korbsessel von der Terrasse. Während sie den Tisch noch mit einem feuchten Tuch wischt, entschuldigt sie sich für die Umstände. „Dienstag ist immer Chaos bei uns. Da ist alles voll“, erzählt sie uns. Wie wir später erfahren, ist Andrea die Besitzerin des „Connolly´s“. „Heute ist Quizabend und der Gewinner bekommt eine Sektflasche geschenkt“, erklärt uns Andrea und nimmt unsere Bestellung auf.

Im November 2012 haben Andrea und ihr Mann Martin das „Connolly´s“ eröffnet. Martin kommt aus Irland, daher auch der Name, erzählt sie mir. „Es ist eine Mischung aus irischem Pub und österreichischen Bar. So etwas gibt es kaum“. Die beiden sind eigentlich Architekten und machen das hier „mit Herz und Seele“, so die Besitzerin.

(c) Sophie Caroline Lerch

(c) Sophie Caroline Lerch

Als wir unsere Getränke bekommen, sind wir erstaunt über die kelchartigen Gläser, die beinahe bis zum Rand gefüllt sind. Die Kombination aus Aperol, Cosmopolitan und Veilchenspritzer zeichnet eine sommerliche Farbenpalette auf dem kleinen Tisch vor uns ab. Wir bemerken, wie ruhig es hinter den Bambushalmen ist. „Fast wie im eigenen Garten“, stellen wir belustigt fest und prosten einander zu. Die anderen Gäste sind hier kaum zu hören. Lediglich die Frage des Quizmasters hallt zu uns herüber.
„Welcher Alkohol ist in Caipirinha drinnen?“, ruft er ins Publikum. Die Antworten und das weitere Geschehen bekommen wir nur gedämpft mit. Erst als es leicht zu regnen beginnt, verlassen wir unseren „Garten“ und nehmen an einem freigewordenen Tisch unter dem Schutz des Sonnensegels Platz. Nun bemerken wir, dass bereits der Großteil der Tische leer ist.

Retro-Chic und Mauerwerk
Nach mehreren Blicken in die reiche Vielfalt der Getränkekarte und einigen Veilchen- und Rosenspritzern, werden wir gegen 23 Uhr in das Innere des Lokals gebeten, da die Terrasse schließt. Wir gehen dem Wunsch gleich nach und bestellen an der Bar noch eine Runde. Die Wände des „Connolly´s“ bestehen aus rohem Mauerwerk und stellen eine nüchterne Abwechslung zu den prunkvollen Leuchtern an der Decke dar. Schwere rotbraune Ledersofas füllen den großen Raum, in dem sich auch die eckige Bar befindet. An den Wänden sind ausschließlich schwarz-weiße Fotografien angebracht.

(c) Connolly´s

(c) Connolly´s

Durch einen kleinen Durchgang betreten wir den Raucherraum. Dieser ist ähnlich dekoriert und kleiner als der Hauptraum. An den Wänden reihen sich alte Theatersitze, die mit leuchtend türkisem Samt bezogen sind. Auf jedem der Tische thront ein dicker Kristallaschenbecher. Wir lassen uns an dem einzig freien Tisch gleich neben dem Eingang nieder und bestaunen die Retro-Sitze. Der Mann, der vorhin die Quizfragen an die Gäste gestellt hat, sitzt nun entspannt am Nebentisch und unterhält sich mit anderen Gästen. Irgendwann kommt Andrea auch in den hinteren Raum und fragt, ob bei uns alles in Ordnung sei. Wir bejahen ihre Frage und fühlen uns sehr willkommen.

Als wir gegen 0 Uhr von einer jungen Kellnerin die letzte Runde angekündigt bekommen, entscheiden wir uns langsam auf den Weg zu machen. Da niemand mehr nach hinten kommt, gehen wir vorne an die Bar. Der vorhin noch sehr volle Raum ist nun komplett leer. Lediglich die letzten leeren Gläser am Rand der Bar Theke verweisen darauf. Wir bezahlen unsere Getränke und verabschieden uns von Andrea und einer Dame, die bei ihr an der Bar steht. Die Sessel und Tische auf der Terrasse sind bereits weggeräumt und unser kleiner „Garten“ nur noch ein Stückchen Rasen neben der Straße.

Titelbild: (c) Connolly´s

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