Procrastination: Ich weiß, was du letzte Nacht getan hast

Zwischen dem Entschluss, schlafen zu gehen und dem Schlafengehen an sich liegt die bunte Welt der Bedtime Procrastination

Wäre Prokrastination ein Sport, wäre ich mit Sicherheit in den oberen Zeilen der Ergebnislisten. Es ist schon erstaunlich, wie lange man etwas nicht machen kann – bis man eben muss. Das Phänomen, Dinge vor sich herzuschieben, hat eine neue Arena gefunden: das Bett. Eine Studie der Universität Utrecht hat herausgefunden, dass wir – also die Angehörigen der Generation Y-  nicht nur in letzter Sekunde für Prüfungen lernen, Seminararbeiten schreiben oder uns für wichtige Termine anmelden. Wir schieben auch das Schlafengehen grundlos vor uns her.

Schon als Kind haben wir mit unseren Eltern verhandelt, wann wir ins Bett gehen müssen. Schlafengehen erfordert Disziplin. An ebendieser mangelnden Selbstdisziplin machen die Forscher der Universität Utrecht die Ursache dieses Schlafengehen-Verschiebens fest. Eine kurze Umfrage im Freundes- und Bekanntenkreis hat schnell ergeben, dass ich beim Prokrastinieren nicht allein bin. Hier könnt ihr jetzt herausfinden, zu welchem Typ von Bedtime Procrastinator ihr gehört:

1. Die Normalos
Das Prokrastionationsverhalten der Normalos ist wenig einfallsreich aber weit verbreitet: sie durchstöbern am liebsten ihre Facebook/Twitter/Instagram Timeline. Dabei starren sie meist apathisch auf den Bildschirm, höchstens ein Katzenvideo entlockt ihnen ein „Ha!“. Sie posten und teilen relativ wenig, sondern sind eher passiv unterwegs. Normalos begutachten Urlaubsbilder („Nicht noch ein Pärchenfoto!“) oder durchsuchen das Profil ihres Crushs nach Gemeinsamkeiten. Hier und da verteilen sie noch ein paar Likes, bevor es endlich Zeit wird, das Smartphone aus dem Bett zu verbannen und schlafen zu gehen.

2. Die Unterhaltungsdurstigen
Sie wollen Satire in Form von Memes und GIFs: die Unterhaltungsdurstigen befinden sich spätabends auf Seiten wie 9GAG oder tumblr. Auch SMS Von Gestern Nacht lenken von nervigen Fragen von Verwandten und Bekannten ab, mit denen man sich im Alltag auseinandersetzen muss („Wie lange brauchst du noch mit deinem Studium und was willst du danach machen?“). Zwischen dem Entschluss, schlafen zu gehen und dem Punkt, an dem man wirklich schlafen geht, ist für die Unterhaltungsdurstigen die Zeit, den Ernst des Lebens zu vergessen. Da der Suchtfaktor bei 9GAG und Co. besonders hoch ist, zählen die Unterhaltungsdurstigen zur Elite der Bedtime Procrastinators.

3. Die Organisationstalente
Es soll Menschen geben, die nutzen beinahe jede freie Minute, um ihr Leben zu organisieren. Sie checken ihre Mails, ordnen Fotos, Musik oder was man sonst gerade so findet. Um ein Uhr früh haben sie die besten Einfälle, wie sie ihre Urlaubsfotos kategorisieren können. Die Organisationstalente werden den Normalsterblichen im Leben wohl immer einen Schritt voraus sein, da sie ihre Zeit nicht damit verschwenden müssen, irgendetwas zu suchen.

4. Die Aktiven
Durch diverse Social Media Plattformen zu scrollen oder irgendwelche nichtssagenden Videos anzuschauen ist den Aktiven zu langweilig. Sie spielen lieber alle Arten von Videospielen und auch Apps à la Candy Crush und Quizduell stehen hoch im Kurs. Erreichen die Aktiven einen neuen Don’t Tap the White Tiles Rekord, ist ihre Arbeit für den Tag erledigt und nichts steht dem Schlafengehen mehr im Weg.

5. Die Passiven
Wenn man den ganzen Tag damit verbringt, sich um Studium, Job, Beziehung und Freunde zu kümmern, gibt es spätabends nichts Schöneres, als sich berieseln zu lassen. Guilty Pleasure der Passiven sind Buzzfeed-Videos und Serien. Nicht zu anspruchsvoll sollte es sein, ein bisschen Drama und Comedy, bevor man sich ins Land der Träume begibt. Gute Nachrichten für alle Serienjunkies: seit September ist Netflix nun auch in Österreich verfügbar. Den Profis unter den Passiven bleiben dann noch zwei, drei Stunden Schlaf, bis der Wecker klingelt.

 

Titelbild: (c) Klara Kostal

 

 

mokant_schiffchenHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Mitglied werden und damit jungen Journalismus fördern!

 

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

1 Comment

  1. markus.palzer@gmx.at'

    mp

    6. November 2014 at 11:02

    Da erkennt man sich wieder

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.