Kunstforum: Landscape in my Mind

(c) Jörg Sasse

Wenn die Grenzen zwischen Realem und Surrealem verschwimmen: die Ausstellung Landscape in my Mind ist noch bis 26. April im Bank Austria Kunstforum zu sehen

(c) Olaf Otto Becker / Galerie Nikolaus Ruzicska

(c) Olaf Otto Becker / Galerie Nikolaus Ruzicska

Durch die prunkvollen Türen betritt man einen großen, hellen Raum. Der Blick fällt auf das Bild vis-à-vis. Ein Eisberg ragt aus dem ruhigen Wasser, dichter Nebel umhüllt seine scharfen Kanten. Wie ein zusammengeknülltes Papier scheint das Eis auf der glatten Meeresoberfläche zu liegen. Der Zuschauer versinkt im kalten Blau. Olaf Otto Beckers Ilulissat Icefjord 13, Grönland 07 /2013 erfüllt den ersten Ausstellungsraum mit einer eisigen Atmosphäre. Es lohnt sich aber, den Blick zu lösen und auch auf die anderen Werke zu richten.

„Malen mit der Kamera“
Landscape in my Mind: Landschaftsfotografie heute. Von Hamish Fulton bis Andreas Gursky – so der vollständige Titel der Ausstellung – führt durch die Gegenden der heutigen Kunstfotografie. Jedoch darf man keine reine Dokumentation erwarten: die Grenzen zwischen Realität und Fiktion werden gesprengt. Ingried Brugger, Direktorin des Bank Austria Kunstforums, spricht von einem „Malen mit der Kamera“. Die Bilder sind inszeniert, bearbeitet. Andreas Gurskys Werke zum Beispiel entfernen sich von dem Gedanken, mit einem Fotoapparat ein Stück Wirklichkeit einzufangen und abzubilden. Für ihn ist Fotografie ein „alternatives Medium zur Malerei“ geworden, um ein Bild zu erzeugen. Mit James Bond Island lässt der Künstler den Betrachtenden die Inselgruppe Khao Phing Kan so sehen, als würde er sie selbst überfliegen – wie Bond im Film. „Der Künstler unterzieht seine Fotografien gezielten Manipulationen am Computer, collagiert sie digital“, erklärt Florian Steininger, der Kurator der Ausstellung, im dazugehörigen Katalog.

(c) Julie Monaco

(c) Julie Monaco

Pixel-Kunst
Auch Thomas Ruff manipuliert. Er arbeitet mit found footage, also Bildern, die er nicht selbst geschossen hat, und vergrößert sie um ein Vielfaches. Die verpixelten Fotos machen im Zeitalter von Acht-Megapixlel-Handykameras nervös. Julie Monaco verzichtet gleich ganz auf die Kamera. Zwar wirken ihre Bilder wie Fotografien, doch sie sind mit dem Computer erstellt worden. Monacos fake-Sturmwellen befinden sich im Ausstellungsraum zum Thema „manipulierte Welt“. Hier findet man auch noch Werke von Sonja Braas und Jörg Sasse. Durch die inhaltliche Gliederung wandert man von romantischen Landschaften in einem Raum („der pittoreske Blick“, „die Expedition“) über Städte („Metropolis“) im nächsten und wirft sogar einen Blick ins Weltall und auf den Mars („Mission to Mars“). Der Besucher nimmt an einer Expedition durch die verschiedensten Landschaften teil und kann oft nur erahnen, was echt ist und was Retusche.

(c) Elger Esser

(c) Elger Esser

Photoshop und Insta-Filter
Die Bildbearbeitung wird auf ganz unterschiedliche Arten eingesetzt. Elger Essers sepiafarbene Werke würden nur Kunstbanausen an all die schicken Instagram-Fotos erinnern. Im Kunstforum wird man eines besseren belehrt: er setzt in seinen Landschaftsfotografien bewusst auf dieses unnatürliche Vergilbte. Besucher bekommen hier nicht nur etwas ganz Neues zu sehen, für Interessierte gibt es auch ausreichend Informationen zu den Bildern. Wer auf die teilweise schon etwas interpretierenden Bildbeschreibungen verzichtet, kann sich einfach von den ausdrucksstarken Fotos berauschen lassen. Definitiv sehenswert.

Die Ausstellung ist von 11. Februar bis 26. April 2015 im Bank Austria Kunstforum Wien zu sehen.

Titelbild: © Jörg Sasse

Mehr dazu: http://www.kunstforumwien.at/de/austellungen/kunstforum/213/landscape-in-my-mind

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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