Lugar: „Ich lasse mich treiben“

Foto: (c) Georg Marlovics

Robert Lugar im Interview über starke Männer, Wiederbelebungsversuche des Team Stronach und Franks Botschaft im Herzen

Ruhig ist es um das Team Stronach geworden. Seit der Wahlschlappe im November 2013 findet man sich in den Umfragen am unteren Ende der Skala wieder. Man könnte meinen, die eingeschworene Gruppe um Teamchef Frank Stronach sei gänzlich von der politischen Bühne des Landes verschwunden. Einzig die Aufregung um Kathrin Nachbaurs geplanten Rückzug aus dem Klub brachte das Team Stronach im November des Vorjahres wieder kurz an die mediale Oberfläche. Um die Lage zu ändern hielt der frühere Klubobmann und selbstständige Unternehmer, Robert Lugar, am 15.1. in der Team Stronach Akademie eine Rede zum Thema „Warum braucht Österreich das Team Stronach?“ Im Rahmen der Veranstaltung gab er mokant.at ein Interview und sprach über Auffassungsprobleme der Botschaft Stronachs, neue Ziele des Teams und warum Maria Fekters Verhalten dem eines betäubten Faultier gleiche.

mokant.at: Warum brauchen wir überhaupt das Team Stronach?
Robert Lugar: Um diese Frage zu beantworten muss man sich ansehen, was am Anfang war, welche Fehler wir gemacht haben. Die zentralen Fragen sind: Wo soll die Reise hingehen? Warum können wir die Dinge besser als die anderen Parteien machen? Im Kern geht es uns darum, dass die etablierten Parteien zum Selbstzweck geworden sind. Jede Partei nutzt nur mehr sich selber und will an der Macht bleiben. Mit Frank Stronach haben wir jemanden, auf den das alles nicht zutrifft. Es geht ihm nicht um Macht und Ämter, sondern um eine geistige Revolution. Wir versuchen, das System neu zu erfinden und die Politik zurückzudrängen. Es gibt so viele Bereiche, wo die Politik nichts zu suchen hat. In dem Sinn kann man uns mit Abteilungsleitern vergleichen, die die eigene Abteilung auflösen möchten. Das würde keiner machen, aber genau das ist unser Anspruch: Die Politik zurückzudrängen und den Bürgern mit Bürgervertretern die Macht zu geben.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Das heißt das Team Stronach gibt es wirklich noch?
Robert Lugar: Natürlich gibt es das Team Stronach. Es wird uns auch noch länger geben, zumindest vier Jahre. Ob wir daraus etwas machen und die Botschaft von Frank nach außen tragen können, wird sich weisen. Wir werden es versuchen.

mokant.at: Ich frage deshalb, weil das Team Stronach in letzter Zeit nicht mit politischen Inhalten besticht, sondern eher mit Aufregern. So haben Sie etwa unlängst im Nationalrat einen Ordnungsruf erhalten, weil Sie Finanzministerin Maria Fekter als „betäubtes Faultier“ bezeichnet haben.
Robert Lugar: Man muss das differenzieren. Ich habe sie nicht als betäubtes Faultier bezeichnet, sondern ihr Verhalten mit dem eines betäubten Faultieres verglichen und gebrandmarkt. Das ist ein großer Unterschied. Sie ist drei Tage lang auf ihrem Platz gesessen und hat trotz 15 Aufforderungen von verschiedenen Parteien, nun endlich zur Hypo Stellung zu nehmen, den Hintern nicht hoch gebracht. Das hat für mich die Assoziation hervorgerufen und wurde damals ja auch von den meisten goutiert.

mokant.at: Das kann man aber auch anders sehen. Auf ihre Aussage wurde mit lauten Zwischenrufen geantwortet, man war offensichtlich nicht ganz so einverstanden damit.
Robert Lugar: Ja, die kamen aber nur von der ÖVP. In „Willkommen Österreich“ wurde meine Rede sogar gut geheißen, und das sind dort sicher nicht unsere Freunde.

mokant.at: Zurück zur Zusammensetzung des Team Stronach: Den Rückzug von der Funktion der stellvertretenden Vorsitzenden begründete Kathrin Nachbaur im November unter anderem damit, dass sich Frank Stronach einen „starken Mann“ wünsche. Wo sind die starken Männer im Team?
Robert Lugar: Ich halte das für eine entbehrliche Aussage von Frau Nachbaur. Wie so viele Aussagen davor muss man auch diese einordnen: Frank Stronach denkt Englisch und übersetzt ins Deutsche. Er hat ja auch damals zu BZÖ-Chef Josef Bucher gesagt, er sei ein „bull without balls“, das muss man auch in dieser Kategorie sehen. Diese Aussagen zu wiederholen, wie das die Frau Nachbaur gemacht hat, ist natürlich sehr gefährlich. Das Konzept des starken Mannes als solches halte ich ebenfalls für sehr entbehrlich. Ich weiß auch gar nicht, was das sein soll und wie man das definieren kann. Diesbezüglich sehe ich auch keine starken Männer im Team Stronach. Der einzige, der mir dazu einfällt, ist Arnold Schwarzenegger und ich bezweifle, online casino dass er zu uns kommen wird.

mokant.at: Im März wird der Klubobmann des Teams gewechselt. Wie sicher ist eigentlich die Nachfolge durch die geschäftsführende Klubobfrau Waltraud Dietrich?
Robert Lugar: Natürlich gibt es jetzt schon Gespräche mit Frank Stronach darüber, aber schlussendlich wird der Klub darüber entscheiden. So ist es in den Statuten festgeschrieben und ich bin überzeugt davon, dass wir eine gute Entscheidung treffen werden. Es hängt schlussendlich davon ab, wer das beste Programm und Konzept präsentieren wird. Die beste Person wird sich durchsetzen.

mokant.at: Favorisieren Sie dabei eine bestimmte Person?
Robert Lugar: Ideen sind stärker als Personen. Ich bin kein Mensch, der sich nur an Personen fest hält, für mich geht es um Konzepte und Ideen. Wenn sich jemand bemüht und fleißig die richtigen Konzepte durchsetzen will, ist er oder sie aus meiner Sicht geeignet. Das trifft bei uns auf viele Mitglieder zu.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Wo wir beim Personal sind: Mit Kommunikationschef Hary Raithofer ist wieder ein Mitglied gegangen. Wieso herrscht im Team Stronach so ein starkes Kommen und Gehen?
Robert Lugar: Jede neue Idee, jedes neue Konzept hat natürlich Reibungspunkte. Leute kommen und gehen, das ist auch gut so, denn die Leute die bleiben, haben dann natürlich das gewisse Etwas, das es braucht um sich durchsetzen zu können und erfolgreich zu sein. Wir tragen die Botschaft von Frank Stronach im Herzen und das ist der Kern des Ganzen. Alle, die bei uns überbleiben, werden gefestigt sein um dann voll durchstarten zu können.

mokant.at: In der Landesgruppe Kärnten möchte man im Moment durchstarten: Es gibt dort ein neues Logo und einen neuen Namen („Team Kärnten“). Warum spaltet man sich dort so von der Bundespartei ab?
Robert Lugar: Das liegt an einem Missverständnis. Viele Personen können Frank Stronach nicht von seiner Botschaft trennen. Wenn er sich jetzt immer mehr zurückzieht, was er ja von Anfang an vorhatte, dann haben wir mittlerweile vergessen und verabsäumt, die Botschaft weiterzutragen. Das ist der Grund für solche Abspaltungstendenzen. Viele von uns haben die Botschaft noch nicht in das Herz aufgenommen und glauben jetzt, ihre eigene entwickeln zu müssen. Das halte ich für einen Fehler.

mokant.at: Am 25. Jänner sind Gemeinderatswahlen in Niederösterreich. Warum tritt das Team Stronach in keiner der 570 Gemeinden an, wenn es Österreich doch so dringend braucht?
Robert Lugar: Sie haben es gerade selbst beantwortet. Österreich braucht das Team Stronach, davon bin ich auch völlig überzeugt. Das betrifft aber die Bundespolitik, weil dort die Politik gemacht wird, die wir ankreiden und verändern wollen. Auf Landesebene wird das schon weniger und auf Gemeindeebene ist das schon gar keine Politik mehr. Dort ist es eher ein systematisches Herangehen an Alltagsproblemen. Wenn sie schon einmal in der Gemeinde als Mandatar tätig waren, wissen sie, dass dort über Parteigrenzen hinweg keine Politik gemacht wird, sondern Sacharbeit.

mokant.at: Zur Bundespolitik: In der Diskussion um den Fall „Hypo“ wünscht sich Kathrin Nachbaur die Einführung einer Politikerhaftung. Wie soll die konkret aussehen?
Robert Lugar: Dabei geht es darum, dass die Politiker zur Verantwortung gezogen werden sollen. Wenn sich herausstellt, dass eine Entscheidung aus Eigeninteresse oder unter Beeinflussung getroffen wurde, muss sich der betroffene Politiker den Bürgern gegenüber verantworten. Wie man das genau gestalten kann, müssen wir uns noch überlegen. Natürlich werden wir diese Politikerhaftung auch nicht morgen einführen. Dazu braucht es eine Regierungsmehrheit, die wir leider nicht haben. Dass die Regierung sich freiwillig dazu einlässt, ist eher auszuschließen.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Realistisch betrachtet: Bis wann kann man bei diesem Punkt mit einer Umsetzung rechnen?
Robert Lugar: Das können Sie sich selbst beantworten. Solche Entscheidungen dauern sehr lange, man braucht dazu einen langen Atem. Uns geht es auch nicht um einen genauen Termin, sondern um die Entwicklung eines Konzeptes. Außerdem: Der Bürger weiß zum Beispiel sehr wohl, dass nicht ganz Österreich grün wird, wenn er die Grünen wählt. Es werden dadurch verstärkt die grünen Ideen eingebracht und als Folge müssen sich die Regierungsparteien bewegen. So funktioniert das.

mokant.at: Wo wir bei konkreten politischen Bestrebungen sind: Sie gelten ja als sehr ehrgeizig…
Robert Lugar: Achso? Nein, ich halte mich für überhaupt nicht ehrgeizig. Ich lasse mich eher treiben.

mokant.at: Finden sie trotzdem, dass ihre Fähigkeiten im Team Stronach momentan optimal genützt werden?
Robert Lugar: Ich glaube dass die Fähigkeiten von uns allen im Moment nicht genutzt werden. Das ist auch der Grund, warum wir so schlecht da stehen. Wir haben gute Leute, aber wenn man schlechte Ergebnisse erzielt, kann das nur einen Grund haben: Dass man die Fähigkeiten der Leute, mich eingeschlossen, nicht ordentlich nutzt.

mokant.at: Und wie könnten Sie das in Zukunft verbessern?
Robert Lugar: Man braucht eine gute Führung, einen guten Plan und ein gutes Konzept. Dann geht’s los.

Titelbild: (c) Georg Marlovics

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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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