Film/riss: The Imitation Game

Foto: (c) Constantin Film

Morten Tyldums Biopic erzählt die tragische Geschichte Alan Turings, dessen Erfindung den 2. Weltkrieg entscheidend beeinflusste und Ursprung des ersten Computers war.

„Manchmal sind es die Menschen, von denen man es sich am wenigsten vorstellen kann, die etwas leisten, das unvorstellbar ist.“ Mit dieser Phrase, die zugleich Mantra des Biopics ist, würdigt Regisseur Morten Tyldum die Leistungen des bedeutendsten britischen Mathematikers des 20. Jahrhunderts, Alan Turing. The Imitation Game ist nicht bloß ein Film über die tragische Figur Turings, sondern auch ein Film über die Schaffung einer geheimen Maschine, die ausschlaggebend für den Sieg der Alliierten im zweiten Weltkrieg war.

Turings Kampf mit dem Selbst
1939 Bletchley Park, England: Der junge Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) soll gemeinsam mit einem Team von Code-Spezialisten den vermeintlich unentschlüsselbaren Enigma-Code des deutschen Militärs knacken. Unterstützung findet er auch in der Mathematikerin Joan Clarke (Keira Knightley). Joan Clarke hilft Alan Turing, der Genie und Außenseiter zugleich ist, sowohl bei der Arbeit an seiner elektrischen Rechenmaschine Christopher, als auch dabei, aus seinen ihm feindlich gesinnten Kollegen Verbündete zu machen. Die beiden kommen sich näher, aber nur scheinbar.

Denn Alan Turing kämpft von Jugend an damit, Teile seiner Identität zu verbergen. Versucht seine Rechenmaschine, das Enigma-Chiffre zu imitieren, so versucht Turing sein Leben lang, einen heterosexuellen Mann zu spielen, da Homosexualität in England bis 1967 strafbar war. Einen Leidensweg, den Drehbuchautor Graham Moore in drei Handlungsperioden erzählt: In der ersten etwa, sieht man Alan während seiner Schulzeit mit seiner ersten Liebe Christopher, die Jahre 1939-1945 handeln von der Entschlüsselung des Enigma-Codes.

Fakt und Fiktion
Die Rolle des sozial abgekapselten und missverstandenen Mathematikgenies Turing ist Cumberbatch wie auf den Leib geschneidert. So vereint er in seiner Interpretation der Rolle die zahlreichen Facetten Turings: Er ist nicht bloß brilliant, er ist menschlich, verletzlich und enigmatisch. Cumberbatch wie auch Alex Lawther, der den jungen Alan spielt, sind in der Lage, dem Zuseher das Leiden des Antihelden authentisch zu vermitteln. Gerade die gemeinsamen Szenen mit Keira Knightley bestechen durch die großartige Harmonie der beiden Hauptdarsteller. Sie beide verkörpern Außenseiter – Clarke etwa war eine ledige und hochintelligente Mathematikerin, der es aufgrund gesellschaftlicher Konventionen nicht möglich war, ihren Beruf, einen „Männerberuf“, auszuüben.

Ganz im Sinne eines Biopics spielt Regisseur Tyldum mit Fakt und Fiktion: So sei etwa die Beziehung zwischen Alan und Joan oder auch die Figur des Detektivs, der Turing 1952 verhaftet, frei erfunden. Turings Leidenschaft für seine Rechenmaschine nimmt ebenfalls einen großen Platz im Film ein. Diese manifestiert sich etwa darin, dass er sie nach seiner ersten großen Liebe Christopher benennt. Auch der Titel The Imitation Game leitet sich aus einem Spiel ab, das Alan Turing erfunden hat um festzustellen, ob es sich bei seinem Gegenüber um einen Mann, eine Frau oder eine Maschine handelt.

Obwohl Alan Turings Leben mit seinem Selbstmord 1954 einen tragischen Höhepunkt erreichte (er wurde 2013 von der Queen begnadigt), soll der Film in erster Linie sein Schaffen beleuchten und seine weltbewegenden und über Jahrzehnte geheimgehaltenen Leistungen feiern. Gleichzeitig soll dem Zuseher die komplizierte und grenzgeniale Persönlichkeit nähergebracht werden. Beides ist Regisseur Tyldum und Drehbuchautor Moore gelungen – The Imitation Game gilt als heißer Oscaranwärter.

Kinostart Österreich: 23. Jänner 2015

Titelbild: (c) Constantin Film

Katja Lehner ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Sie ist Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie der Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Kontakt: katja.lehner@mokant.at

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