Kopfhörerinnen: Destroyed But Not Defeated – Now For The Encore

Destroyed But Not Defeated – Now For The Encore
(VÖ 04.09.2015 | Wohnzimmer Records)

(c) Stephen Matthewson

(c) Stephen Matthewson

Lelo Brossmann sagt, er wolle laute Musik hören, also wolle er sie auch selber spielen. Hört man; er und der Rest seiner Wiener Band Destroyed But Not Defeated haben die E-Gitarren und Drums ausgepackt und Now For The Encore kreiert. Aber wenn man genauer und länger hinhört, wird klar – Lelo hält sein Wort nicht durchgehend.

Nach dem Motto „zu laut gibt es nicht“ geht es gleich los mit dem gleichnamigen Now For The Encore, eine metamusische Einführung ins Album, die möglicherweise besser an den Schluss des Albums gepasst hätte und einen besseren Einstieg bietet auf das, was dann tatsächlich kommt. Hörer und Hörerinnen werden angeregt dabeizubleiben, es ist ein Song, der besser auf die Bühne als auf ein Album passt. Kaum erholt, geht es weiter mit Hyst – nicht ganz so meta aber ähnlich Moll in den Klängen stehlen die Instrumente dem Leadsinger beinahe die Show.

Eine Achterbahnfahrt
Langsam macht sich ein Muster bemerkbar, denn wer sich jetzt weiter richtig laute, fetzige, böse Musik erwartet, muss sich gedulden; mit dem Song 1975 geht es gemütlich weiter. Er hat fast schon Radiopotenzial; ein nostalgischer Rückblick auf bessere Zeiten. Weiter geht es mit Wonderful Day, wieder irgendwie nostalgisch und voll mit Jugendproblemen, aber auch hier kämpft der Leadsänger um, nun ja, seine Lead-Position.

Es folgt You Or Me, und wir kommen endlich aus dem Trott heraus und steigen in die britische Indie-Rock-Szene an, die Stimmen sind rau und tiefer und ungebändigter. Wenn vorher inhaltlich Jugend thematisiert wurde, dann ist sie hier endlich musikalisch auf der Agenda, man spürt sie, die Lebenslust, und irgendwie muss man einfach mit dem Kopf wackeln. Leider bleibt er dann gleich bei It’s Over wieder stehen; schon klar, ist ein trauriges Thema, also auch ein trauriges Duett. Aber wo bleibt die Lautstärke, die uns gerade aus dem Trott rausgerissen hat?

Erwartungen und Inkonsistenz und Passion
Das Hauptproblem ist wohl, dass man Rock erwartet. Da das nicht geliefert wird, muss man schmollen. 2600 ist schon besser, es macht das etwas eintönige It’s Over wett und der Schädel wippt wieder – „geht doch“, denkt man. Es folgt Holding It All Together, und da ist sie wieder, die Inkonsistenz. Sind es ruhige Lieder, die sie nicht hinkriegen? Haben sie sich zu sehr auf ihre „Laut“-Devise versteift? Nein, denn bei Only Bodily Harm funktioniert es auch. Es geht weiter, und man hört sie, die Leidenschaft, mit der sie Musik machen, und das ist toll, aber manchmal reicht sie leider nicht.

Die nächsten Songs gehen so dahin und erst bei Soft Skull schnellt der Blick wieder nach oben, das ist eine spezielle Nummer mit einem netten Intro und Sprechgesang; das bringen sie richtig rüber, das ist nicht protzig oder anmaßend sondern ernstzunehmend und cool. Das letzte Lied, Land of Mountains, ist ruhig aber anders als die anderen ruhigen Songs. Die Karten liegen auf dem Tisch, es gibt keinen unangebrachten Stilbruch – es beginnt ruhig und endet ruhig. Was noch besser ist: es ist eine Ode an Österreich (Land der Berge – Land of Mountains), und es ist eine ehrliche Ode.

Dieses Mal können wir leider kein klares Fazit schließen, kein gut oder schlecht, kein yay oder nay. Bei den lauten Nummern geben Destroyed But Not Defeated schon ordentlich Gas, leider verlieren sie aber immer wieder ihre Form. Nichts desto trotz sind sie einen Reinhörer wert; lass die Wiener Band nicht im Stich, Land of Mountains!

 

Titelbild: (c) Stephen Matthewson

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

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