AG vs. GRAS: „Ohne AG macht Mitterlehner auch nichts“

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mokant.at: Die Wahlbeteiligung ist bekanntlich sehr gering. Nun gibt es Studierende, die den Stichtag zur Wahlberechtigung als undemokratisch betrachten, weil damit jene Studierende ausgeschlossen werden, die erst nach dem Stichtag inskribieren. Wie seht ihr das?
Meryl: Also ich sehe den Stichtag genauso kritisch. Wir haben einerseits den 31. März als Stichtag zur Wahlberechtigung, andererseits den 30. April als Stichtag für die Nachfrist. Dahinter steckt ganz einfach der Fristenlauf, der passieren muss. Ab 1. Juli gibt es nämlich eine neue Exekutive, das heißt die Wahlen müssen im Vorfeld stattfinden, irgendwann Ende Mai, Anfang Juni. Dadurch ergibt sich dieser Fristenlauf, mit ich glaube sechs Wochen, bevor die Wahlberechtigung bescheinigt werden muss. Das dient dazu, dass die Wahlkommission alles veröffentlichen kann und alles organisieren kann. Aber ja, ich sehe den Stichtag genauso kritisch und hätte den Stichtag gerne später.
mokant.at: Lässt sich das vielleicht irgendwie umsetzen?
Meryl: Es gibt eine Verordnung, die das regelt. Wir haben natürlich versucht diesen Stichtag nach hinten zu verlegen, aber das Ministerium meinte, wir wären an diese Fristen gebunden und es ginge nicht anders.
Jens: Ich sehe es genau so. Mir wäre auch lieber, der Stichtag würde mit dem der Nachfrist zusammenfallen. Denn nun haben wir etwa einen Monat dazwischen, in dem vielleicht Leute einzahlen, die davor nicht eingezahlt haben, weil sie nicht darüber bescheid wussten, oder im Ausland waren und die dann natürlich von einer nicht von ihnen gewählten ÖH vertreten werden. Das sind auch tatsächlich die einzigen, die eine Berechtigung haben zu sagen, ‘ich wäre vielleicht wählen gegangen und fühle mich nun falsch vertreten‘. Aber Meryl hat es bereits erklärt, dahinter steckt eben dieser bürokratische Hürdenlauf, der vermutlich schwierig zu umgehen ist. Es ist aber immerhin schon besser als bei der letzten Wahl. Damals war der Abstand zwischen diesen beiden Stichtagen noch extremer, denn da sind Freunde von mir – die sogar Kandidieren wollten – rausgeflogen, weil etwas am letzten Banktag mit der Banküberweisung nicht funktioniert hat. Das ist natürlich für einen persönlich ärgerlich.

(c) Dominik Knapp

(c) Dominik Knapp

mokant.at: Diesbezüglich seid ihr euch offenbar einig. Ein weitere Punkt bei dem ihr euch gewissermaßen einig seid, ist die Forderung nach einem österreichweiten Studententicket. Die GRAS fordern laut Website ein Ticket um 300 Euro im Jahr. Was stellt sich die AG hier konkret vor?
Jens: Finanziell würden wir in eine ähnliche Richtung gehen, also mit 365 Euro im Jahr. Wo bei uns Unverständnis herrscht, ist die Tatsache dass es im Regierungsprogramm steht und nicht umgesetzt wird, allerdings auch nicht nachgehakt wurde, dass es umgesetzt wird. Der große Aufschrei kam nämlich erst dann, als von Seiten der Regierung beschlossen wurde, es doch nicht umzusetzen. Es gibt Ermäßigungen für Lehrlinge und für Pensionisten, die teilweise mehr Geld haben als Studierende. Ich möchte diesen beiden Personengruppen die Ermäßigungen auch gar nicht absprechen, es geht viel mehr darum, dass es in einem relativ gut funktionierenden Staat wie Österreich, oder generell einem Staat in Mitteleuropa nicht sein kann, dass eine Personengruppe von diesen Ermäßigungen meist komplett ausgeschlossen wird und immer komplett bezahlen muss. Mein Kollege als Spitzenkandidat Peter Wiltsche kommt aus Kärnten. Er zahlt 1400 Euro im Jahr dafür, dass er zwischen Hermagor und Wien hin und her fahren muss. Im Monat sind das etwa 120 Euro und das ist nicht wenig. Man kann einem Studenten einfach nicht verwehren, dass er beispielsweise am Wochenende heim fährt. Deswegen gehört das Studententicket her. Punkt. Ausrufezeichen.
Meryl: Bei der Grundforderung sind wir uns einig, bei der Umsetzung unterscheiden wir uns auf jeden Fall. Studierende, die beispielsweise in Niederösterreich leben und in Wien studieren wollen, denen muss die gleiche Mobilität zur Hochschule gewährt werden, wie allen anderen. Ich finde aber spannend, dass du genau 365 Euro sagst, wo das doch seit Jahren die ‘Grüne Marke’, von der Grünen Partei ist. Wir bei den GRAS haben sogar nur 300 Euro für das österreichweite Ticket gefordert und ganz konkret auch für ein Semesterticket, dass maximal 50 Euro im Semester kosten darf, für ein Bundesland bzw. einen Verkehrsbund. Das heißt, wir wollen auch über Bundesländergrenzen hinweg denken und schauen, dass diese Ticketmodelle vereinfacht und harmonisiert werden und die Studierenden mobil bleiben können.

(c) Dominik Knapp

(c) Dominik Knapp

mokant.at: Beide Fraktionen fordern mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung von Lehrveranstaltungen. Wie sieht diesbezüglich die Taktik der GRAS aus?
Meryl: Wir wollen die lokalen Hochschulvertretungen stärken, schauen dass Studierende, die sich engagieren wollen, auch bei den Studienvertretungen engagieren können. Wir wollen die Leute einladen und mit ihnen etwas gemeinsam machen.
Jens: Die Studierenden an den Universitäten sind klarerweise die größte Gruppe, die dort anwesend ist. Die müssen dementsprechend einfach das Mitspracherecht haben. Es läuft natürlich sehr viel über die Studienvertretung, das ist bei uns auch so. Ich bin ebenfalls in der Studienvertretung und war auch lange in der Fachstudienkommission, in der die Curricula mitbestimmt werden. Dort gibt es die Drittelparität, was auch recht gut ist. Wichtig ist unserer Meinung nach aber auch, dass neue Leute die sich engagieren wollen, eine Einschulung bekommen, um zu erfahren welche Möglichkeiten und Rechte sie haben. Denn viele kennen ihre Rechte gar nicht.
Meryl: Ich war auch in der Studienvertretung aktiv. Und wir waren immer eine Gruppe, die gemeinsam die Studienvertretung bespielt hat. Das heißt alle die agieren und sich engagieren wollten, haben sich einmal in der Woche im Plenum getroffen und gemeinsam darüber gesprochen, wie wir über unsere offiziellen Studienvertreter_innen unser Studium mitgestalten können.

(c) Dominik Knapp

(c) Dominik Knapp

mokant.at: Ihr sprecht euch beide gegen die aktuelle STEOP als Eingangstestphase aus. Nun wollen aber in gewissen Studienrichtungen einfach zu viele Personen dieses Fach belegen. Was könnte man statt der aktuellen STEOP machen?
Jens: Ich denke da muss man differenzieren zwischen STEOP und Zugangsbeschränkungen. Die STEOP ist die Studieneingangs- und Ortientierungsphase und die sollte auch wirklich Orientierung bieten und nicht wie es aktuell ist, dass die STEOP-Prüfungen als Knock-Out-Prüfungen dienen. Auch die Ungleichheit gehört abgeschafft. In gewissen Studienrichtungen wie bei uns in der BOKU gibt es zwei STEOP-Prüfungen, in anderen Studienrichtungen wie zum Beispiel VWL gibt es hingegen vier STEOP-Prüfungen. Warum hatte ich zum Beispiel nur zwei, und andere hatten vier Prüfungen?
Meryl: Meinst du Antritte oder Prüfungen?
Jens: Prüfungen, also Lehrveranstaltungen. Antritte sind wieder ein anderes Thema.
Bei den Zugangsbeschränkungen wiederum ist unsere derzeitige Ansicht, dass es dort welche geben sollte, wo sie aktuell notwendig wären. Aber zuerst sollte versucht werden, dass es genügend Varianten gibt, mit denen man diesem Problem schon entgegenwirken kann. Wir reden beispielsweise von einer Sommer-Uni, einer Winter-Uni, oder einer Oster-Uni. Oder von Blockveranstaltungen, Abendlehrveranstaltungen oder Streamings, die die Massen ein wenig aufteilen.
Was ebenfalls vorstellbar wäre, ist ein freiwilliger Interessenstest. Denn – und das wissen wir wohl fast alle aus eigener Erfahrung – man weiß direkt nach der Matura oft noch gar nicht so richtig, was man nachher machen will und wohin der Lebensweg geht. Sinnvoll wäre beispielsweise in Online-Test, der zum Beispiel in Prozent gewichtet die Interessen widerspiegelt und idealerweise schon Studienvorschläge mit Informationen ausspuckt. Damit könnte man glaube ich auch schon viel entgegenwirken. Auf der Uni Wien belegen beispielsweise 40 Prozent der Studienneuanfänger nur vier von 200 verschiedenen Studienrichtungen.
Gewisse Studienrichtungen werden aber immer hohen Zulauf haben. Um da langfristig nicht beschränken zu müssen, braucht es auch die finanziellen Mittel. Wir möchten daher die Drittmittelfinanzierung forcieren, wobei die natürlich keinen Einfluss auf die Wissenschaft selbst haben darf. Auch da gibt es schon ganz gute Beispiele. Die Ausfinanzierung des Studium ist also ein ganz wesentlicher Punkt den die ÖH sich vornehmen muss. Denn nur wenn jeder Studienplatz ausfinanziert ist, kann auch jeder studieren was er oder sie möchte.

mokant.at: Du denkst also nicht, dass Studienplätze an Jobaussichten bzw. an der Zahl an verfügbaren Jobs orientiert sein sollte?
Jens: Das Problem dabei ist, dass du  auch Veränderung außerhalb des Studiums am Arbeitsplatz hast. Wenn mir jetzt jemand sagt, wir haben derzeit zu viele Lehrer und wir haben jetzt keine Berufsaussicht und deshalb werde ich nicht Lehrer, dann muss ich trotzdem einmal drei Jahre studieren. In drei Jahren kann die Welt schon wieder anders aussehen. An den pädagogischen Hochschulen ist man ja wirklich meist nach 3 Jahren fertig, es gibt aber andere Studien wie zum Beispiel Medizin, bei dem man sechs oder sieben Jahre studiert. Wenn wir jetzt Mediziner brauchen, kann ich nicht garantieren dass wir in sechs Jahren auch noch Mediziner brauchen. Man kann es natürlich ein wenig abschätzen, anhand der Studienzahlen aber was wir natürlich auch nicht bemessen können ist die Verschiebung der Arbeitsplätze innerhalb des vereinten Europas. Deswegen kann man glaub ich die Menge an Studienplätzen nicht daran ausrichten wie viele Arbeitsplätze es vielleicht einmal geben könnte.
mokant.at: Du bist also prinzipiell gegen Studieneingangstests?
Jens: Da wo es nötig ist, wo die Qualität zurzeit leidet, kurzfristig ja, aber es muss langfristig möglich sein über die Ausfinanzierung die einzufordern ist, den Studienplatz zu bekommen den man möchte.
mokant.at: Meryl, STEOP, ja oder nein?
Meryl: Nein. Die STEOP wie sie umgesetzt worden ist, ist einfach eine Knock-Out-Phase, also eine versteckte Zugangsbeschränkung mit Kreuzerltest und weniger Prüfungsantritten, bei der nicht wirklich eine Orientierung stattfinden. Die Orientierung muss auf jeden Fall auch vor dem Hochschulzugang passieren, egal ob es jetzt über die BEST oder Maturant_innenberatung geht. Es gibt mehrere Wege wie sich zukünftige Studierende informieren können. Man muss das Angebot schaffen, zum Beispiel studienplattform.at, das man mal schaut was es überhaupt gibt.
mokant.at: Und das Argument man muss dann statt Knock-Out-Prüfung einen Eingangstest machen, zieht das bei euch?
Meryl: Es gibt ja jetzt Eingangstest für fünf Studienfächer. Es gibt auch diese Numerus Clausus Paragrafen für Medizin und Psychologie. Gestern haben wir ja Zentralmatura gehabt, das heißt die Menschen, die sich auf die Matura vorbereiten, müssen sich gleichzeitig schon überlegen welche Studien sie eigentlich machen wollen. Für Wirtschaft hätten sie sich aber im Mai dafür anmelden müssen, also jetzt gerade lauft die Frist aus. Im Sommer sind sie voll fertig, haben die Matura geschafft und müssen dann – an der Uni Wien zumindest – so Self-Assessment-Tests machen wo geschaut wird, ob das Studium überhaupt zu ihnen passt. Ohne diesen Schritt können sie gar nicht zum Zulassungstest im September gehen. Das heißt, sie sind gar nicht mal richtig aus der Schule draußen und es werden ihnen schon die ganzen Hürden aufgebaut, die ganzen Verfahren laufen und Sommerpause bleibt da kaum noch. Da stellt sich die Frage, gehe ich auf Urlaub oder bereite ich mich auf den Test vor? Und dann geht’s gleich ins Studium los ohne irgendeine Möglichkeit das man schaut ob es passt. Und auch die Fragen beim Aufnahmetest muss man kritisch hinterfragen. Wenn sich die Fragen mit der Matura decken, dann sind sie ja eh bei der Matura abgefragt worden im Mai und würden sie fürs Studium sein dann lernen sie es ja erst. Das heißt, dieser Test was prüft der eigentlich? Ist es eine zweite Matura de facto? Also wir sind ganz klar gegen diese Tests.

mokant.at: Jens, du meintest man könne die Zuwanderung und Abwanderung in Europa nicht abschätzen. Wenn du das so sagst, glaubst du dann dass es ein einheitliches Modell geben sollte in Europa um ein Studium anzufangen?
Jens: Das war jetzt nicht aufs Studium bezogen sondern zur Frage nach dem Arbeitsplatz. Europaweit fürs Eingangsstudium das kann nicht unsere Aufgabe als ÖH sein, das übersteigt unsere Kompetenzen. Das ist schwierig weil die Voraussetzungen für Schulabschlüsse überall andere sind.
mokant.at: Aber der Fairness halber müsst das doch einheitlich sein, oder wie siehst du das persönlich?
Jens: Ja wenn ich mir das so vorstellen könnte, aus persönlicher Sicht, eigentlich schon. Aber wie gesagt in jedem Land wird Bildung anders bewertet. Da wir jetzt über ÖH Kompetenzen sprechen übersteigt das unsere Kompetenz.
Meryl: Die ÖH ist schon Teil der European Student Union, das heißt wir agieren schon auch auf europäischer Ebene und versuchen da international zu denken.
Jens: Ja das tun sie ja auch was Erasmus angeht, aber das bezieht sich nicht auf die Eingangsgeschichte. Was wir schon wollen bei Erasmus zum Beispiel ist eine Semester – Zeitangleichung oder auch die Anrechnung von Studien. Weil wenn jemand bereit ist ins Ausland zu gehen, über den Tellerrand zu blicken und kommt dann wieder zurück, und dann hört, er könne das Fach nicht anrechnen lassen, dann läuft etwas schief. Da machen wir auch viel, im Februar waren wir in Brüssel haben mit verschiedenen Abgeordneten gesprochen, unsere Ideen angebracht, weil wir das schon als wichtig sehen, dass die Möglichkeit das man dann zeitlich und von den ECTS her in seinem Studiumheimatsland nicht zurück geschmissen wird, nur weil man bereit ist sich kulturell weiterzubilden im Auslandssemester. Da gehört eine Angleichung her.
Meryl: Es gibt große Probleme bei diesen Anerkennungen. Es gibt zwar ein einheitliches ECTS System, aber wie das die einzelnen Länder umgesetzt haben, ist ja wieder problematisch. Wie du schon gemeint hast, ist diese Durchlässigkeit nicht gegeben. Aber die Probleme der Durchlässigkeit zeigen sich bereits in Österreich, wo man nach dem Bachelor an der FH nicht an der Uni weiter machen kann.
Also man sieht ganz klar, dass man da was machen muss und das zeigen wir auch immer wieder auf. Wir arbeiten hin auf einen einheitlichen Hochschulsektor, dass alle Studierenden von allen vier Hochschulsektoren zusammengefasst werden, damit eben die Durchlässigkeit für genau solche Fragen gegeben wird.
Jens: Ja die Anrechenbarkeit innerhalb ist ein Problem. Also ich würde gar nicht so weit gehen von FH auf Uni zu reden, es gibt da auch schon Probleme von den Unis untereinander. Vor ein paar Jahren hat jemand Recht in Innsbruck studiert, ist dann nach Wien aufs Juridicum und hat dann bei irgendwelchen Rechtsvorlesungen Probleme bei der Anrechnung bekommen. Da gehört natürlich eine durchlässige Anrechnung her und wo die Fächer passen müssen die selbstverständlich gleichwertig angerechnet werden.

mokant.at: Die AG sagt zum Thema Studiengebühren, man könne erst über die Vignette reden, wenn es bereits eine Autobahn gibt. Was sagen die GRAS dazu? Muss man zuerst das Studiensystem verbessern, bevor man über Studiengebühren reden kann?
Meryl: Also ich finde Studiengebühren sind nicht die Lösung. Freie Bildung muss für alle zugänglich sein, das heißt der Staat muss eigentlich für die Bildung aufkommen. Es ist auch in einer nachhaltigen Sicht wichtig, dass wir schauen, dass die Bevölkerung gebildet ist, weil es einen besseren Lebensstandard gibt. Zudem sprechen wir uns klar gegen die Finanzierung von Hochschulen durch Drittmittel aus, also gegen die Finanzierung durch private Geldgeber_innen. Und es ist mir wichtig drauf hinzuweisen, wie unsere Bildung da kommerzialisiert wird, weil einfach überall private Geldflüsse wandern und unsere Bildung beeinflussen.

mokant.at: Jens, du bist ja gebürtiger Deutscher, hast du vor hier zu bleiben nach dem Studium?
Jens: Ja, definitiv.
mokant.at: Wie könnte man Absolventen eines Studiums in Österreich dazu bewegen hier zu bleiben und hier berufstätig zu werden?
Jens: Ich glaub da brauchen wir gar nicht nur auf ausländische Studierende schauen. Wenn wir uns wieder Medizin anschauen, dann ist es ja auch so, dass unglaublich viele Österreicher ihr Studium hier machen und dann sagen ‘Auf Wiedersehen’ und nach Deutschland gehen. Das ist derzeit ein großes Problem und da müssen dann über die Politik Anreize geschaffen werden, dass die Leute da bleiben.
mokant.at: Meinst du mit Politik die ÖH Ebene?
Jens: Das ist glaub ich nicht mehr wirklich ÖH-Thema, leider.
mokant.at: Aber es ist schon ein ÖH Thema, dass überdurchschnittlich viele Leute hier ein Studium anfangen, weil es eben so ‘einfach’ ist und dann wieder zurückgehen mit dem Hintergedanken sich in Österreich ausbilden zu lassen und dann wieder in die Heimat zu gehen?
Jens: Naja, ich glaub es ist ein ÖH Thema, dass die Leute herkommen. Ich sehe das aber auch, durchaus aus persönlicher Sicht, positiv an, weil ich glaube es kann eigentlich nur interessant für alle Beteiligten sein die sich damit auseinandersetzen. Auch als kultureller Austausch anderer Ansichten.
Was die ÖH da machen kann, durch gute Campus Verhältnisse etc., Möglichkeiten zu schaffen, dass man sich wirklich vernetzen kann. Ich hab lang mit einem Mediziner zusammengewohnt, auch Deutscher, der hat halt auch nur deutsche Freunde gehabt und gemeint, bei ihm passiert auch nichts, dass er vielleicht andere kennenlernen könnte. Man kann natürlich auch Eigeninitiative ergreifen, keine Frage, aber das sind halt Uni oder ÖH- strukturelle Maßnahmen die man treffen kann. Da zählen dann auch Feste, oder irgendwelche Vorträge dazu, damit man wirklich mal über den Tellerrand seines Studiums hinausblicken kann um zu sehen was es noch gibt, irgendwelche alternativen Kurse oder Sport, wo man wirklich auch mit anderen in Kontakt treten kann.
Meryl: Ich glaub auch, dass es wichtig ist, dass man innerhalb vom Studium für Studierende die aus dem Ausland kommen Arbeitsgruppenstrukturen schafft und Peers hat, von denen man weiß man macht gemeinsam was und schaut dass die Durchmischung besser stattfindet.
mokant.at: Wir diskutieren hierzulande ständig über überlaufene Studien. Bei uns ist es halt so frei, weil es kaum Zugangsbeschränkungen gibt. Da leidet dann die Qualität wieder darunter Gerade bei Medizin gibt es einen Ärztemangel in Österreich und 70% der deutschen Studenten sagen sie wollen wieder zurück gehen.
Jens: Ist prinzipiell richtig, aber wir dürfen eines nicht vergessen, es gibt diese Europaquote, und es ist eine finanzielle Geschichte. Da gibt es ja auch bei den Medizinern dieses praktische Jahr das bezahlt wird, und da bleiben dann sicher auch wieder viele Deutsche und Österreicher da und merken, dass die Arbeitsbedingungen in Österreich auch gut sind. Und ich glaub, wenn man darüber anfangen zu sprechen, wie man ausländische Studierende aus den österreichischen Studien raushaltet, dann bewegen wir uns irgendwie auch in die falsche Richtung. Denn wenn die Ausfinanzierung der Hochschulen erreicht wird, was wir ja fordern, ist es egal wo jemand herkommt derm studiert, weil er oder sie seinen Platz hat und seine beste mögliche Bildung in Österreich bekommt. Wie es dann hinterher weitergeht, sag ich mal, da ist man dann aus dem ÖH Einwirkungsbereich raus und das ist dann wieder was anderes. Die Ausfinanzierung ist das A und O weil dann ist es egal, dann kann jeder hier studieren.

mokant.at: Die GRAS spricht sich auch dafür aus, dass man zu gesellschaftspolitischen Themen wie Rechtsextremismus Stellung beziehen muss. Die AG sagt, dass man sich auf hochschulpolitische Themen konzentrieren sollte. Kann man das so klar abgrenzen?
Jens: Wir sprechen uns natürlich auch ganz klar gegen Rechtsextremismus aus, dass wir uns nicht falsch verstehen. Uns geht es darum, dass es nicht das Hauptthema der ÖH sein soll nach außen hin. Wenn Rechtsextremismus auf Unis vorkommen sollte, ist es ganz klar Aufgabe der ÖH drauf aufmerksam zu machen und damit umzugehen. Aber wenn jetzt irgendwo im tiefen Tiroler Tal, oder auch im Burgenland, drei oder vier 60 jährige sich rechtsextrem verhalten und strafrechtlich verfolgt werden ist es glaub ich nicht mehr Einflussbereich der ÖH, wo wir uns dazu äußern sollten, und dazu äußern müssten. Das Problem ist, dass es auch noch eigene Aufgaben gibt, dass es eine bestmögliche Studienvertretung gibt und ein bestmögliches Studium zustande kommen muss. Und da es doch in etwa 350.000 Studierende sind und sich da doch der Großteil doch mehr vertreten fühlt, als wenn man etwas behandelt das weit weg ist.
mokant.at: Meryl, würdest du dem widersprechen?
Meryl: Ja. (lacht) Es ist schon wichtig, dass wir als ÖH gesamtgesellschaftlich denken. Immerhin ist die Hochschule ein Ort wo der Diskurs geprägt wird über die Gesellschaft die in Österreich stattfindet und die Gesellschaft spiegelt sich ja an der Hochschule wider. Also angenommen es gäbe jetzt drei Menschen in einem Tal, fernab von einer ÖH, die anfangen rechtsextremistisches Gedankengut zu propagieren, dann kann das ja schnell überschwappen und es sind schnell mal Studierende betroffen die dann aus Naivität mitmachen und das ganze wieder auf die Hochschulen tragen. Da ist schon wichtig, dass wir Studierende aufzeigen, was passiert in unserer Gesellschaft, was passiert mit uns, weil das irgendwie in weiterer Folge wieder Rückkoppelungen auf unsere Bildung und unsere Gesellschaft hat und uns alle betrifft.

mokant.at: Wir wollten zum Gespräch ja ursprünglich auch den RFS einladen. Das hat die GRAS – wie auch der VSStÖ – abgelehnt. Ist es nicht auch wichtig als potentieller ÖH Vertreter zumindest das Gespräch zu suchen auch mit dem RFS. Die Zahlen ihrer Wähler sind zwar vernachlässigbar, aber die FPÖ ist in der Bundespolitik doch stark vertreten.
Meryl: Wenn man sich das auf Bundesebene anschaut ist die FPÖ stärker vertreten. Wenn man sich die WählerInnen der ÖH anschaut, ist Rechtsextremismus weniger stark. Und da sieht man wieder ganz klar, dass durch Bildung sensibilisiert wird was eigentlich in der Gesellschaft passiert mit dem Rechtsextremismus. Ich sehe den RFS einfach als eine rechtsextreme Gruppe und wir beschäftigen uns mit diesem Thema, aber jetzt konkret mit Vertretern dieser Gruppe – männlich – zu kommunizieren? Ich kann mit diesen Typen einfach nicht reden. Die beschränken mich als Frau.
mokant.at: Bei der letzten Wahl hat es noch ganz gut funktioniert, da hat sich der VSStÖ einem Gespräch mit dem RFS gestellt, heuer war das für den VSStÖ und die GRAS ein Problem. Ist ein Dialog wirklich ausgeschlossen?
Meryl: Sofern das geht, ja. Der RFS ist am Dienstag bei der Elefantenrunde dabei, wo alle elf Listen mit Vertreter_innen dabei sein werden. Also wir stellen uns schon dem Gespräch. Aber man braucht diesen Gruppen auch nicht zu viel Platz bieten.

(c) Dominik Knapp

(c) Dominik Knapp

mokant.at: Mit welchen Fraktionen könnte sich die GRAS nach der Wahl eine Zusammenarbeit vorstellen? Mit dem RFS anscheinend nicht. Aber ist die AG nach diesem Gespräch heute eine Option?
Meryl: Ich hab gesehen, dass wir doch recht viele Überschneidungspunkte haben! Spannend! Ihr habt ein bisschen was abgeschaut von der ÖH vielleicht, wo ja die GRAS aktiv ist. Also es ist ganz klar, dass wir für einen freien Hochschuleingang eintreten. Und so weit ich das jetzt verstanden hab, propagiert die AG weiterhin das Zugangsmanagement, also die Zugangsbeschränkung wie du heute gesagt hast. Es ist wichtig, zu schauen wie das neue Wahlsystem die Mandate verteilt und den GRAS ist wichtig, dass eben alle Studierende Zugang bekommen und dass es keine Zugangsbeschränkungen oder Studiengebühren gibt, von dem her wird das unser erstes Gesprächsthema sein nach der Wahl.

mokant.at: Könnte sich die AG eine Zusammenarbeit vorstellen?
Jens: Wir haben uns die Themen nicht von der ÖH abgeschaut, sondern haben die Themen von den Studierenden und wollen sie umsetzen. Ja, wir haben es immer gesagt, es gibt gewisse Fraktionen die wir ausschließen, das sind die beiden KSV Listen und auch der RFS, weil wir da inhaltlich zu weit voneinander weg sind und nicht glauben, dass wir da auf einer sinnvollen Ebene zusammenarbeiten können. Mit den anderen Fraktionen, auch mit der GRAS, natürlich. Da werden wir uns nach der Wahl zusammensetzen und werden wenn wir zu einem inhaltlichen Konsens kommen, dadurch sehen wir die gesamten Studierenden in Österreich vertreten, können wir uns eine Koalition vorstellen. Aber das wichtige ist zuerst mal, dass alle wählen gehen, alle Fraktionen werden jetzt erst mal die nächsten zwei Wochen, die verbleiben, ihren eigenen Wahlkampf fahren und dann werden wir das Ergebnis präsentiert bekommen und dann wird sich zeigen in welche Richtung die Gespräche laufen. Wir wollen wirklich alle Studierenden in Österreich erreichen, so dass sie was davon haben, dass wieder was zurückkommt. Damit sie merken, die ÖH ist ein starker Partner, die ÖH bringt ihnen was. Das muss glaube ich das höchste Ziel sein von allen Fraktionen.

mokant.at: Unabhängig davon wie die Wahl ausgeht, muss es nicht ein Anliegen sein, zuerst mit der Fraktion zu sprechen, die von den Studierenden am meisten gewählt wurde?
Meryl: Wir haben ein klares politisches Programm und wir schauen uns an wie die Mandate verteilt sind und mit welchen anderen Fraktionen wir eine Mehrheit zusammenbekommen, die auch unser Programm am meisten unterstützen.
mokant.at: Also euch ist wichtig, dass euer Programm durchgesetzt wird und nicht das, was sich die meisten Studierenden wünschen?
Meryl: Das ist das Problem einer repräsentativen Demokratie, wir haben Mandate, wir brauchen Mehrheiten, und bei der GRAS entscheiden wir intern im Konsens. Das heißt alle können mitreden und unseren Grundsätzen zusprechen, aber wenn es dann darum geht eine klare Mehrheit zu finden, weil das System so funktioniert, dann schauen wir wirklich, dass wir unsere Positionen und unsere Inhalte durchbringen und wo wir die meisten Überschneidungen haben und wo sich die Mehrheit findet.

mokant.at: Zum Abschluss ein kleiner Word Rap:

Hochschule bedeutet für mich…
Meryl: …ein Raum in dem der Diskurs über die Gesellschaft geprägt wird, wo man Bildung erfährt, wo Forschung und Wissenschaft zusammen kommt.
Jens: ...ein Ort wo ich die bestmögliche Bildung in meinem Interesse erhalte, von der ich quasi den Rest meines Lebensweges profitieren möchte und sollte.

Ein ideales Studium braucht für mich…
Jens:
…eine Ausfinanzierung meines Studienplatzes und die Möglichkeit mein Studium in Mindeststudienzeit, sofern ich das möchte, abschließen zu können und die bestmögliche Infrastruktur und Betreuungsverhältnisse zu haben.
Meryl: …einen freien Zugang zu diesem und im Studium die Wahlmöglichkeit, der Freiraum mit selber meine inhaltlichen Schwerpunktsetzungen zu ermöglichen.

Meine Wahlversprechen in einem kurzen Satz wären…
Meryl:
…weiterhin progressive Bildungspolitik in der ÖH zu forcieren, die gesamtgesellschaftlich denkt und agiert.
Jens: …dass die ÖH eine echte Interessensvertretung für alle Studierenden, auf allen Hochschulen in ganz Österreich bildet und dass jeder Student und jede Studentin wieder eine positive Auswirkung auf sein oder ihr Studium spürt.

Das Interview führten Katharina Kropshofer und Dominik Knapp

Titelbild: (c) Dominik Knapp

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Dominik Knapp alias der SEO Text Guru war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaften und beschäftigt sich derzeit vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest. Mittlerweile ist er seit einigen Jahren als SEO-Texter und Content Creator bei HEROLD engagiert.

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