Song Contest 2015: Die Favoriten im Kurzcheck

(c) Dominik Knapp

Morgen beginnt mit dem ersten Halbfinale, der erste von drei Teilen des diesjährigen Eurovision Song Contests. Donnerstag folgt dann das zweite Halbfinale und am Samstag schließlich das große Finale mit österreichischer Beteiligung durch The Makemakes.

Mit der einprägsamen Refrain-Zeile I Am Yours treten The Makemakes für Titelverteidiger und Veranstalter Österreich beim diesjährigen Eurovision Song Contest an. Da man seinem Erfolgskonzept treu bleiben sollte, brilliert Österreich wie im Vorjahr mit einer Ballade, toller Stimme und kann auch diesmal langes Haar und Bart vorweisen. Als Veranstalter fix für das Finale am Samstag qualifiziert, winkt Österreich auch diesmal ein Spitzenplatz. Der eingängige Song, der ein wenig an Coldplays The Scientist erinnert, rangiert laut Prognosen der Wettanbieter (Stand Mo. 18. Mai) zwar lediglich an 23. Stelle, doch auch Titelverteidiger Conchita Wust lag zum damaligen Zeitpunkt laut Buchmachern nur auf dem 8. Rang. Favoriten auf den Sieg sind diesmal dennoch ganz andere Nationen.

Da uns der Song Contest auch (oder gerade) heuer nicht Wurst ist, haben wir für euch auch diesmal die Top4 des Wettanbieterrankings (Stand: 18. Mai) sowie die persönlichen Favoriten unserer Musik-Redakteure genauer unter die Lupe genommen.

Können Wettquoten irren?

Schweden – Heroes – Måns Zelmerlöw
Schenkt man den Buchmachern bedingungsloses Vertrauen kommt der Sieger des ESC 2015 diesmal aus Schweden und heißt Måns Zelmerlöw. Sein Song Heroes trifft den Zeitgeist der aktuellen Popwelt mit Abstand am besten. Auch der Bühnenauftritt war dem eines Siegers würdig, doch das blaue Strichmännchen aus der schwedischen Vorentscheidung musste aufgrund von Plagiatsvorwürfen für den Auftritt beim Song Contest entfernt werden. Schweden gehört trotz des gestrichenen Strichmännchens mit Sicherheit zum Kreis der absoluten Topfavoriten.

Italien – Grande Amore – Il Volo
Mit einem typisch italienischen Canzone tritt Italien beim diesjährigen Eurovision Song Contest an – natürlich wie gewohnt mit einem Lied auf Italienisch. Grande Amore lautet der Titel des Stimmgewaltigen Trios Il Volo. Nach mehrmaligen Hören bleibt das Stück tatsächlich im Ohr, allerdings eben erst nach mehreren Wiederholungen. Für die Italiener spricht, dass sie stimmlich mitunter das Beste sind, das der diesjährige Contest zu bieten hat. Gegen sie spricht, dass man das Lied wohl wirklich zumindest zweimal hören muss bis es hängen bleibt. Insofern könnte sich die fixe Qualifikation fürs Finale sogar als kleiner Nachteil erweisen. Die Wettanbieter sehen Italien dennoch klar auf Platz 2.

Australien – Tonight Again – Guy Sebastian
An dritter Stelle rangiert laut Wettquoten Debütant Australien. Mit dem Song Tonight Again und dem dazugehörigen Interpreten Guy Sebastian, schickt das Land der Kängurus ein solides Konzept, mit dem man sich beim ersten und womöglich letzten Antritt mit Sicherheit nicht blamieren wird. Im Gegenteil, Tonight Again bleibt sofort positiv hängen und hätte von Bruno Mars oder One Direction gesungen wohl sogar Potenzial zu einem Welthit. Fraglich bleibt, welche Nationen für Australien anrufen werden. Denn die beim Song Contest so wichtigen Nachbarstaaten kann Australien definitiv nicht aufweisen.

Estland – Goodbye To Yesterday – Elina Born & Stig Rästa
Was im Vorjahr The Common Linnets mit Calm After The Storm waren, sind diesmal Elina Born und Stig Rästa mit Goodbye To Yesterday. Ein stimmlich interessantes Duett, das sich auch musikalisch von den meisten Kontrahenten abhebt. Auch die Buchmacher haben Estland diesmal auf der Rechnung. Wenn Elina Born noch eine Spur öfter Töne treffen würde, wären die Chancen auf den Sieg wohl sogar noch erheblich größer.

Können Musik-Kenner irren?
Auch die mokant.at Musik-Redakteure Alissa Hacker, Michael Nowak und Dominik Knapp haben die Teilnehmer wie im Vorjahr analysiert und ein Auge auf ihre persönlichen Sieganwärter geworfen.

Finnland – Aina Mun Pitää – Pertti Kurikan Nimipäivät
2006 gewann Finnland den ESC dank der extravaganten Hard-Rock und Heavy Metal-Band Lordi. Neun Jahre später schicken die Finnen wieder eine Band ins Rennem, die auf Anhieb im Gedächtnis bleibt. Pertti Kurikan Nimipäivät – häufig auch PKN genannt – heißt die Punk-Band deren vier Mitglieder allesamt mit einer geistigen Behinderung leben. Da es beim Song Contest schon lange nicht mehr ausschließlich um Musik, sondern oftmals – wie im Falle von Conchita Wurst – um eine Message geht, ist Finnland heuer ein ganz heißer Tipp auf den Sieg. Dieser Vermutung stimmen nicht nur die Wettanbieter mit Rang 6 zu, sondern auch mokant.at-Redakteurin Alissa Hacker, die bereits im Vorjahr mit ihrem Siegertipp nur haarscharf daneben lag. Weiters auf der Rechnung hat unsere ESC-Spezialistin Großbritannien mit dem Elektro-Swing-Beitrag Still In Love With You sowie den „Exoten“ Australien.

Slowenien – Here For You – Maraaya
Geht es nach Redakteur Michael Nowak, findet der nächste Eurovision Song Contest in Slowenien statt. Here For You von Maraaya könne, als einer der wenigen Songs, ohne weiters in jedem Hitradio der Welt gespielt werden. Maraaya erinnert ein wenig an Adele und steht laut der Wettquotenübersicht von oddschecker.com immerhin unter den Top 8. Ebenfalls Chancen auf den Sieg gibt Kollege Michael Nowak den Beiträgen aus Finnland, Italien und Mazedonien (in alphabetischer Reihenfolge).

Weißrussland – Time – Uzari & Maimuna
Wie schon 2014 kommt einer meiner persönlichen Favoriten aus Weißrussland. Das autoritär geführte Nachbarland Russlands entsendet auch diesmal den Song mit dem größten Ohrwurmcharakter. Time von Uzari und Maimuna beginnt zwar etwas schleppend, ist aber spätestens nach dem Refrain nicht mehr aus dem Kopf zu drängen. Allerdings stehe ich mit dieser Meinung ziemlich alleine da, denn die Wettanbieter listen Time nur auf Rang 22 – aber immerhin vor Österreich und Deutschland. Der Favoritenkreis ist diesmal so groß wie selten, kaum ein Beitrag sticht wirklich hervor. Neben der musikalischen Qualität und der gesellschaftspolitischen Botschaft, könnten Startnummer und Bühnenauftritt heuer eine ganz besondere Rolle spielen. Rein aus musikalischen Gesichtspunkten betrachtet, müssten meiner bescheidenen Einschätzung nach neben Weißrussland auch Österreich, Rumänien, Schweden, Australien, Belgien, Großbritannien und vor allem Norwegen mit A Monster Like Me unter den Top 10 landen.

Zum Abschluss noch die Studioversion Norwegens zum Reinhören:

Titelbild: (c) Dominik Knapp

Dominik Knapp war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Neben dem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften beschäftigt er sich vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest.

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