Guča 2014: Die größte Blasmusikparty der Welt

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Ein audiovisueller Ausflug an einen Ort, der einmal im Jahr hunderttausende Besucher mit Pauken und Trompeten empfängt.

Der Schlag kam heftig. Fast falle ich samt Kamera und Stativ um, als der wuchtige Klatscher von der Seite meine Schulter erreicht. Halb verschreckt, halb verärgert drehe ich mich in die Richtung des Ursprungs: Ein gefühlt zwei Meter großer und ein Meter breiter, vermutlich einheimischer Festivalbesucher mit nacktem, verschwitzten Oberkörper gibt mir mit einem breiten Grinsen und einer Bierdose in der Hand zu verstehen, ich sollte ihn doch auch einmal filmen.

Eine typische Szene an einem Samstag im August in Guča, ein kleines Städtchen in der malerischen Dragačevo Gegend in Zentralserbien. Es handelt sich nicht um irgendeinen Samstag. Dieser Tage findet das größte Trompetenfestival der Welt im 2.000-Seelen-Ort statt. Die Party hat Tradition: Bereits im Jahr 1831 gründete Fürst Miloš Obrenović das erste Militärorchester in Serbien, doch richtig populär wurde der Sound erst, nachdem die vom zweiten Weltkrieg zurückgekehrten Soldaten mit ihren Trompeten in die Gegend zurückkamen und traditionelle Lieder auf ihren Blechinstrumenten spielten.

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(c) Andreas Müller

Man lud die Bläser auf Hochzeiten und sonstige Feiern ein und schließlich kamen 1961 ein paar Leute auf die Idee, einen religiösen Feiertag für einen kleinen Blasorchester-Wettbewerb zu nutzen. Zunächst waren es vier Gruppen à vier Personen, die beim ersten Guča Event den Sieger unter sich ausmachten und vor 1.000 Besuchern tröteten, wie Aleksandar Milosavljević erklärt, der offizielle Übersetzer für die ausländischen Journalisten. 2014 traten 44 Orchester gegeneinander an, was diesmal 400.000 Besucher erleben wollten, die zum Teil bis aus Kanada angereist kamen.

Svetlana Stevanovic war fast seit der ersten Stunde dabei. Gebürtig aus Guča, hat sie in den letzten 52 Jahren keine Gelegenheit verpasst, zu dem Festival zu gehen: Die Musik löst bei mir Emotionen aus. Ich bekomme Gänsehaut, nur wenn ich eine Trompete höre. Sie erinnert sich, dass die Orchester zunächst allein auf dem Kirchplatz und einer kleinen Bühne spielten, und das Publikum nur aus Serben bestand.

Svetlana; (c) Andreas Müller

Svetlana Stevanovic; (c) Andreas Müller

Dass diesmal knapp eine halbe Million Leute den Weg in ihre Heimat finden, erklärt sie sich so: Das Festival hat eine positive Energie und eine eigene Atmosphäre. Hier gibt es keine Schlägereien oder so etwas.

Man könnte jetzt noch über vieles mehr schreiben, über gute Stimmung und torkelnde Tänzer, über wehende Fahnen und Militärmützen, über Rakija oder über Lamm am Spieß. Aber stattdessen soll lieber folgendes Video für sich sprechen. Viel Spaß damit!

Titelbild: (c) Andreas Müller

Video von Andreas Müller

Andreas Müller ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: andreas.mueller@mokant.at

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