Pick Up Artist: Wie man Frauen manipuliert

Wie früher Don Juan verführen sie Frauen und nehmen sie mit nach Hause: Pick Up Artists. Was wirklich dahinter steckt, erklärt ein selbsternannter Verführungskünstler

Lässig schlendert er von der Straßenbahnhaltestation in Richtung Café. David* ist 29 Jahre alt und hat einen Abschluss in BWL. Er wirkt wie jeder andere normale Typ, dem man auf der Straße begegnet: groß, schlank, dunkles Haar, nettes Lächeln. Jetzt gibt er ein Interview, später an diesem Abend trifft er sich mit Gleichgesinnten um Frauen aufzureißen.

Feedback für Manipulation
Heute treffen sie sich bei den Stadtbahnbögen, erklärt er, dann schwärmt jeder aus – alleine. Nach einiger Zeit treffen sie sich wieder, tauschen Erfahrungen aus und geben sich Feedback. „Man überlegt, wie man Frauen manipuliert“, erklärt David. Als Methoden für diese Manipulation nennt er Verkaufspsychologie, Gruppendynamik und dass man nicht „needy“ wirken darf. Darunter versteht er, dass man der Frau nicht nachlaufen darf. Man dürfe der Frau kein Getränk spendieren und wende ihr teilweise den Rücken zu. Außerdem mache man sich über sie lustig, damit die Frau das Gefühl hat, dass sie sich rechtfertigen oder erklären müsse. Eine andere Methode wäre, Männer, die bereits mit Frauen sprechen, mit Hilfe einiger Kommentare niederzumachen. Beispielsweise bemängelt man den Kleidungsstil des Gegenübers. Bei David hat dieser Trick bereits funktioniert, um anschließend mit den Mädchen etwas trinken zu gehen. Laut David erkenne man einen Pick Up Artist nicht, außer er ist ein Profi. Den erkenne man dann an den Sprüchen und an der Körpersprache. Außerdem würden sie nicht mehr als zwei Bier am Abend trinken.

Mutterschock
David ist erst seit acht Wochen dabei. Seine Freunde wissen nicht, dass er ein Verführungskünstler ist. Zu Pick Up kam er durch ein Schockerlebnis. Er wollte ein Mädchen von früher treffen und rief bei dessen Arbeitsstelle an. Dabei erfuhr er, dass sie derzeit in Mutterschutz ist. „Ich war immer bei ihr Haare schneiden, dachte aber, ich hab eh genug Zeit, ein Date mit ihr auszumachen.“ Das war für ihn der Anlass, die Dinge offensiver anzugehen und über Google kam er schließlich zu Pick Up.

Lob des Sexismus
Als Neueinsteiger in der Szene studiere man zuerst Literatur und Videos zum Thema und lerne von den Erfahreneren. Sie lesen Bücher wie „Lob des Sexismus – Frauen verstehen, verführen und behalten“ von Lodovico Satana oder „The Mystery Method – How to put beautiful women under your spell“, ein Handbuch zum Verführen von Frauen. Der Youtube-Kanal „Simple Pickup“ zeigt den Anfängern Videos zur Umsetzung der Theorie in die Praxis. „Doch das Um und Auf ist das Rausgehen“, erklärt David. Man gehe in der kleinen Gruppe in Clubs, um Frauen anzusprechen. Dabei solle man sich selbst überwinden und die eigenen Zweifel und Ängste ablegen. Pick Up Artists unterscheiden sich nun von den üblichen Clubbesuchern dadurch, dass sie organisiert sind. Man habe den Vorsatz, Frauen abzuschleppen und ihre Nummern zu sammeln. David selbst gehe es dabei aber nicht um One Night Stands, die seien eher etwas für Fortgeschrittene, meint er. Er mache Pick Up, um freundschaftliche Kontakte zu knüpfen, Frauen näher zu kommen und sie zum Küssen zu verführen. Außerdem gebe es auch Pick Up Artists, die keine One Night Stands wollen. Pick Up sei seiner Meinung nach das Richtige, wenn man Single sein möchte. „Wenn du ungebunden sein möchtest, bist du als Pick Up Artist glücklich und brauchst nicht mehr“, meint David.

Der Bro-Code
Um sich zu vernetzen gibt es hin und wieder Treffen. Im November war David auf einem in Wien. Dort trinkt man Bier, diskutiert und tauscht Erfahrungen aus. Doch zu so einem Treffen kommt man nur mit einem Code. Der Code für das letzte Treffen war: „Hey, welchen Adventmarkt könnt ihr mir empfehlen?“, den man dem Türsteher oder Barkeeper mitteilt. Bei diesen Treffen finden sich dann auch Leute zusammen um Street- oder Day Games zu organisieren. Darunter versteht man zum Beispiel das Anreden von Frauen auf Einkaufsstraßen. Außerdem verabredet man sich auch zum Club Game, also zum Aufreißen in Clubs. Neben diesen persönlichen Treffen gebe es auch ein Online Forum. Dort seien bereits 3070 Nutzer registriert. „Da passiert aber nicht viel“, erklärt David, denn es gebe noch geheime Gruppen in Facebook sowie auf WhatsApp. Der Eintritt in diese Gruppen werde streng kontrolliert. Selbst David wurde erst in die Gruppe aufgenommen, als ein Freund dem Administrator erklärte, dass er wirklich dazugehöre. Innerhalb dieser Foren tauschen sich die Mitglieder aus. Im österreichischen Pick Up Forum gibt es eine eigene Sparte namens „Lay Reports“. Dort berichten erfahrene Pick Up Artists ganz genau, wie sie eine Frau ins Bett bekommen haben. Laut David dürfe man das aber nicht so ernst nehmen und müsse hinterfragen, was tatsächlich stimme. Es werde dort nämlich einiges dazuerfunden.

Würgegriff als Gesprächseinstieg
Ihn persönlich habe Pick Up selbstbewusster gemacht. „Du musst einfach Ausstrahlung haben, sonst kommt man bei den Frauen schlecht an“, sagt David. Als Neuling habe er sich in guten Zeiten jedes Wochenende dazu aufgerafft, eine Frau anzusprechen. Doch jedes Mal sei das ein neuer Kampf und eine neue Überwindung gewesen. Mit der Zeit werde man jedoch lockerer und lege die Nervosität ab. Das würden auch die Frauen merken und dann auch selbst auf einen zu gehen.

Zuletzt war Pick Up durch den Pick Up Artist Julien Blanc verstärkt in den Medien. In seinen Seminaren lehrt dieser seinen Schülern den „choke opener“. Dabei handelt es sich um einen Würgegriff, den man bei fremden Frauen anwendet, als Einstieg in ein Gespräch. Videos, in denen er fremde Frauen in Tokio auf offener Straße am Nacken packt und sie an seinen Schoß drückt, machten ihn noch mehr zum umstrittenen Thema. Zudem wurde ihm die Einreise in diverse Länder, in denen er Seminare abhalten wollte, verweigert.

Die Debatte um Julien Blanc hat auch David verfolgt: „Ein paar Sachen, die er gesagt hat, waren halt übertrieben, aber das darf man nicht wörtlich nehmen. Er hat gesagt, was er denkt. Im Prinzip hat er viele Burschen motiviert.“

*Name von der Redaktion geändert

Titelbild: (c) Sophie Caroline Lerch

Karoline Gittenberger ist als Redakteurin bei mokant.at tätig. Sie studiert Soziologie und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. Kontakt: karoline.gittenberger[at]mokant.at

8 Comments

  1. Pumuckl

    28. Mai 2015 at 17:22

    Irgendwie kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man Frauen so leicht manipulieren kann. Fall doch, wäre das eigentlich bedauernswert…

    • Deutscher Heino

      3. Juni 2015 at 14:39

      Bin selbst „Pick Up Artist“ und das sehr erfolgreich. Schleppe in der Woche mindestens drei Frauen ab, wobei ich dazu sagen muss, dass es nicht an meinem makellosen Aussehen liegt, sondern an der Taktik die Frauen anzusprechen. Bisschen wie „Dreck“ behandeln funktioniert sehr sehr oft, besonders bei den Hübschen, die das nicht gewohnt sind. Aber man muss sich für jede Frau eine andere Taktik zurechtlegen, denn keine ist wie die andere. Menschenkenntnis ist also gefragt.

      • ManU

        3. Juni 2015 at 14:44

        Haha…. du bist einfach ein verhaltensorigineller Mensch.. nichts weiter.

      • Peter Rappunzel

        21. September 2015 at 23:12

        Na servas. Ich glaube eher du hast noch nicht mal ein Mädchen geküsst.

    • Mayerhofer

      12. Juni 2015 at 13:25

      Natürlich sind sie nicht so leicht zu manipulieren. Ich denke Pick Up Artists „trainieren“ einfach mehr oder weniger ihr Auftreten, entwickeln somit eine gewisse Selbstverständlichkeit, die klarerweise bei den meisten Frauen gut ankommt. Von Manipulation kann aber keine Rede sein. Niemand kann in einen Menschen hinein schauen. Die wenigsten werden einen PUA nach dem ersten Treffen gleich heiraten. Aber jemandem die Chance zu geben, sich gegenseitig besser kennen zu lernen, ist ja wohl ehermnicht verwerflich.

  2. Dominik Knapp

    15. Juni 2015 at 14:44

    Meine Freundin wurde letztens vermutlich auch von einem solchen PickUpArtist, in einer Einkaufsstraße, mit „Oh, entschuldige dass du so lange warten musstest“ angesprochen. Auf ihre Frage, ob er das öfters mache, meinte er sinngemäß: „Ja, nach dem Stress in der Arbeit kann ich mich so ein bisschen entspannen“…
    Ahhja..

  3. Dominik Knapp

    15. Juni 2015 at 14:45

    Wäre direkt interessant, ob es auch Pick Up Artistinnen gibt….

  4. Expert

    19. Juni 2015 at 12:25

    Dieser Artikel ist inhaltlich sehr dünn, wobei ich der Autorin da nicht unbedingt einen Vorwurf machen würde. Vermutlich hat ihr „Experte“ David selbst noch nicht ganz verstanden was er da tut.
    Wem Pick Up wirklich interessiert, der sollte sich in diesem Forum ein bisschen einlesen: http://www.pickupforum.de/forum

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.