Hintner (die PARTEI): „Ich bin bärtiger als Hitler“

Foto: (c) Michael Nowak

mokant.at traf sich mit Marcel Pierre Hintner, dem Generalsekretär der PARTEI in Österreich. Wir haben über seinen politischen Hintergrund und die Pläne der PARTEI gesprochen

Klein und bärtig – das ist Marcel Pierre Hintner, Generalsekretär der neu gegründeten Partei „Die PARTEI“. In seinem Lebenslauf meint er, Parallelen mit Adolf Hitler zu erkennen, dem 1907 die Aufnahme an der Wiener Kunstakademie verwehrt blieb und der so den Weg in die Politik fand. Aufgrund seiner Körpergröße finde er aber auch Gemeinsamkeiten mit Napoleon. Die autoritären Strukturen der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI) unterstreicht er nochmal, als wir uns voneinander verabschieden. Sollte dieser Artikel nämlich nicht den Vorstellungen der PARTEI entsprechen, würde er einen Fackelzug auf das mokant.at-Redaktionsbüro organisieren, um die Online-Zeitung zu verbrennen. Wir sind gespannt.

mokant.at: Ein Generalsekräter Hintner ist Voraussetzung, damit aus Deutschland das OK für die Parteigründung gegeben wird. Unter all den Hintners, die es in Österreich gibt – warum wurden gerade Sie für dieses Amt ausgewählt?

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Marcel Pierre Hintner: Dass ich ein erfolgreicher österreichischer Politiker werde, wird ganz eindeutig klar, wenn man sich meinen Lebenslauf genauer ansieht. In meinen jungen Jahren habe ich mich bei einer Kunsthauptschule beworben, wurde dort dann allerdings nicht aufgenommen. Danach habe ich ein Leben als brotloser Künstler gefristet, der mit seiner Literatur nicht wirklich weit kam, bis ich dann in die PARTEI eintrat. Ich bin kleiner als Napoleon, bärtiger als Hitler – was kann da schon schief gehen?

mokant.at: Ist Martin Sonneborn auf Sie zugekommen oder haben Sie sich für dieses Amt beworben?
Marcel Pierre Hintner: Es haben sich in Österreich ein paar Menschen zusammengefunden, die gesagt haben, das ist ein tolles Projekt, Österreich braucht so eine Partei. So haben wir dann die PARTEI gegründet.

mokant.at: Warum ist ein Generalsekretär Hintner überhaupt Voraussetzung?
Marcel Pierre Hintner: Es macht ein schönes Bild von kontinuierlicher Politik, wenn wir in Deutschland einen Generalsekretär Hintner haben und auch in Österreich. Das zeigt eindeutig: Wir sind eine verlässliche, stabile Partei.

mokant.at: Sie waren zuvor bei den Grünen in Vorarlberg. Warum haben Sie die Partei gewechselt?
Marcel Pierre Hintner: Bei den Grünen habe ich gelernt, machtgeil und autoritär zu sein. Die Machtergreifung ging mir dann allerdings nicht schnell genug. Deshalb bin ich dann zur Partei gewechselt, weil es dort einfach schneller und einfacher geht.

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mokant.at: Warum sind die Grünen machtgeil?
Marcel Pierre Hintner: Ja das sieht man doch…

mokant.at: Können Sie da Beispiele nennen?
Marcel Pierre Hintner: (Pause) Vielen Dank. Ich beantworte diese Frage gerne wie Johannes Rauch (Die Grünen Vorarlberg, Anm.), der einmal gemeint hat: ‚Vielen Dank für diese Frage, ich spreche lieber über meine eigene Partei‘.

mokant.at: Denken Sie, dass Sie mit der Politik der PARTEI mehr erreichen können, als mit der Politik, die andere Parteien machen?
Marcel Pierre Hintner: Natürlich! Wir sind die einzig seriöse Partei. Mit Spaßpolitik habe ich abgeschlossen. Es wird an der Zeit, endlich konstruktiv etwas zu verändern.

mokant.at: Warum sehen Sie alle anderen Parteien als Spaßparteien und Ihre als die einzig seriöse?
Marcel Pierre Hintner: Sehen Sie sich unsere Parteienlandschaft an. Eine Sozialpolitik, die das Prädikat ‚sozial‘ nicht mehr wirklich verdient hat. Wir haben die NEOS, wir haben das Team Stronach… Muss ich da wirklich noch etwas dazu sagen?

mokant.at: Ja.
Marcel Pierre Hintner: Die NEOS haben zum Beispiel vor kurzem gemeint, wer zehn Stunden arbeiten kann, der kann auch zwölf Stunden arbeiten. Wir führen das Ganze noch weiter. Wir sagen, wer zwölf Stunden arbeiten kann, kann auch 25 Stunden arbeiten. Deshalb sind wir für die Einführung des 25-Stunden-Arbeitstages. Da sparen sich die Menschen die Mieten für ihre Wohnungen, da sie dann sowieso keine Zeit mehr zum Schlafen haben.

mokant.at: Bei der Gründungsveranstaltung der PARTEI haben Sie gesagt, dass den Menschen die Machtübernahme in Wien kaum auffallen wird, weil hier schon eine korrupte Partei regiert. Warum ist die SPÖ korrupt?
Marcel Pierre Hintner: Postenschacher, nur um eines zu nennen, die Wohnungen an Gemeindemitglieder zu vergeben, das ist alte Tradition bei der SPÖ und wir denken, dass wir das so übernehmen können.

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mokant.at: Sie versprechen den Österreichern Traditionspolitik und wollen diese sogar noch auf die Spitze treiben. Mit welchen Maßnahmen?
Marcel Pierre Hintner: Ha. Vielen Dank für diese Frage. Egal ob bei dieser oder einer anderen: Ich versichere Ihnen, dass wir mit Sachkenntnis, Mut und Augenmaß an einem gangbaren Weg für eine Lösung arbeiten.

mokant.at: Haben Sie konkrete Vorstellungen?
Marcel Pierre Hintner: Wir befinden uns bald vor den Wahlen, da hüte ich mich, exakte Aussagen zu machen, denn immerhin wollen wir die Wahlen gewinnen.

mokant.at: Sie versprechen Traditionspolitik und fordern gleichzeitig die Einführung der Zwangshomoehe, des freiwilligen schwulen Jahres und dass jedes dritte Schulkind schwul sein soll. Ist das ein Widerspruch?
Marcel Pierre Hintner: Es ist genauso wenig widersprüchlich wie die Tatsache, dass Glawischnig jetzt nur noch von einer Entkriminalisierung von Cannabis spricht, obwohl etwas anderes im Parteiprogramm steht. Wir sind eine turbodemokratische Partei. Niemanden interessiert, was wir gestern gesagt haben. Es kommt nur darauf an, was wir heute sagen. Wir sind die evolutionäre Spitze der Parteienpolitik, wir bestehen aus Wendehalspolitik und da brauchen wir uns nicht festzulegen. Was gestern war, interessiert uns nicht.

Mokant.at: Diese drei Punkte sind einige der wenigen konkreten Aussagen über die Ziele der PARTEI. Warum diese Fokussierung auf Homosexualität?
Marcel Pierre Hintner: Das ist ein ganz einfaches politisches Schema: Man muss ein halbes Jahr lang seine Forderungen wiederholen, bis sie bei den Wählerinnen und Wählern ankommen. Wir denken, Homosexualität ist ein Thema, das die Menschen bewegt und hoffen, damit viele Stimmen zu bekommen.

mokant.at: Sie sprechen auch von einem Meereszugang für Österreich. Gibt es da schon konkrete Pläne oder ist das eine weitere Taktik zum Stimmenfang?
Marcel Pierre Hintner: Nein. Das meinen wir ernst. Österreich ist ein kleines erbärmliches Land. Ich glaube, wir müssen es wieder zur alten Größe heranführen.

mokant.at: Und das funktioniert mit einem Meereszugang?
Marcel Pierre Hintner: Ja natürlich. Wenn wir uns ausdehnen wollen, ist da zwingenderweise irgendwann ein Meer. Wo würden Sie denn gerne baden gehen? Suchen Sie sich ein Meer aus. Ich verspreche Ihnen, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Dieses Meer wird bald zu Österreich gehören.

mokant.at: Was wird sich in Österreich sonst noch ändern, wenn die PARTEI an die Macht kommt?
Marcel Pierre Hintner: Wir haben eine grundlegende Aussage: Wir ruinieren diese Land zum halben Preis.

mokant.at: Wie wollen Sie diesen Plan in die Tat umsetzen?
Marcel Pierre Hintner: Indem wir die jetzige Politik weiterführen sind wir da auf einem guten Weg.

mokant.at: Die PARTEI konnte nach der EU-Wahl mit 0,6 % der deutschen Wählerstimmen ins EU-Parlament einziehen. Martin Sonneborn vertritt nun die Anliegen der PARTEI auf EU-Ebene. Welche Forderungen versucht er umzusetzen?

Marcel Pierre Hintner: Im EU Parlament probiert er z.B. die Gurkenkrümmung wiedereinzuführen, allerdings für deutsche Exportwaffen. Das heißt, jeder Waffenlauf sollte auf zehn Zentimeter zwei Zentimeter gekrümmt werden. Momentan ist er im Kontakt mit anderen Parlamentarierinnen und Parlamentariern, um diesen Antrag durchzubekommen. Wir sind sehr optimistisch, dass das funktioniert.

mokant.at Hat er schon Unterstützer gefunden?
Marcel Pierre Hintner: Das weiß ich nicht.

mokant.at: In einem Interview mit mokant.at vor 4 Jahren hat Martin Sonneborn gesagt, er schließt für Deutschland eine Koalition mit der FDP aus. Gibt es auch Parteien, mit denen Sie für Österreich eine Koalition ausschließen?
Marcel Pierre Hintner: Nein, grundlegend nehmen wir jede Partei, die uns als Steigbügelhalter zur Macht andient.

mokant.at: Sonneborn begründet das damit, dass die FDP eine Spaßpartei wäre. Demnach regieren in Österreich nur seriöse Parteien.
Marcel Pierre Hintner: Nein, Österreich ist voll mit Spaßparteien. Da wir aber sowieso davon ausgehen, bei den nächsten Wahlen 100 Prozent plus X zu bekommen, werden wir auf die anderen Parteien gar nicht mehr angewiesen sein.

Foto: (c) Michael Nowak

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mokant.at: Was lässt Sie darauf schließen, dass Sie in Österreich 100 Prozent erreichen, wo jetzt bei der EU-Wahl in Deutschland zum Beispiel nur 0,6 Prozent erreicht wurden?
Marcel Pierre Hintner: Österreich ist ein noch schmierigeres, populistischeres und korrupteres Land, deshalb denken wir, dass die PARTEI hier noch größere Erfolge haben wird.

mokant.at: Gibt es schon Pläne, wie Sie Wählerstimmen anderer Parteien für sich gewinnen wollen?
Marcel Pierre Hintner: Ja natürlich, wir haben jetzt bei unserer Gründungsveranstaltung die Bierschutzpartei Österreich übernommen und haben vor, alle anderen 900 gemeldeten Parteien zu übernehmen. Ich denke, damit haben wir eine gute Basis.

Die PARTEI in Deutschland

Die Partei (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative) ist eine im Jahr 2004 gegründete Satire-Partei aus Deutschland. Parteivorsitzender ist der ehemalige Chefredakteur des deutschen Satire-Magazins Titanic. Bei Komunalwahlen konnte die PARTEI bereits mehrere Erfolge verbuchen. 2014 ergatterte die PARTEI mit 0,63 Prozent der Stimmen der deutschen Wähler einen Sitz im Europäischen Parlament.

Links:
Die Partei: „Wir ruinieren dieses Land!“
Interview mit Martin Sonneborn

Titelbild: (c) Michael Nowak

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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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