KopfhörerInnen: She & Him – Classics

She & Him: Classics
(VÖ: 05.12.14 | Columbia Records)

(c) Sony Music Germany

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Play gedrückt und da ertönen sie: Zooey Deschanels tiefe Stimme und M. Wards simples Gitarrenspiel. Sofort will man in Retro-Kleidung (Jahrzehnt egal) draußen herumschunkeln: She & Him spielen diesen Dezember einmal mehr die Nostalgie-Karte aus. Für ihr neues Cover-Album Classics haben sie Hits aus den vergangenen Jahrzehnten neu aufgenommen. Wer sich hier allerdings moderne Zugänge zu alten Klassikern erwartet, liegt falsch.

Zooey Deschanel kennt man momentan wohl eher aus der Serie New Girl, in der sie die Hauptrolle spielt, vielleicht auch noch aus dem Indie Film (500) Days of Summer. She & Him sagt wahrscheinlich den Wenigsten etwas – und schon gar nicht in Verbindung mit Deschanel. Umso überraschter werden Fans ihrer Serie sein, wenn sie sie zusammen mit M. Ward spielen hören; seit 2006 holen sie ihre Zuhörer und Zuhörerinnen zurück in die Vergangenheit. Ihre Coversongs, aber auch die selbstgeschriebenen Lieder lassen die Sechziger und Siebziger voll von bittersüßer Flowerpower zurück in die Häuser rauschen.

Wo genau Zooey Deschanel neben Serie und Filmauftritten die Zeit findet, Lieder aufzunehmen und zu schreiben, scheint ein Rätsel. Nichtsdestotrotz hält sie durch eine musikalisch geprägte Brieffreundschaft mit Produzent M. Ward ihre Musik am Leben und bietet ihren Fans fast jährlich neue Kunsstücke. Nach Volume One, Two und Three sowie einem ähnlich nostalgischen Weihnachtsalbum meldet sich das nordamerikanische Duo mit noch mehr Schunkelsongs zurück.

Mit dem ersten Lied, Stars Fell On Alabama, startet das Album bereits mit viel Dur-Moll, Abwechslung und einem besonders alten Schmankerl, stammt das Lied doch aus den 30ern. An vierter Stelle findet sich Stay Awhile; im zugehörigen Video tanzt Deschanel ausgelassen mit einem unsichtbaren Tanzpartner, Ward begleitet sie auf einer Air-Guitar, ausdruckslos wie eh und je (scheint seine Masche zu sein). Diese Ausdruckslosigkeit lässt sich aber keineswegs in seinen Sing-Parts wiederfinden; in Time After Time und She verzaubert er selbst den größter Zyniker mit seinen schüchternen aber warmen Umwerbungen. Auch an den Klassiker Unchained Melody hat sich das Duo getraut und macht, was es am besten kann: altmodische Musik recyclen, sodass sie immer noch alt, aber irgendwie trotzdem gut klingt.

Alles schön und gut, allerdings muss auch gesagt werden, dass She & Him keineswegs Mainstream Musiker sind. Das kann gut und schlecht sein, das ist Geschmackssache. Wer sich mit „Oma-Musik“ nicht anfreunden kann, sollte eher die Finger davon lassen. Nicht unerwähnt sollte auch Deschanels manchmal unsichere Stimme bleiben, selbst wenn dies durchaus zum Flashback-Feeling beiträgt.

Wer auf nostalgisch angehauchte, langsame Hits mit Deschanels wirklich tiefer Stimme steht, ist hier auf jeden Fall richtig. She & Him schaffen es wie beinahe keine andere Band, alte Musik wiederzuverwerten und Hörer und Hörerinnen gekonnt zu entführen. Vergesst die quirlige Jess aus New Girl, die kalte Summer aus (500) Days und begleitet Deschanel auf einer melancholischen Zeitreise ohne bestimmtem Ziel.

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

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