Cupcakes: Frauenquote war einmal

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Renate Gruber wendet ihre Grafikdesign-Ausbildung an Mehlspeisen an und hat sich auch nach Jahren nicht an ihren Kreationen satt gegessen. Im Interview mit mokant.at erzählt sie von dem süßen Geschäft.

Mit einem „Spielkapital‟ von 100.000 Euro begann Renate Gruber vor vier Jahren, aus ihrem Hobby Tortendesign ein Geschäft zu machen. Eigentlich sollte das Torten- und Cupcake-Unternehmen nur eine nette Freizeitbeschäftigung bleiben, doch rasch wurde klar, dass sie sich entscheiden musste: Sicherer Berufsalltag mit eigener Werbeagentur oder das riskante Kuchenunternehmen? Heute ist Renate Gruber vollends mit ihren Mehlspeisen beschäftigt und verkauft durchschnittlich tausend Stück täglich. Im Interview mit mokant.at erzählt sie, wie alles begann und gewährt einen Einblick in das süße Geschäft.

Cupcakes

© Kiana Fathi

mokant.at: Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Grafikdesign-Ausbildung an Mehlspeisen anzuwenden?
Renate Gruber: Im Prinzip ist es für mich die gleiche Tätigkeit, die Gestaltung eines Produkts. Die Idee dazu ist mir auf Reisen gekommen, als ich im Ausland die toll gestalteten Süßspeisen sah. Als ich zurückgekommen bin, habe ich mir gedacht, „Ok, das will ich auch gern können‟. Nachdem ich ein handwerklicher Typ bin, also gerne etwas mit den Händen mache, hat das auch recht schnell funktioniert. Begonnen hat es bei mir mit Torten. Cupcakes sind danach gekommen, um die kommt man nicht herum, wenn man einmal mit Tortendesign arbeitet.

mokant.at: Hattest du dabei auch Unterstützung von Freunden und Familie oder waren sie da eher skeptisch?
Renate Gruber: Meine beste Freundin hat, als ich ihr erzählt habe, ich würde gerne ein kleines Geschäft aufmachen, lapidar gemeint, „Warum sollt ich aus dem 2. in den 8. kommen, um mir da a Mehlspeis zu kaufen?!‟ Sie war nicht hundertprozentig überzeugt davon.

mokant.at: Und jetzt ist die Freundin überzeugt?
Renate Gruber: Jetzt ist sie überzeugt, ja! Aber sie bereut es ein bisschen, weil sie mich seit 2010 viel seltener sieht, da ich nun eben mehr arbeite.

mokant.at: Hattest du keine Bedenken, eine von vielen zu werden, die dem Trend der neuen Mehlspeisen folgt?
Renate Gruber: Ich hatte ein Jahr Zeit, erst 2011 hat es den ersten Mitbewerber gegeben. In diesem einen Jahr habe ich eigentlich meine Stellung als Vorreiter gesichert. Wenn man irgendetwas als Erster macht, erntet man ja auch viele Vorschusslorbeeren, die Nachkommenden kopieren dann halt.

Renate Gruber

© Kiana Fathi

mokant.at: Mittlerweile gibt es ja zahlreiche Cupcake Shops. Siehst du die als Konkurrenz oder als willkommene Gleichgesinnte?
Renate Gruber: Punkt eins freut es mich sehr, dass es in der Konditorbranche ein bisschen etwas Alternatives gibt, das hat sehr gefehlt.  Aber es gibt keinen einzigen Mitbewerb, der unsere Sortenvielfalt hat oder unseren Servicelevel erreicht. Bei uns kannst du liefern lassen, du hast Tortenberatung, wir haben eine Eventdame – wir haben also ein ganz großes Portfolio. Ich hatte ja eine Werbeagentur und da habe ich gelernt, dass ein Kunde oft eine Rundumbetreuung braucht. Wir haben da wirklich eine breite Palette und das ist eigentlich unerreicht im Mitbewerb, also wir sind bis jetzt sehr entspannt.

mokant.at: Deine Shops scheinen ja wirklich einem Märchenbuch zu entspringen – alles passt zusammen. Gibt es irgendein Detail, das du unüberlegt lässt?
Renate Gruber: Nein. Nachdem das alles als Hobby begonnen hat, war es mir ein besonders großes Anliegen, meine ganz persönliche Note in den Shops unterzubringen. Die Einrichtung habe ich dem Tischler vorgezeichnet. Diesen Spiegel aus Holland und die Lampe aus Italien habe ich von meinen Reisen mitgebracht: Das sind alles Dinge, die mir persönlich sehr gut gefallen und die aus meiner Sicht jetzt auch nicht so wahnsinnig kitschig sind. Der Gesamteindruck ist halt dann ein sehr kitschiger, lustigerweise. Alle sagen immer, es ist so rosa, was natürlich in den Accessoires stimmt, aber die Grundausstattung ist gar nicht so rosa.

mokant.at: Warum hast du dich für die Standorte Albertgasse und Josefstädter Straße entschieden? Beide Shops liegen ja recht nah beieinander.
Renate Gruber: Da hatte ich keine Wahl, die Josefstädter Straße ist zu klein geworden, wir haben dort ja auch gebacken. Damals musste ich mich entscheiden, was ich tun möchte. „Möchte ich praktisch stehen bleiben und einen Rückschritt riskieren oder bin ich mutig, glaube an das Konzept und weite es aus?‟. Das ist natürlich eine gewagte Entscheidung, jedes Investment ist ein Risiko, aber es heißt „Unternehmer‟ und nicht „Unterlasser‟. Deshalb habe ich eine größere Produktionsstätte gesucht. Im innerstädtischen Bereich eine Produktion zu errichten, in der Backgerüche oder auch Lärm entstehen, ist in Wien durch strenge Auflagen wirklich schwierig. Und einen Standort zu finden, wo man diese Auflagen umsetzen kann, das ist wie ein Lottojackpot. Das hat sich zufällig hier in der Albertgasse ergeben, deshalb habe ich diese Gelegenheit genutzt, anstatt ewig weiterzusuchen.

Natürlich fragen mich alle Leute wieso ‒ die Shops sind schließlich nur sieben Gehminuten voneinander entfernt. Das hat einen Nachteil, keine Frage ‒ wenn wir in einem anderen Bezirk wären, würden wir natürlich pro Standort mehr verkaufen. Aber auf der anderen Seite hat es auch Vorteile, wir haben sehr kurze Logistikwege, auch zum Shop im mumok. Ich kann alles zu Fuß gehen, unser Botenfahrer, der unsere Filialen von hier aus mit frischen Cupcakes beliefert, fährt auch nicht lange. Wenn die Josefstädter Straße anruft und sagt „Wir haben nichts mehr‟, kann man Cupcakes hinunter tragen.

Cupcake Shop

© Kiana Fathi

mokant.at: Wählst du dein Personal nach speziellen Merkmalen aus?
Renate Gruber: Ja, die Mitarbeiter im Verkauf sollten besonders freundlich sein und idealerweise Freude am Produkt haben. Sehr fleißig müssen sie natürlich auch sein, die Arbeit schaut zwar ganz lustig aus, aber ist natürlich auch anstrengend. Die Konditoren sind alle Meister, die müssen ein wirkliches Fachknowhow haben.

 

mokant.at: Denkst du, dass Frauen deine Kreationen besser verkaufen können als Männer?
Renate Gruber: Gute Frage. Ich weiß es nicht.

mokant.at: Gibt es Männer im Verkauf?
Renate Gruber: Im Moment nicht, aber wir hatten Männer im Verkauf. Wobei ich dazusagen muss, dass sie alle homosexuell waren.

Vielleicht liegt das Produkt mehr den Frauen, ich weiß es nicht. Wobei wir mittlerweile sehr viele männliche Kunden haben, das war am Anfang gar nicht so. Anfangs ist mir vorgekommen, da draußen steht „No Men‟ oder „Women only‟, wir hatten eine hundertprozentige Frauenquote unter den Kunden ‒ das hat sich sehr verändert.

mokant.at: Was sollten deine Mitarbeiter auf keinen Fall machen, gibt es irgendwelche No-Gos?
Renate Gruber: Unfreundlich sein! Wenn ich irgendwo hineingehe, möchte ich mich wohlfühlen, darum geht es uns ja. Es geht immer um dieses Menschliche dazwischen. Wenn dir jemand gegenüber steht, der freundlich zu dir ist, bei dem du das Gefühl hast, der ist dir gut gesonnen, dann fühlst du dich einfach wohl. Und wenn du dich hier nicht wohlfühlst, wo dann?

mokant.at: Dürfen die Mitarbeiter zwischendurch auch naschen?
Renate Gruber: Ja, sie dürfen in ihrer Dienstzeit so viele Cupcakes essen, wie sie möchten, sie müssen das Produkt ja auch kennen. Und das tun sie auch, also es ist nicht so, dass sie nur zwei-, dreimal naschen.

mokant.at: Denkst du, dass deine Cupcakes auch am Land so beliebt sind, wie bei den Städtern?
Renate Gruber: Wir haben eine sehr rege Facebook-Community, da sind mittlerweile schon fast 50.000 Fans. Davon sind viele aus dem urbanen Bereich aber auch sehr viele aus den Bundesländern. Wir waren mit unserem Cupcake Mobil in Villach und das ist sehr gut angenommen worden, mit tollem Feedback. Wie es mit einer permanenten Vertretung ist, kann man nicht sagen.

mokant.at: Sind Cupcakes eine moderne Alternative zum Apfelstrudel oder zum Topfenstrudel?
Renate Gruber: Eindeutig ja, aber wir haben auch einen Apfelstrudel Cupcake.

mokant.at: Orientierst du dich bei der Kreation neuer Mehlspeisen auch an Kundenwünschen?
Renate Gruber: Jein. Also der Apfelstrudel Cupcake ist bei der Eröffnung unseres Shops im mumok entstanden. Damals sind viele Touristen gekommen und wollten einen „applestrudel‟, den hatten wir aber nicht. Jetzt machen wir einen Strudel, allerdings in Cupcake-Form und mit Vanilletopping. Es ist also ein Konglomerat aus beiden Seiten. Auf der einen Seite ist natürlich die Nachfrage sehr wichtig und auf der anderen Seite ist es auch unser Wunsch, dass wir saisonal arbeiten und auf bestimmte Bedürfnisse wie Glutenunverträglichkeit eingehen.

mokant.at: Naschst du selbst ab und zu oder hast du dich schon satt gegessen?
Renate Gruber: Nicht nur ab und zu sondern täglich, ja. Da komm ich nicht drum herum.

Cupcakes

© Kiana Fathi

mokant.at: Man isst sich also nicht satt?
Renate Gruber: Nein. Ich bin sehr viel unterwegs, habe viele Termine. Dann komme ich zurück und selbst wenn ich schon Mittag gegessen habe, muss es halt noch etwas Süßes sein.

mokant.at: Denkst du, dass Cupcakes mit der Weihnachtsbäckerei konkurrieren können, zum Beispiel als Mitbringsel bei Verwandten?
Renate Gruber: Also wenn du jemandem anstatt Vanillekipferl einen Vanillekipferl Cupcake mitbringst, bist du mit Sicherheit der Hero!

mokant.at: Letzte Frage: Wird es bei dir zuhause an den Weihnachtsfeiertagen auch Cupcakes geben?
Renate Gruber: Natürlich. Meine kleine Tochter hat am dritten Dezember Geburtstag, da gibt es wunderschöne Cupcakes. Zu Weihnachten, wenn wir zuhause kochen und eine Nachspeise haben, gibt es auch immer Cupcakes.

Titelbild© Kiana Fathi

 

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Jasmine Schuster studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: jasmine.schuster[at]mokant.at

1 Comment

  1. Eve

    27. November 2014 at 09:39

    Das sieht ja herrlich lecker aus!

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