Reiseguide: Mit dem Fahrrad ans Meer

Foto (c): Katharina Egg

Mit dem Fahrrad einmal die Landesgrenze zu überqueren war schon immer der Wunsch unserer Redakteurin. Gemeinsam mit einer Freundin hat sie sich die Strecke Wien–Triest vorgenommen und entstanden ist ein Guide für Radtourlaien.

Wenn man sich während des Semesters auf den Sommer freut oder man in der Arbeit um Urlaub kämpft, wird ein Wunsch deutlich:  Flug buchen und ab ans Meer. Doch immer mehr junge Menschen suchen sich ausgefallenere Fortbewegungsmittel um an das geplante Reiseziel zu kommen. Geschichten über Abenteurer, die einmal einen Abschnitt des Jakobswegs gegangen sind oder ein paar Wochen auf dem Fahrrad verbrachten, häufen sich. Ist das der Roadtrip für Arme? Natürlich werden die Reisekosten auf ein Minimum reduziert, aber genauso wie man für Freigeist-Sportarten wie Surfen ein gewisses Budget braucht, ist es hier nicht anders. Dabei geht es nicht nur um den sportlichen Aspekt, oder darum durch das Weglassen seines Flugtickets unseren Planeten nicht noch mehr zu verpesten. Es geht um die Herausforderung an sich selbst und den Wunsch einmal ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ zu verreisen. Die Idee der Tour, die diesem Guide zu Grunde liegt, ist bei einem abendlichen Bier zwischen zwei Freundinnen entstanden und das Routenziel auf Triest gefallen.

Die Stadt in Italien ist rund 600 km von Wien entfernt. Mit dem Auto sind das vier bis fünf Stunden reine Fahrzeit. Auf zwei unmotorisierten Rädern braucht man dafür sechs Tage, wobei man Wetterbedingungen und Ausruh-Tage miteinberechnen muss.  Außerdem spricht dieser Guide nicht für darauf hintrainierte Rennradfahrer, sondern für Hobbyradler, deren unverzichtbares Transportmittel in der Stadt das Fahrrad ist.

Tipp 1: Radkarten vor Smartphone-Navi
Obwohl man sich bei einer Radtour in Sachen Spontanität ausleben kann, zählt eine gute Vorbereitung zum um und auf. Radkarten kaufen und los gehts? Was sich leicht anhört, stellt sich bald als erste Hürde raus. Die meisten Kartenhersteller haben ihre Auflagen wegen der großen Navi-App-am-Handy Konkurrenz stark reduziert und bieten nur noch Strecken der bekanntesten Radrouten an. Wenn sich jedoch Karten auftreiben lassen, zuschlagen, denn Erfahrungen der Redakteurin in Ljubljana bestätigen: Navigationsgeräte am Rad können zu Orientierungsverlust und blauen Flecken führen, dasselbe gilt für Selfies und Videos während dem Fahren. Und ja nicht auf google.maps zurückgreifen, deren Radrouten Funktion ist mehr als ausbaufähig und verleitet eher zum Fahren auf der Autobahn.

Tipp 2: Radlerhosen sind nicht hip, aber wertvoll
Wer die von der Sportindustrie angepriesenen Hilfsmitteln für überbewertet hält, liegt prinzipiell einmal richtig. Doch fragt man erfahrene Großeltern oder sonstige verlässliche Quellen, haben die vielleicht noch die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände im Keller. Wer Niemanden zur Hand hat, der einen mit entsprechender Ausrüstung versorgt, muss sich zumindest die wichtigsten Sachen kaufen. Rad – und Lenkertaschen gibt es auch günstig auf diversen Onlineverkaufsbörsen zu ergattern. Ansonsten gibt es hier eine kurze TO BUY Liste mit den wichtigsten Utensilien, die man auf KEINEM Fall vergessen darf:

– Radlerhosen oder Radlerunterhosen– Auch wenn die Windeloptik etwas abschreckt, sie sind der treue Begleiter der gesamten Tour.  Schmerzen können trotzdem nicht vermieden werden.
– Regenschutz inklusive Regenhose (siehe Tipp 5)
– Boxen und Musik – Laute Musik beim Fahren ist wie ein Soundtrack zu deinem Lieblingsfilm. Man fährt nicht mehr, man cruist.
– Tacho und Kilometerzähler – Dieses kleine Gerät ist kein absolutes Muss, aber es hebt auf alle Fälle die Motivation eine konstante Geschwindigkeit zu fahren und noch ein paar Kilometer mehr zu erreichen.

Tipp 3: (Wien-Wechsel:) Vertraue keinem Radweg
Nachdem das Gepäck festgeschnallt ist, kommt man mit dem ersten Tritt in die richtige Richtung das Gefühl bereits mitten drin zu sein. Über Favoriten führt die Radroute aus Wien hinaus und bald an einem Fluss entlang Richtung Wiener Neustadt. Sie führt durch Waldwege, Felder und Nebenstraßen, die einem das erträumte Bild der Tour realisieren. In Dörfern und Städten ist die Gefahr, beschilderte Routen zu verlieren, sehr groß. Der Versuch diese verzweifelt wieder zu finden führt zu unnötigen Kilometern und verprasster Zeit. Stattdessen ist es am besten die Bundesstraße zum nächsten Ort auf der Strecke zu fahren, bis man die gekennzeichnete Route sowieso wieder kreuzt. Im Wechselgebiet führt die Radroute über eine steile Hügelkette. Wer sich nicht wie ein Sklave fühlen will, der seinen Esel raufträgt, sollte hier die Bundesstraße nehmen, die sich mit einer leichten Steigung bergauf schlängelt.  Falls es dafür schon zu spät ist: Das Grenzdorf zur Steiermark ist hier Mönichskirchen, hier gibt es zur Belohnung die beste Brettljause. Das führt direkt zu dem nächsten Radroutenlaien-Tipp.

Tipp 4: Höhenprofil und das Schlafen beim Bauern
Während für Autobahnen oder Zugstrecken genügend Tunnels gebaut wurden, müssen Reisende auf zwei Rädern immer oben drüber. Die meisten Hügelketten auf der Strecke sind auch für Alltagsradler kein Problem, kritisch wird es jedoch bei kurzfristigen, großen Höhenunterschieden. Die Schweißarbeit zahlt sich jedoch aus: Man entdeckt dünn besiedelte Gebiete, die teilweise nur Anrainer und Tourenradler vorenthalten sind und bekommt die Möglichkeit auf einer Wiese gratis zu nächtigen. Nach kurzen Nachfragen beim Grundbesitzer ist das Schlafen zwischen Kühen und Ziegen kein Problem. Ein Ausflug auf das Gebiet der neuen gefleckten Nachbarn zahlt sich laut Medienberichten trotzdem nicht aus. Vertraue keiner Kuh.

Tipp 5: Bei Regen nicht verzagen und Einheimische fragen
Auch bei Regen ist es möglich die Fahrradtour zu starten. Es ist ein gutes Gefühl trotz Nässe und Gegenwind ein paar Kilometer zu machen. Nur macht es nicht sehr viel Spaß bei jeder Mulde eine Eimerladung Wasser in den Schuh geschaufelt zu bekommen. Außerdem macht der Regenschutz es unmöglich ein Gespräch während dem Radln zu führen. Eine weitere Erkenntnis der ersten Etappe mit Regen: Niederösterreich kann auch sehr trist sein. Einen Vorteil hat die Nässe jedoch bei der jeweiligen Ankunft: Einheimische sind stets gewollt eine billige Unterkunft für durchnässte Radfahrer durch Kontakte rausspringen zu lassen.

Tipp 6: bis Italien durchhalten
Das letzte Bundesstraßen-Stück in Slowenien ist kaum befahren und bei strahlendem Wetter ein Traum. Nach der Grenze zu Italien geht es nur noch bergab und bald sieht man die Stadt Triest in der Bucht liegen. Gemeinsam mit vielen Reisenden in Bussen, Autos oder auf Mopeds schlängelt man sich die Straße zum Meer runter. Hier ist es nicht möglich, ein Grinsen aus dem Gesicht zu bekommen und dann ist es geschafft: Die eigene Muskelkraft hat einen zum Meer gebracht.

Tipps zur Rückreise: Zug im Vorhinein buchen
Wenn es einen halbwegs sicheren Rückreisetag gibt, unbedingt im Vorhinein reservieren. Die Züge von Venedig nach Wien bieten meist nur vier (!) Radstellplätze an und sind im Sommermonaten schon lange im Vorhinein ausgebucht. Von Italien aus, ist es nicht möglich ein Ticket zu kaufen, geschweige denn zu reservieren. Da helfen auch keine italienisch Kenntnisse, Meckereien oder Schleimereien. Hat man Glück erhören einen gütige Schaffner und lassen einen die Räder in einem Abteil mitnehmen. Für den letzten Satz übernehmen wir keine Garantie. Vielleicht hatte die Redakteurin nur Glück, weil ihre Begleiterin den italienischen Ticketkontrolleur mit einem potentiellen Flirtpartner verwechselt hat.

Drei Insider-Tipps:
1) Entgegenkommende Kollegen sagen viel über die Bedingungen der nächsten Kilometer aus- Man kann lernen, sehr viel aus ihren Gesichtern lesen
2) Immer den Fahrradtour Bonus rausholen – Viele Campingplätze bieten Vergünstigungen für Radfahrer an
3) Sattel gut einstellen – beugt Knieschmerzen vor

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1) Regenhosen für überbewertet halten (siehe Tipp 5)
2) Mit Kühen die Schlafwiese teilen (siehe Tipp 4)
3) Auf der Rückreise von Italien nicht reservieren (siehe Tipps zur Rückreise)
4) Das Höhenprofil nicht ernst nehmen (siehe Tipp 3 und 4)

Titelbild: (c) Katharina Egg

Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

1 Comment

  1. Andreas Schmidt

    27. Mai 2017 at 07:43

    Wo seid Ihr gefahren?

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