James Hersey: „Verliebe mich gern und oft“

James Hersey gehört zur aufstrebenden österreichischen Musikszene. Sich selbst bezeichnet er als electro-pop-singer-songwriter.

Er fährt sich durch sein lockiges, braunes Haar und lächelt den Mädels in der ersten Reihe zu. Die Gitarre hängt locker an seinen Schultern herab. Auf den ersten Blick wirkt er wie der typische nice guy aber man merkt schnell, dass er es faustdick hinter den Ohren hat. mokant.at hat James Hersey auf dem Szene Open Air in Vorarlberg getroffen und ihn in ein Gespräch über Frauen, Lichtenegger und Miley Cyrus verwickelt. Wie das alles zusammenpassen kann? Einfach reinlesen.

mokant.at: Ein paar Mädels haben ja ganz schön gekreischt für dich. Wie ist das so angehimmelt zu werden?
James Hersey: (lacht)  Ja gekreischt haben sie schon beim Soundcheck. Aber es macht natürlich Spaß, ich find das cool! Der heutige Gig war generell gut, obwohl ich das Mittagsset hatte, es sind viele gekommen.

mokant.at: Es sind auch immer mehr geworden…
James: Ja genau! Das freut mich, dass die Leute, die mich nicht kennen, bleiben, wenn sie mich hören.

mokant.at: Warst du schon einmal so weit im Westen Österreichs?
James: Ja ich war einmal am Bodensee, da hatte ich ein Set, aber sonst war ich noch nicht hier.

mokant.at: Kennst du ein paar Vorarlberger Wörter?
James: (lacht) ja… „gsi“ ist so eines oder? Bin heut schon gsi? Wia gods?

mokant.at: Das reicht eh schon für einen Ice-Breaker. Auf oeticket.com haben wir ein Pressefoto von dir gesehen, welches dich mit Engelsflügel zeigt. Was willst du uns damit sagen?
James: Ja, ich hatte einen neuen Release. Das Tape heißt Twelve und das ist ein ganz anderer Sound für mich. Twelve ist die erste elektronische Produktion und ich wollte das hervorheben und mal übertreiben. Die Flügel sollten eine Art Verwirrung auslösen, dass man stehen bleibt und nachdenkt.

mokant.at: Die CD hast du dann ja auch gratis zum Download zur Verfügung gestellt…
James: Genau alles for free. Mein Hintergedanke daran war, dass ich den Leuten zeigen wollte, wie meine Musik ist, ohne sie dazu zu zwingen, die CD kaufen zu müssen.

mokant.at: Du schreibst deine Songs ganz alleine und spielst die Instrumente selbst ein. Machst du das, weil du keinem deine Songs anvertraust oder würdest du dich als Workaholic bezeichnen?
James: Ich möchte mich in meinen Songs vollkommen selbst erkennen und ich habe jetzt auf meinem Album einen Schlagzeuger dabei und sogar einen Gitarristen! Ich war zwar dabei bei den Aufnahmen aber denen vertraue ich. Es ist halt so, wenn man mit anderen Leuten zusammenarbeitet, dann haben die Leute meistens auch einen anderen Sound oder andere Vorstellungen. Will man sich dann durchsetzten, kann es zu Konfliktsituationen kommen und ja… es ist ja auch spaßig sie selbst einzuspielen.

mokant.at: Würdest du dich in diesem Zusammenhang als Perfektionist bezeichnen?
James: Ja auf jeden Fall.

mokant.at: Du wirkst während deinen Auftritten, bei Interviews oder zwischen den Songzeilen als eine Person, die weiß, was sie will. Ebenso machst du den Eindruck, einen genauen Plan von deiner Zukunft zu haben. Wirkt das nur so?
James: Boah… ja das ist jetzt schwer für mich zu sagen. Natürlich habe ich eine Vorstellung von allem aber ich bin kein Kontrollfreak, ich habe auch viel dem Zufall überlassen. Ich mag es wenn Sachen entstehen, passieren und nicht alles gezwungen ist.

mokant.at: Du hast sicher die Lichtenegger-Debatte mitbekommen. Glaubst du, dass sich dadurch für die österreichische Musikszene und für dich speziell etwas verändert hat?
James: Ich hab oft Situationen erlebt in denen Leute Blödsinn reden und ich will jetzt nichts Schlechtes über sie sagen aber ich weiß, wie genau sich die Szene in Österreich entwickelt hat. Schon in dem Moment wo eine Band aus Österreich kommt, hat man das Gefühl, dass kann einfach nicht so gut sein, wie etwas was aus England kommt, oder aus Deutschland oder aus den USA. Diese negative Einstellung hat sich jetzt glaub ich verändert, auch dadurch. Gerade durch die ganzen Online-Debatten.

mokant.at: In einigen Beiträgen konnte man lesen, dass du „Österreicher aber leider auch Amerikaner“ bist, als wolle man dich an die österreichische Identität fesseln und deine amerikanische ignorieren. Was sagst du dazu?
James: Ja mir ist es prinzipiell egal wer woher kommt. Ich mag Österreich und ich mag Amerika. Ich bin in einer englischsprachigen Schule aufgewachsen und hatte so früh mit vielen Nationalitäten zu tun. Auch habe ich meine Gedanken alle auf Englisch. Erst durch viele Interviews und einige österreichische Freundinnen (lacht) gelang es mir die deutsche Sprache zu beherrschen.

mokant.at: Würdest du einmal auf Deutsch singen?
James: Ich wurde ein paar Mal gefragt, ob ich für irgendwelche Werbefirmen auf Deutsch singen würde aber das wäre für mich unvorstellbar. Es gibt sehr gute deutschsprachige Musik aber ich kann’s selber nicht so gut.

mokant.at: Du singst über sehr viele Frauen. Sind die alle echt?
James: Ja, die sind alle echt. Die wissen das schon, dass ich über sie singe. Na gut, teilweise. Es ist jetzt nicht so, dass ich der Super Player bin oder so. Ich verliebe mich gern und oft und ich komme gut mit Frauen aus.

mokant.at: In diesem Fall: hast du ein paar Tipps für die Männerwelt?
James: Ja, macht’s euch ein paar beste Freundinnen. Versucht nicht immer, alle Mädels aufzureißen. Es ist sehr cool, was eine Frau hergeben kann, die nicht nur Sex oder Liebe will.

mokant.at: Wenn du einen Song für immer hören müsstest, welcher wäre das?
James: Bill Withers – Ain’t No Sunshine.

mokant.at: Wenn es einer deiner eigenen Songs wäre, welcher wäre das?
James: You’ve Come so Far. Das kommt aufs Album aber das spiele ich nie live, weil es so viele Gitarren hat und elektronische Beats, dass es sich nicht ausgeht.

mokant.at: Was ist dein Guilty-Pleasure Song?
James: Ein Remix von Wrecking Ball und Afrojack. Ein ganz krasser Techno. Echt schlimm.

Titelbild: (c) Mike Siblik, Szene Open Air

 

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Jennifer Tillmann ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Sie studiert Germanistik und Publizistik an der Universität Wien. Kontakt: jennifer.tillmann[at]mokant.at

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