Catastrophe & Cure: „Blut und Schweiß im Studio“

Foto: (c) Martin Kaufmann

Zum ersten Teil: Musikalische Sozialisierung und das schwierige zweite Album

„Bei uns waren dann noch die nackten Körper dabei“

mokant.at: Das Video zu Undeniable/Irresistible ist sehr interessant. Wer hatte da die Idee?
Johannes: Wir haben schon relativ früh im Herbst des Vorjahres überlegt. Die Idee, dass man analoge Visuals macht und das dann auf Körper projiziert, kam von mir. Hannah Todt und Clara Wolf haben dann noch sehr viel dazu beigetragen und das Konzept sinnvoll umgesetzt.

mokant.at: Mir ist bei dem Video aufgefallen, dass es vom Stil her sehr stark dem Album Effloresce von Oceansize ähnelt. War das eine Inspirationsquelle?
Sebastian: Oceansize gefallen mir sehr, aber das sagt mir jetzt nichts. (Er sieht das Cover) Ah, verstehe. Die haben sich auch mit Flüssigkeiten verschiedener Dichte und Farbe gespielt. Das ist eine beliebte Technik, bei uns waren dann noch die nackten Körper dabei, um das Ganze etwas spannender zu machen. (lacht)

Foto: (c) Martin Kaufmann

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mokant.at: Ich möchte jetzt gerne noch zu den Aufnahmen für das neue Album kommen. Ihr habt dabei wieder mit Markus Birkle zusammengearbeitet, der euch einen besonderen Deal gemacht hat. Erklärt das doch mal bitte kurz.
Johannes: Markus fand die Songs interessant und hat Lust bekommen, mit uns zu arbeiten. Er hat zu der Zeit ein neues Studio gebaut. Wir durften dann so viele Tage bei ihm aufnehmen, wie wir ihm auf der Baustelle halfen. Wir haben das dann so aufgeteilt, dass ein Teil der Band im Studio aufgenommen hat und der Rest auf der Baustelle durch Blut und Schweiß seinen Beitrag geleistet hat. (lacht) Das hatte den positiven Nebeneffekt, dass nicht immer alle Leute im Studio waren. Bei sechs Mitgliedern hast du schnell einmal sechs verschiedene Meinungen, dabei kann man sich schon mal gegenseitig behindern.
Sebastian: Die Räumlichkeiten waren eher klein und wenn man den ganzen Tag zu sechst drinnen steht, wird es furchtbar heiß und stickig. Man tritt sich dann gegenseitig auf die Füße.
Johannes: Im Proberaum funktioniert das Arbeiten mit der ganzen Band ganz gut, im Studio ist es aber besser, wenn sich das alles etwas verteilt.

mokant.at: Wie gut könnt ihr Sechs eigentlich von eurer Musik im Moment leben?
Johannes: Also rein davon zu leben geht sich nicht aus. Es ist mittlerweile ein nettes Taschengeld, wobei wir als Band die Einnahmen auf einem gemeinsamen Konto lagern. Wenn wie jetzt wieder etwas mehr zusammen kommt, wird das auch ausgeschüttet, aber rein davon zu leben ist bisher nicht möglich.
Sebastian: Wir haben bis jetzt ziemlich gut gewirtschaftet und uns selber relativ wenig ausgezahlt. Was wir an Gage bekommen fließt wieder in Promotion und Labelarbeit. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, jeden einen 100er in die Hand zu drücken oder ob man sich nicht doch lieber ein Video um einen Tausender leistet.
Johannes: Der finanzielle Aspekt steht bei uns im Hintergrund. Wir sind sehr idealistisch und wollen wirklich Musik der Musik wegen machen. Dass es jetzt seit zwei bis drei Jahren kontinuierlich bergauf geht, freut uns natürlich total.

„Wenn du das nicht machst, kann es ein hässliches Ende nehmen“

Foto: (c) Martin Kaufmann

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mokant.at: Soweit ich weiß, studiert ihr alle. Ist euer Song Not an Option to Fail ein Motto, seid ihr fleißige Studenten?
Sebastian: Der Johannes ist ein unendlich fleißiger Student. (sieht zu Johannes) Du bist wirklich eine leuchtende Fackel der Disziplin. (lacht)

mokant.at: Johannes, du studierst Jus: Ist der große Traum erfolgreicher Musiker oder erfolgreicher Anwalt zu sein?
Johannes: Natürlich möchte ich erfolgreicher Musiker sein. Wir sind aber alle realistisch und wissen, wie schwierig das sein kann. Selbst wenn du einen Hype hast wie Bilderbuch, Wanda und Co., gibt es immer noch die Frage, wie sich das auf einen langfristigen Erfolg umlegen lässt. Das ist das Spannende und gilt abzuwarten. Prinzipiell ist das natürlich mein Traum, es macht mir im Moment großen Spaß mit meinen Freunden unterwegs zu sein und mich zu verwirklichen. Ich sage aber nicht, dass ich um jeden Preis Erfolg haben möchte, sondern wir handeln aus Überzeugung und Idealismus heraus. Wenn man das nicht macht, kann das in dieser Branche ein hässliches Ende nehmen.
Sebastian: Man hört das auch, wenn jemand krampfhaft versucht erfolgreich zu sein. Da leidet meist die Musik darunter.

mokant.at: Was wäre da jetzt ein Beispiel, an das du gerade denkst?
Johannes: Puh, warte mal…
Sebastian: Ich will da jetzt keine Namen nennen. (lacht)
Johannes: Ich weiß nicht mehr wer das war, aber ich habe mir unlängst über eine Band gedacht, dass sie früher echt geil war und jetzt plötzlich schrecklich poppige Anwandlungen bekommen hat. Das trifft ja mittlerweile auf einige Bands zu. Es gibt genügend Beispiele in der Musikgeschichte, die ein brillantes erstes Album abliefern und dann wird es ganz schlimm, weil sie sich irgendwo verlaufen.

„Wir haben keine „Scheiß-die-Wand-an“- Einstellung im Suff“

mokant.at: Ihr habt vorher kurz das Tourleben angesprochen: Ihr spielt aktuell große Festivals wie das Frequency oder am Donauinselfest. Was habt ihr lieber: Diese großen Bühnen oder intime Clubshows?
Johannes: Ich mag beides gerne. Der große Vorteil am Festival ist, dass du sehr leicht ein neues Publikum erreichst. Das kann ganz interessant sein: Wie reagieren die Leute auf dich, kannst du sie überzeugen? Meist ist es so, dass man sich am Ende der Festivalsaison wieder auf die Clubgigs freut. Es kommt auch sehr auf das Festival an. Es gibt welche, da sind die Leute unglaublich aufmerksam. Dann gibt es wieder welche, wo du merkst, dass die meisten nur wegen des Alkohols da sind…
Sebastian: Was auch manchmal ganz witzig sein kann. (lacht)
Johannes: Wenn du vom Publikum nicht viel Feedback bekommst, ist es halt leider nicht so cool. Damit können wir aber ganz gut umgehen, vor allem weil wir jetzt nicht unbedingt Partymusik machen. Bei unserer Album Release Show im Mai war ich aber sehr erstaunt. Das hat uns sehr geflasht, dass ungefähr 500 Leute ins WUK kamen und relativ viel Geld am Tisch legten, um uns live zu sehen. Das war sehr cool und erfüllend, weswegen ich mich da auch zu einer emotionalen Rede hinreißen hab lassen.

Foto: (c) Martin Kaufmann

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mokant.at: Apropos Fans: Ich habe bis jetzt eigentlich fast keine negative Kritik über euch gelesen. In einem Interview im Zuge des Frequency-Festivals seid ihr jetzt schon mehrmals als die netteste Band der Welt bezeichnet worden. Wieso mag euch jeder?
Sebastian: Ganz so kann man es auch nicht sagen, wir haben dann doch auch unsere Hater. (lacht)
Johannes: Ja, anscheinend gibt es die auch, aber das ist völlig in Ordnung. Ich glaube, wir sind alle sehr umgänglich, keiner von uns zickt wahnsinnig herum, hat große Starallüren oder bekommt eine „Scheiß-die-Wand-an“-Einstellung im Suff. Ehrlich gesagt sind uns aber, was das betrifft, alle Bands in Österreich sehr ähnlich. Was die Kritiken betrifft passen die eigentlich immer ganz gut, abgesehen von dem einen Review von The Gap zum FM4-Geburtstagsfest, das war ein Ausreißer. Ich finde es ok wenn man eine Band scheiße findet, in dem Fall war aber ein Mangel an journalistischem Feingespür vorhanden. Wenn man es nicht eines Wortes würdigt, dass der Sänger nicht da war, weil er kurzfristig ins Krankenhaus musste und dass die Band den Auftritt deshalb in dieser Form improvisiert hat, könnte man das erwähnen und nicht nur mit einem „ausnahmsweise zu fünft“ abtun. Aber man weiß ja nie, vielleicht hat ja irgendwer von uns dem Autor die Freundin ausgespannt. Ich glaube, rein musikalisch gesehen treten wir selten ins Fettnäpfchen. Wir achten schon sehr darauf, dass nichts zu banal, peinlich oder übertrieben plakativ ist. Was das betrifft sind wir alle eher die Understatement-Typen.

mokant.at: Danke für das Gespräch.
Sebastian & Johannes: Danke auch!

Wer herausfinden möchte, wie „undeniable irresistible“ Catastrophe & Cure live sind, hat an folgenden Terminen dazu die Möglichkeit:

15.08. Free Tree Open Air (Taiskirchen)

20.08. FM4 Frequency Festival (St. Pölten)

28.08. Dead Man Walking (Miesenbach)

29.08. Gürtel Nightwalk (Wien)

11.09. Sonograph Festival (Vöcklabruck)

Zum ersten Teil: Musikalische Sozialisierung und das schwierige zweite Album

Titelbild: (c) Martin Kaufmann

Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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