Monsterheart: „Wien ist das Dorf, … “

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„… in dem man großgeworden ist“ Anna Attar alias Monsterheart erzählt, warum sie zum Arbeiten nach Berlin fährt und sie beim nächsten Album nicht auf Deutsch singt.

Anna Attar macht alles selbst. Sie schreibt, sie singt und sie produziert ihre monsterhaft süße Musik bei sich zu Hause. 2014 hat sie ihr Debutalbum W über Seayou Records veröffentlicht. Hört man ein bisschen genauer hin, werden die fröhlichen Melodien von düsteren Lyrics begleitet. „Ich mache gruselige Popmusik, gruselige Indie-Popmusik“, beschreibt die Musikerin ihr Album. Auf eine bestimmte Schiene will sie sich dennoch nicht festlegen. Monsterheart wurde letzten April zum FM4 Soundpark Act des Monats gekürt und im Februar für den FM4 Award beim Amadeus nominiert. Auf den Straßen Wiens wird sie trotzdem noch nicht wirklich erkannt. Zumindest nicht so oft, wie es momentan ihren Freunden von Wanda und dem Nino aus Wien passiert, aber das ist ihr auch ganz recht so. Am 17. April spielen die Musiker und Monsterheart gemeinsam mit Worried Man & Worried Man im Wiener Gasometer.

Im Interview erzählt Anna Attar alias Monsterheart, warum sie zum Arbeiten und nicht zum Feiern nach Berlin fährt und dass sie auf ihrem neuen Album vielleicht auf Französisch singt. Ganz sicher aber nicht auf Deutsch. Ein Interview über das Albumjahr, österreichische Musik und Gigi D’Agostino.

mokant.at: Dein Album W ist vor ziemlich genau einem Jahr erschienen. Es trägt den Titel W, oder auch wörtlich Double You. Was hat es damit auf sich? Wie viel von dir steckt in dem Album?
Monsterheart: Das bin ja nur ich, insofern stecke nur ich da drinnen – und zwar doppelt. Deswegen heißt es auch W, weil ich eigentlich einen Produzenten gesucht habe, den nicht gefunden habe und dann im Endeffekt alles selber gemacht habe.

mokant.at: Außerdem studierst du noch an der Akademie der Bildenden Künste bei Gunter Damisch. Er zählt zu den Neuen Wilden. Bist du auch eine Neue Wilde?
Monsterheart: (lacht) Wir sind dann nicht mehr die Neuen Wilden, sondern nur noch die Wilden. Ja, ich bin auf jeden Fall born to be wild.

mokant.at: Hängen für dich deine Arbeiten auf der Akademie mit deiner Musik zusammen?
Monsterheart: Ja. Man lernt durch das Malen sehr viel. Man lernt es, Geduld zu haben. Also ich male mit Öl und das braucht ewig lange zum Trocknen und dann sitzt man tagelang da und schaut, macht einen Strich und dann schaut man noch einmal. Das ist eine ganz eigene Arbeit und das verändert auch das Denken. Insofern verändert es auch andere Arbeitsprozesse, nicht nur in der Musik, sondern alles. Man ändert sich dadurch.

mokant.at: Du machst auch deine Videos selbst. Es gibt ja Menschen, die nur eine Sache davon machen. Würdest du dich als Universaltalent bezeichnen?
Monsterheart: Nein, aber aus der Not heraus mach ich einfach alles was anfällt (lacht). Ich würde schon gerne mehr abgeben können, aber ich glaube, ich trau mich nicht fragen. Jetzt langsam wird es eh besser. Denn je mehr man nach außen geht, desto mehr Leute kommen auch auf einen zu. Aber ich bin eigentlich eher schüchtern, ich bin eher für mich und ich fange jetzt erst an aufzumachen.

mokant.at: Es hat sich wahrscheinlich auch viel verändert seit dem Release. Was ist dein Fazit vom letzten Jahr?
Monsterheart: Vom Gefühl her fängt es erst jetzt an. Jetzt schreibe ich auch ganz neue, andere Lieder, die sehr eigen sind. Ich habe ein sehr gutes Gefühl für 2015 und 2016. Das ganze Albumjahr war nicht so gut für mich, auch wenn es vielleicht nach außen hin positiv ankommt, für mich war das alles viel Arbeit und viel Stress und Nicht-Wissen. Es war sehr sehr viel auf einmal.

mokant.at: Noch einmal zurück zu dir in diesem Album. Die Fotos, die ich von dir gefunden habe, zeigen dich meist bemalt oder mit Vampirzähnen. Bleibst du dabei Anna Attar oder bist du dann Monsterheart?
Monsterheart: Auf den Fotos ist das Monsterheart, das ist getrennt. Es ist eine Kunstfigur oder überhaupt ein fiktiver Charakter.

mokant.at: Deine Lieder sind alle aus der Perspektive verschiedener Tiere oder Kreaturen.
Monsterheart (unterbricht schmunzelt): Monster.
mokant.at: Was hat es damit auf sich?
Monsterheart: Ich möchte weniger sehr persönliche Lieder schreiben, in der sich alles aus der Ich-Perspektive um mich selbst dreht. Das (Monster, Anm. d. Red.) ist ein Stilmittel um es umzuschmücken und es nicht total persönlich zu machen. Andere Leute können Lieder direkt über Menschen schreiben, das interessiert mich nicht. Das ist nicht mein Talent. Mich interessieren zwar Menschen sehr sehr sehr, aber darüber kann ich nicht schreiben. Ich bin eher selber in eine Märchenwelt gefallen.

mokant.at: Deine Musik wird oft als düster beschrieben, deine Melodien sind eher popig und beschwingend. Passt die Rubrik „düster“ zu deinen Liedern?
Monsterheart: Nein, die Musik nicht, die Texte. Ja, passt aber auf jeden Fall.

mokant.at: Wie beschreibst du jemanden, der deine Musik nicht kennt, was du machst?
Monsterheart: Ich mache gruselige Popmusik, gruselige Indie-Popmusik. Obwohl ich keine Indie-Popmusik machen möchte. Ich möchte keinen Indie machen, aber ich bin anscheinend Indie. So würde ich es beschreiben, damit man sich auskennt.

mokant.at: Nicht alle Künstler und Künstlerinnen sind Fans von Einordnungen oder musikalischen Schubladen. Aber irgendwie braucht man doch einen Überbegriff.
Monsterheart: Bei manchen ist echt klar, bei mir ist es nicht so wirklich klar. Bei mir ändert es sich. Ich glaube, es wird von Album zu Album anders sein. Ich habe, glaube ich, keine fixe Musikschiene, die ich fahre.

mokant.at: Aufgenommen wurde dein erstes Album in Berlin, soweit ich weiß lebst du jetzt aber wieder hier in Wien. Was hat dich zurückgezogen?
Monsterheart: Das Studium einerseits. Ich mag zwar Berlin wahnsinnig gerne – es ist für mich ein Rückzugsort. Dort verstecke ich mich immer vor allem. Also ich fahre nicht zum Party Machen nach Berlin gehen, sondern eher zum Arbeiten nach Berlin gehen, weil es so groß ist und man sich dort verlieren kann. Ich bin aus Wien und die Stadt ist wahnsinnig klein, wenn man hier aufwächst. Das ist das Dort, in dem man großgeworden ist und deshalb braucht man auch ein bisschen Abstand dazu. Berlin ist billig im Vergleich zu anderen Städten. Ich habe einfach einen guten Bezug dazu. Was war die Frage nochmal? (lacht)

mokant.at: Was dich hierher zurückgezogen hat.
Monsterheart: Also das Studium einerseits und es gibt einfach zu viel in Berlin, es ist ein Überfluss da. Dadurch das es so viele Künstler gibt, gibt es Dumping Preise für DJs und Musiker. Live bekommst du fast gar nichts mehr gezahlt und du kannst dort ur schwer überleben. Ich finde das ist nicht so ein guter, nein, es ist wahrscheinlich schon ein guter Nährboden, aber ich würde gerne so viel machen und ohne Geld ist das schwierig.

mokant.at: Und wie ist das in der Wiener Musikszene. Würdest du sagen, die ist überschaubar?
Monsterheart: Überschaubar? Nein, ich kenne sicher ur viel nicht, was sicher auch sehr interessant und gut ist.  Ja, es gibt ur viel und es wird jetzt gerade immer mehr. Ich glaube, die Leute werden auch dadurch ermutigt, dass ein besseres Selbstbewusstsein bei österreichischen Musikern da ist. Wenn man das mal ebnet, dass es ok ist, in Österreich Musik zu machen und dass man das auch kann, das lockt viele an. Das ist gut.

mokant.at: Im April hast du einen Konzertabend mit anderen österreichischen Musikern. Ich sag jetzt Musiker, weil sonst eigentlich keine Frauen dabei sind.
Monsterheart: Ja, aber dafür bring ich die Frauen mit. Bei mir sind sechs weitere Frauen in der Band plus noch andere. Insgesamt kommen wir zu elft.

mokant.at: Das wird sicher super. Wie ist das so? Kennst du Wanda, Nino und andere dann schon?
Monsterheart: Ja, wir sind Freunde.

mokant.at: Im Gegensatz zu ihnen hast du ein englisches Album, jetzt aber doch ein Lied auf Deutsch mit Buben Im Pelz. Wo fühlst du dich wohler?
Monsterheart: Da habe ich nur gesungen. Englisch ist meine Sprache. Das ist die Sprache, in der ich mich ausdrücken kann. Auf Deutsch kann ich das einfach nicht. Das klingt, finde ich, nicht gut. Man muss etwas finden, worin man sich wohlfühlt und bei mir fließt es auf Deutsch einfach nicht. Und ich finde es viel schwieriger, deutsche Texte zu schreiben. Aber ich glaube, das empfinden viele so. Entweder es klingt sehr schnell kitschig oder pathetisch und anders kann ich das nicht gut rüberbringen.

mokant.at: Das heißt, wenn es ein neues Album geben wird, ist es auf jeden Fall wieder auf Englisch?
Monsterheart: Hm, es könnte vielleicht sogar auf Französisch sein und ich übe auch ein bisschen Italienisch – schau’ma mal! Ich möchte schon ein bisschen mehr einfließen lassen aber Deutsch eher nicht. Ich bin auch nicht so, dass ich jetzt deutsche Musik mache, weil alle deutsche Musik lieben und ich mir denke, jetzt muss ich das auch machen. Das ist mir zu doof.

mokant.at: Manchen gefällt es einfach und anderen nicht.
Monsterheart: Nein, ich denke es kommt hier auf jeden Fall besser an, wenn man ‚Österreichisch‘ oder Deutsch singt. Aber das ist mir egal. Ich schreibe nicht, um jemanden zu erreichen, der unbedingt deutsche Musik hören möchte. Ich schreib einfach meine Sachen und denke nicht daran, für wen das jetzt ist.

mokant.at: Zu deinen nächsten Projekten hast du schon ein bisschen was gesagt.
Monsterheart: Hab ich?
mokant.at: Naja, doch. Oh Gott, Montag.
Monsterheart (lacht): Ich bin auch schon ein bisschen gaga. Ich habe gerade drei Lieder aufgenommen und war nur am Arbeiten. Ich bin gerade ganz fasziniert von ihnen, weil sie ganz anders sind.

mokant.at: Nimmst du bei dir zu Hause auf?
Monsterheart: Ja, ich nehme alles zu Hause auf. Ich habe auch in Berlin eigentlich in meiner Wohnung aufgenommen und nicht in einem Studio.

mokant.at: Experimentierst du oder wie gehst du heran?
Monsterheart: Ich habe Instrumente, die ich immer benutze.Kann ich jedem raten, der Musik machen möchte und nicht so fähig ist, weil ich bin nicht so fähig eigentlich (lacht). Es gibt alte Keyboards, wahrscheinlich gibt es auch neuere, die haben so schöne Begleit-Automatiken. Da klickt man drauf, spielt ein paar Akkorde und dann kommt der Bass und die Drum-Spur auch dazu. Das ist sehr hilfreich zum Schreiben von Liedern, weil es quasi wie eine ganze Band ist.

mokant.at: Das heißt du arbeitest tagsüber in deiner Wohnung oder arbeitest du auch nachts an neuen Liedern?
Monsterheart: Nein, ich bin mittlerweile ein Tagmensch geworden. Ich stehe um acht auf und dann schlafe ich k.o. um elf Uhr ein, wie eine Oma. Aber, dass ich so wie heute drei Lieder aufnehme, ist eher selten. Ich muss studieren, malen, Videos machen, habe Proben und muss Kostüme machen. Ich habe echt genug zu tun.

mokant.at: Das kann ich mir gut vorstellen. Dann noch eine Abschlussfrage: Hast du einen Guilty Pleasure Song?
Monsterheart: Ich finde sowas blöd. Nein, ich schäme mich für kein Lied. Alles was ich mag, finde ich aus einem Grund gut, da gibt es kein guilty pleasure, kein schlechtes Gewissen für ein Lied.

mokant.at: Oder irgendwas, das du heimlich unter der Dusche singst. Singst du unter der Dusche?
Monsterheart: (lacht) Ich singe die ganze Zeit. Jetzt höre ich gerade wieder sehr gerne Gigi D’Agostino. Und der spielt leider am selben Tag wie wir, deshalb kann ich ihn mir leider nicht anschauen.

mokant.at: Aber angeblich wird er verlegt, weil das Konzert schon ausverkauft ist und das WUK zu klein ist. (Update: Es gibt am 16. April ein zweites Konzert im WUK, Anm. d. Red.)
Monsterheart: Vielleicht kommt er dann auch ins Gasometer (lacht).

Monsterheart bittet am 17. April gemeinsam mit WANDA, dem Nino aus Wien und dem Vater-Sohn-Duo Worried Man & Worried Boy im Gasometer Wien zu The First Waltz.

Titelbild: (c) Monsterheart

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Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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