KopfhörerInnen: Neonschwarz – Fliegende Fische

KopfhörerInnen: Neonschwarz – Fliegende Fische
(VÖ: 19.09.2014 | Audiolith)

(c): Audiolith

Das Hamburger Quartett Neonschwarz rappt und besingt in seinem ersten offiziellen Album Fliegende Fische das schöne Leben, die Freiheit, die sich jeder nehmen sollte, und ist von vorne bis hinten politisch durchzogen.

Wenn Marie Curry, das einzige weibliche Mitglied, der Crew in Hinter Palmen zu singen beginnt, fühlt man sich sofort in den Sommer vor ein, zwei Jahren zurückversetzt. Damals hat die Neonschwarz Single On a Journey einen kleinen Hit gelandet und damit den Startschuss für eine steigende Bekanntheit auch außerhalb des Hamburger Kiez abgefeuert. Die Band bleibt ihrem Stil treu, prägende Elemente aus dem Song findet man jetzt im ganzen Album wieder.

Fliegende Fische ist inhaltlich durchdacht. Das Element des Wassers zieht sich in Form eines Flusses, des Meeres oder nur im Sinn einer Metapher wie ein roter Faden durch das Album. Titel und Cover sind ebenfalls bedacht, hier treiben die vier Hamburger entspannt am Floß im Wasser. In jeder Zeile steckt eine Botschaft an die Hörer und Hörerinnen. Neonschwarz wollen mit ihrem Album etwas bewegen und das hört man in jedem Song. Es sind Aufrufe zum Loslassen, zum Alltag hinter sich lassen und zu einem Leben mit Leichtigkeit, gemischt mit politischen Botschaften. Wie es schon im Ursprung der Hip-Hop Kultur typisch für politischen Rap war, polarisiert das Album auf einer gesellschaftskritischen Ebene und löst innere Konfrontationen aus. Neonschwarz besingen sich in Phrasen wie „Warum mach ich diese Mukke? Weil sie geil ist“ in den Liedern immer wieder selbst, schreiben einen Liebessong an den eigenen DJ und in Die Schwizzys geht es auch hauptsächlich um das musikalische Quartett. An Selbstsicherheit und einem gewissen Maß an Arroganz mangelt es der Gruppe nicht, die in dieser Sparte der Musikindustrie wahrscheinlich auch von Nöten ist. In den Texten macht sich die Hamburger Härte bemerkbar und sie erinnern teilweise an Begleitmusik für linke Demonstrationen.

Bei dem Hamburger Hausfestival MS Dockville haben die vier mit ihrem Auftritt überzeugt, dabei brachten sie die Menge zum Kochen, formten Herzen mit ihren Händen und haben nebenbei Werbung für das Album gemacht. Die ersten Bandsessions gab es ebenfalls auf einem Festival, irgendwo an der Kreuzung zweier nach Anarcho-Syndikalisten benannten Trampelpfade. Die eigentlichen Wurzeln liegen laut der Presseaussendung jedoch tief in den Sümpfen alter friesischer Hip-Hop-Seilschaften und kleinkrimineller Kiffercliquen.

Fliegende Fische ist ein lebensbejahendes Album, das mit mehreren Elementen der Musik spielt und alles andere als einseitig ist. Manchmal wird auf Englisch gesungen, dann auf Deutsch gerappt. Einige Lieder sind Hängemattenmusik, andere jagen einem harte Gesellschaftskritik und politische Statements um die Ohren.

Hinter Palmen wurde schon im Vorfeld als Single veröffentlicht und der Refrain „Gegenwind peitscht in mein Gesicht; wer schreibt denn diese Regeln eigentlich? Es hat mich schon fast wieder kleingekriegt; aber wir sehen den Wald vor lauter Palmen nicht“  zeigt durchaus Ohrwurmpotential.

katharina.egg@mokant.at'
Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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