Polizeireform: Quo vadis, Praterstern?

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Im Rahmen der Polizeireform 2014 schließen bundesweit 144 Polizeidienststellen, 16 davon alleine in Wien, 7 weitere sollen übersiedeln. Auch der Polizeiposten am Verkehrsknotenpunkt Praterstern ist von der Reform betroffen und wird verlegt. Kritiker fürchten nun um die Sicherheit am „Hotspot” Praterstern. Wir haben uns die Situation vor Ort angesehen.

Im dritten Quartal 2014 wird die Polizeidienststelle vom Praterstern an ihren neuen Standort – die 200 Meter (Luftlinie) entfernte Lasallestraße – übersiedeln. Die Polizei Wien begrüßt den Umzug in das neue Gebäude. In der Station seien ohnehin ständig Beamte auf Streife, unabhängig vom Standort der Inspektion. Wird Verstärkung benötigt, „kommt diese nicht immer aus der Polizeidienststelle vor Ort, sondern auch aus anderen Bezirksteilen“, so Oberst Johann Golob, Leiter der Polizeipressestelle Wien. Außerdem habe die Reform auch eine Aufstockung der mobilen Bereitschaftseinheit von 110 auf 150 Beamte und zusätzliche 10.500 monatliche Stunden im Außendienst gebracht. Diese neuen Kapazitäten würden eine verstärkte Präsenz an sogenannten „Hotspots“ wie dem Praterstern ermöglichen.

Positive Reaktionen gibt es auch aus der Bezirksvorstehung Leopoldstadt. Dort zeigt man sich überzeugt, dass die Mannschaft von der Verlegung in die größere Dienststelle profitieren wird. An eine Verschlechterung der Sicherheitslage glaubt man hingegen nicht.

Ungeachtet dessen werden immer wieder kritische Stimmen laut, die davon ausgehen, dass sich die Umstrukturierungsmaßnahmen negativ auf die Sicherheit in den betroffenen Arealen auswirken werden.

„Die da oben haben keine Ahnung“
So lautet etwa das Fazit eines Trafikanten vor Ort, der sich bereits seit Längerem von „denen da oben” alleine gelassen fühlt. Die Verlegung der Polizeidienststelle hält er für eine schlechte Idee. Schon jetzt seien er und seine Kollegen bei täglichen Auseinandersetzungen mit alkoholisierten Personen und ständigen Diebstahlsversuchen auf sich alleine gestellt. Ähnliches berichtet ein Angestellter der benachbarten Bäckerei: „Auf die Hilfe der Polizei kann man da nicht hoffen. Meistens müssen wir uns selbst drum kümmern.“ Vorfälle dieser Art können schlimmstenfalls auch Umsatzeinbußen bedeuten. So ärgert sich der Inhaber einer Pizzeria darüber, dass die häufigen Zwischenfälle abschreckend auf potenzielle Gäste wirken.

Neben den Geschäftstreibenden sind auch zahlreiche Bedienstete im Bereich des Lokal- und Regionalverkehrs von der Situation am Praterstern betroffen. Daniel Amann, Pressesprecher der Wiener Linien, erwartet allerdings keine Änderungen durch den Umzug der Dienststelle. „Man muss das getrennt betrachten: Die meisten Probleme am Praterstern finden außerhalb des Gebäudes statt, dort ist ohnehin die Polizei präsent.“

Fragt man dagegen die Busfahrer, die täglich im Außenbereich des Bahnhofs auf ihre Fahrgäste warten, so wird deutlich, dass sie die Verlegung der Polizeidienststelle für keine gute Idee halten. Auch sie fühlen sich seit längerer Zeit nicht mehr wohl am Praterstern. Insbesondere die ständige Anwesenheit marginalisierter Personen, vor allem Alkoholkranker und Obdachloser, empfinden sie als bedrohlich. “Besonders seitdem der Praterstern überdacht ist, können die alle auch bei schlechtem Wetter da rumhängen. Noch schlimmer wird‘s am Abend oder wenn‘s wärmer wird”, sagt einer der Straßenbahnfahrer, der seit 25 Jahren die gleiche Route fährt. Und obwohl es bisher keinen schwerwiegenden Vorfall gab, bleibt er vorsichtig: “Am Praterstern muss man besonders darauf aufpassen, dass einem nichts passiert”.

Der Mitarbeiter eines Kebablokals sieht die Verlegung der Polizeidienststelle hingegen etwas entspannter. Natürlich gebe es hin und wieder unangenehme betrunkene Gäste, besonders in der Nacht. Passiert sei aber noch nie etwas und die Polizei sei ohnehin ständig präsent.

Der neue Karlsplatz?
Durchschnittlich sind es sechs Polizisten, die rund um den Praterstern ständig im Einsatz sind, fallweise unterstützt von Beamten in Zivil. Wegen der starken Frequentierung und der damit verbundenen Probleme sei dies auch unerlässlich, so Golob. Er gibt aber zu bedenken: „An Verkehrsknotenpunkten kommt immer was zusammen. Dass dabei auch Drogen im Spiel sind, ist kein Geheimnis. Aber wir können nicht von einer offenen Drogenszene sprechen, die haben wir in Wien gottseidank nicht.“ Die Hauptprobleme am Praterstern sieht er vor allem im Alkoholismus und kleineren Verwaltungsübertretungen. Deshalb sei  besonders die Zusammenarbeit von Polizei und mobiler Sozialarbeit eine wichtige, notwendige und hilfreiche Maßnahme, die sich schon am Karlsplatz bewährt habe.

Eine Ebene tiefer wird dagegen durchaus von einer offenen Drogenszene am Praterstern berichtet. „Das Gift wird sogar mehr“, heißt es seitens der Polizisten vor Ort. Dem Problem solle damit entgegen gewirkt werden, dass die bekannte „Klientel“  direkt angesprochen und Personenkontrollen durchgeführt werden.

Kooperation als Lösungsansatz
Dass das Problem am Praterstern nicht ausschließlich durch die Polizei gelöst werden könne, darüber herrscht Einigkeit auf allen Seiten. Die Beamten können bei eskalierenden Situationen zwar direkt einschreiten, nicht aber dem tatsächlichen Ursprung des Problems nachgehen. Der Alkoholismus am Praterstern sei ein gesellschaftliches Problem, bei dessen Lösung vor allem die Kooperation mit der Sozialen Arbeit eine wesentliche Rolle spielen müsse. Laut Polizeisprecher Golob ist der erste Schritt in die richtige Richtung also die Zusammenarbeit mehrerer Institutionen. Ob Kritiker oder Befürworter des Polizei-Umzugs recht behalten, werden wohl die kommenden Monate zeigen.

Artikel von: Philipp Bauer, Teresa Egger, Roberto Giunta, Jolanthe Pantak, Brunella Seidl

Titelbild: (c) Philipp Bauer

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3 Comments

  1. mp

    1. Juli 2014 at 11:00

    Die Lösung wär einfach: Den Spar zumachen, dann kommen die ganzen Alkoholiker etc.. nicht mehr zum Wein kaufen. (zugegeben, dann sind sie halt woanders).

    • mp

      2. Juli 2014 at 12:50

      den mein ich eh

  2. sarah

    2. Juli 2014 at 15:57

    Versteh die Aufregung um die verlegung von der polizeistelle nicht. laut karte ist es doch echt nicht weit, oder?

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