KopfhörerInnen: Chick Quest – Vs. Galore

Chick Quest – Vs. Galore
(VÖ: 20.04.2015 | Independent)

chick quest vs. galore cover

(c) Ryan White

Man hört ein Lied zum ersten Mal und hat das Gefühl, den Rhythmus schon zu kennen. Es will einem nur nicht einfallen woher. Die Ähnlichkeit ist ganz klar vorhanden. Die Lösung scheint zum Greifen nahe. Aber ehe man sie zu packen bekommt, wechselt der Rhythmus wieder und sie rutscht durch die Finger. Wer sich von sowas leicht verfolgen lässt und erst zur Ruhe kommt, wenn nach dem gefühlten hundertsten Mal Hören doch die Lösung eingefangen wird, der tut sich mit dem Album Vs. Galore von Chick Quest keinen Gefallen.

Im einen Moment wähnt man sich, begleitet von den unterbewusst bekannten Rhythmen, in den 70ern. Man erlebt die Anfänge des Garage Rocks. Aber schon im nächsten Moment befindet man sich mitten in einem italienischen Western-Film. Ganz ohne den Übergang wirklich bemerkt zu haben. Noch ehe der erste Revolver aus dem Holster gezogen wird, setzt eine raunzende Stimme ein. Etwas hart wird man ins Hier und Jetzt zurückgeholt. Die Trennung vom Wilden Westen hält aber nicht lange an, denn dieser zieht sich als roter Faden durch das Album.

Die raunzende Stimme gehört Ryan White. White ist passenderweise Amerikaner, lebt aber in Österreich. Anfang 2014 rief er das Projekt Chick Quest gemeinsam mit Schlagzeugerin Iris Rauh ins Leben, um es wenig später mit Bassistin Magdalena Kraev zu vervollständigen. Gemeinsam machten sie es sich zur Aufgabe, Musik zu spielen, zu der sie selbst gerne tanzen würden und welche in Wien schwierig zu finden ist. Noch im selben Jahr wurde mit der Aufnahme von Vs. Galore begonnen.

Das Werk geht teilweise stark ins Psychedelische und überrascht mit eigenwilligen Einlagen. Etwa einem Gitarrensolo in Girl on Fire, das zuerst wie ein kompletter Fremdkörper wirkt, dann aber doch irgendwie passt. In die Kategorie „Schräg“ fällt Schatzi, das einzige durchgehend deutschsprachige Lied des Albums. Darin geht es, wie in fast allen Liedern des Albums, um die Frau. So weit, so gut. Alles Weitere muss man dann der Phantasie überlassen. Mit viel Mühe versteht man die eine oder andere vom Akzent entfremdete Wortfolge. Aber nur, um sich zugleich zu fragen, ob man das gerade richtig gehört hat. „Ich kenn ein Mädl, das man gut lecken kann“, heißt es in einem Satz, der wenig später von „Ich kenn ein Mädl, das man frühstücken kann“ gefolgt wird.

„Vs. Galore“ verlangt dem Hörer nicht nur mit seinen kryptischen Texten viel ab. Die schlagzeuglastige Musik entführt an die verschiedensten Orte und zwingt das Bein zum Taktklopfen. Sie bietet aber auch erholsame, instrumentale Passagen. Mit einer solchen wird man am Ende auch etwas verstört aus einem durchwegs gelungenen Album in die Weiten der Prärie entlassen.

Das Album wird am 20. April als Download veröffentlicht, die Band ist derzeit noch auf Labelsuche. Kontakt: chickquestband[at]gmail.com

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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