Fabian Oppolzer: „Psychiatrie, Gefängnis, Schule“

(c) Christina Maria Stowasser

Im Interview sprechen wir mit dem Autor Fabian Oppolzer über Österreichs Literaturszene, Self-Publishing und die Faszination am Verrücktsein

Düstere Geschichten, verrückte und absurde Sachen liegen ihm, sagt Fabian Oppolzer über sich selbst. 2014 hat der Autor sein zweites Buch Höllensturzsinfonie veröffentlicht, sein Debutroman Kein böses Kind erschien 2013. Als düster kann man beide Geschichten bezeichnen. Im Gespräch mit mokant.at erklärt der Autor, warum er sich am Anfang seiner Karriere nicht ernst genommen gefühlt hat, mit welchen Jobs er sich über Wasser hält und was Psychiatrie, Gefängnis und Schule gemeinsam haben.

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mokant.at: Du hast Vergleichende Literaturwissenschaft studiert – dabei raten die Lektoren einem vom Studium ab, wenn man Autor werden will. Was hast du richtig gemacht?
Fabian Oppolzer: Keine Ahnung. Ich glaube, dass man hartnäckig sein sollte. Ich hatte da Glück. Die ganzen Lektoren in den Vorlesungen haben gesagt: „Bitte schickt uns nie etwas, weil wir werden keine Zeit haben, es zu lesen.“ Ich habe trotzdem geschrieben, habe es aber nie weggeschickt. Einmal habe ich es meinem Mitbewohner zu lesen gegeben, er hat für eine Zeitschrift gearbeitet und es einem Redakteur weitergegeben und der wiederum hat es an einen Verlag weitergegeben und der Verlag hat sich dann bei mir gemeldet. Ich hatte einfach Glück.

mokant.at: Was würde bei einer Analyse deines eigenen Werks rauskommen?
Fabian Oppolzer: Boah, keine Ahnung (lacht). Das Gute daran, wenn man mit seinem Buch fertig ist, ist, dass man dann abschließen kann.

mokant.at: Also liest du deine eigenen Bücher nicht?
Oppolzer: Nur die Stellen, die ich vorlese. Den Rest eigentlich nicht. Ich habe das alles vorher wirklich sehr oft gelesen und auch überarbeitet. Man kann dann keinen objektiven Blick mehr darauf haben und stört sich nur mehr an Stellen, die man doch noch hätte verändern sollen. Auch beim Vorlesen merkt man bei vielen Wörtern, dass man lieber etwas anderes geschrieben hätte. Die Veröffentlichung ist wie ein Abschluss.

mokant.at: Wie würdest du dein neuestes Buch „Höllensturzsinfonie“ in einem Satz zusammenfassen?
Oppolzer: Es ist eine Suche durch einen Albtraum nach einer Sinfonie.

mokant.at: Musik ist ein wichtiges Thema in dem Buch. Welche Rolle spielt Musik für dich beim Schreiben?
Oppolzer: Eine kleine Rolle, weil ich beim Schreiben kaum Musik höre. Das lenkt mich total ab. Ich habe es mal mit Soundtracks probiert, weil ich gedacht habe, ich komme in Stimmung, wenn ich etwas beschreiben will. Aber das funktioniert einfach nicht, weil ich dann der Musik zuhöre und das nimmt viel zu viel Platz ein. Ich kann mich nicht mehr auf die Geschichte konzentrieren, deshalb schreibe ich eigentlich, wenn es ganz ruhig ist.

mokant.at: Wie kann man sich die Atmosphäre vorstellen, wenn du gerade ein Buch schreibst?
Oppolzer: Ich fühle mich immer sehr wohl, wenn ich die erste Fassung schreibe. Das ist eine Phase, in der ich mich zurückziehen kann und mich total auf die Atmosphäre freue, die dabei entsteht. Es ist eine sehr schöpferische Atmosphäre, die mit Kreativität vollgefüllt ist. In meiner Vorstellung ist das ein wahnsinnig angenehmer Ort, auch wenn ich nicht immer gerne hingehe. Man schreibt nicht jeden Tag gleich gerne. Man schiebt es – wie jede Arbeit – vor sich her und findet viele Ausreden, es nicht zu tun.

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mokant.at: Mit welchen Problemen hat man als Jungautor in der österreichischen Literaturszene zu kämpfen?
Oppolzer: Erstmal natürlich damit, Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist das größte Problem. Außerdem habe ich das Gefühl, dass man am Anfang nicht sonderlich ernst genommen wird. Auch von Leuten, die auf gleicher Höhe sind, wird man oft eher ablehnend behandelt.

mokant.at: Woher kommt das Gefühl, dass man nicht ernst genommen wird?
Oppolzer: Wenn man am Anfang irgendwo hinkommt, um zu lesen, bekommt man nichts aufgebaut und man wird auch nicht bezahlt, man bekommt einen Getränkegutschein und vielleicht die Fahrtkosten erstattet. Es ist einfach keine große Aufmerksamkeit da und man hat manchmal das Gefühl, die Leute erbarmen sich und man soll froh sein, dass man kommen darf.

mokant.at: Kannst du mittlerweile mit dem Schreiben deinen Lebensunterhalt verdienen?
Oppolzer: Nein, leider nicht. Es geht streckenweise. Jetzt über den Sommer geht das für eine kurze Zeit, aber insgesamt geht das nicht. Gerade auch wegen der Versicherungen und der Miete, oder was man alles monatlich bezahlen muss. Man hat kein monatliches Einkommen.

mokant.at: Durch welche Jobs hältst du dich sonst über Wasser?
Oppolzer: Ich habe lange in einer Psychiatrie gearbeitet und da kann ich auch immer wieder arbeiten. Jetzt habe ich in einer Buchhandlung gearbeitet.

mokant.at: In der Psychiatrie hast du sicher viele Erfahrungen für dein Buch gesammelt.
Oppolzer: Ja, ich fand das sehr faszinierend. Solche Räumlichkeiten – ich vergleiche das gerne: Psychiatrie, Gefängnis, Schule. Geschlossene Räume, wo eigene Hierarchien entstehen können. Man kann da viel reinpacken. Bei meinem ersten Buch („Kein böses Kind“, Anm. d. Red.) ist es eine Schule, jetzt eine Psychiatrie. Ich mag Geschichten gerne, die sich dort abspielen.

mokant.at: Glaubst du, ist es in Österreich nur möglich, als Autor Geld zu verdienen, wenn man Glattauer heißt?
Oppolzer: Es ist auf jeden Fall schwierig, damit Geld zu verdienen, das ist klar. Es sagt einem auch jeder, das ist beim Schreiben heute allgemein so, nicht nur in der Literatur. Es gibt so viele Menschen, die das machen möchten. Wenn man sagt, ich möchte reich werden, sollte man lieber von Vornherein etwas anderes machen. Oft sind es glückliche Zufälle, die es den Schriftstellern ermöglichen. Man sagt ja, Krimis haben einen Absatzmarkt. Leute lesen Krimis, die müssen auch nicht sonderlich gut sein. Aber mit Belletristik ist es schon schwer.

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mokant.at: Wäre das was für dich, einen Krimi zu schreiben?
Oppolzer: Ja, das könnte ich mir gut vorstellen. Alleine wegen der festgelegten Struktur, die sich aus dem Genre ergibt. Ich fände es spannend, innerhalb dieser Struktur etwas Originelles zu schaffen.

mokant.at: Was hältst du von dem Trend, selbst zu publizieren, wie zum Beispiel auf Amazon?
Oppolzer: Ja, warum nicht? Ich habe noch nie etwas gelesen, das auf Amazon publiziert wurde und man dann aufs ebook laden kann. Aber man hört immer wieder Geschichten, dass das für manche sehr lukrativ ist. Viele Leute, die schreiben, sagen, sie schreiben gerne Liebesgeschichten und da würden sie nie einen Verlag dafür finden, weil das schon abgedeckt ist. Davon gibt es am Markt schon genug. Die haben aber trotzdem die Möglichkeit, ihre ganz persönlichen Geschichten zu erzählen.

mokant.at: Wenn du nicht zufällig einen Verlag gefunden hättest, hättest du das auch gemacht?
Oppolzer: Nein. Aber ich bin jemand, der sich ganz schlecht selber vermarktet und das auch nicht unbedingt mag. Ich habe auch einen Lektor gebraucht und jemanden der sagt, dass das okay ist und veröffentlicht wird. Selber hätte ich mir das nicht zugetraut. Dann hat man wahrscheinlich noch mehr damit zu kämpfen, ernst genommen zu werden. Dann nimmt einen keiner für voll, wenn man sagt, man hat etwas selbst publiziert.

mokant.at: Stichwort Vermarktung: du hast gar keine offizielle Facebook-Fanpage oder Twitter-Seite. Ist das nicht wichtig heutzutage?
Oppolzer: Weiß ich nicht. Vielleicht. Ja. Ich denke mir immer wieder, dass ich das machen sollte oder jemandem sagen sollte, dass er das macht. Ich selber könnte das nicht und hätte auch keine Ambitionen dazu. Aber eigentlich sagt jeder, man sollte das machen heutzutage.

mokant.at: Es gibt seit einiger Zeit den Trend Poetry Slam. Hast du dich da selbst schon einmal versucht?
Oppolzer: Nein, ich schreibe ganz selten Gedichte und merke da auch, dass ich da deutlich an meine Grenzen stoße. Die Lyrik ist sicherlich das höchste sprachliche Gut und da bin ich auch stilistisch nicht gut genug. Bei Poetry Slam gibt es hin und wieder wirklich gute, aber die meisten Texte gefallen mir nicht. Mein Interesse liegt viel mehr auf düsteren Geschichten, auf verrückten und absurden Sachen, aber eher keine Gedichte.

mokant.at: Welche berufliche Laufbahn würdest du einschlagen, wenn du kein Autor wärst?
Oppolzer: Wahrscheinlich Musiker. Musiklehrer wäre ich geworden, denke ich.

(c) Christina Maria Stowasser

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mokant.at: Was ist dein nächstes größeres Vorhaben?
Oppolzer: Ich habe zwei Sachen gerade beendet und bin jetzt auf der Suche nach ganz neuen Themen. Ich bin mir aber noch überhaupt nicht sicher, was es wird.

mokant.at: Was hast du gerade fertig gestellt?
Oppolzer: Ich habe einen Krimi geschrieben, weiß aber noch nicht, was ich damit machen will. Er liegt jetzt bei mir zuhause und ich bin am überlegen, wie ich damit umgehe. Und dann noch eine kleinere Geschichte über jemanden, der verrückt wird.

mokant.at: Was fasziniert dich an diesem Thema so sehr?
Oppolzer: Einerseits die Ehrlichkeit und auch die Skrupellosigkeit, mit der man die Welt betrachtet. Und andererseits die Faszination daran, dass die Welt, die wir wahrnehmen, ganz subjektiv ist und sich verändern kann und damit auch real wird. Wenn ich irgendwelche Stimmen höre ist das für mich die Realität. Das finde ich fürs Schreiben und auch fürs Lesen total faszinierend.

Titelbild: (c) Christina Maria Stowasser

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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