Pädophiler: „Ich will doch keine Kinder vergewaltigen!“

Pädophilie ist ein Thema, das bei vielen Menschen Angst und Ekel auslöst. Das Wissen, das wir darüber haben, stammt größtenteils aus Nachrichten über sexuelle Misshandlung von Kindern. Dabei bleiben viele Fragen offen. Unser Partnermagazin Tink.ch machte sich auf die Suche nach Antworten und sprach mit einem Pädophilen.

Stell dir einen Mann namens Max vor – er ist etwa 30 Jahre alt, hat ein lautes, fröhliches Lachen und eine ruhige, angenehme Stimme. Vielleicht ist er ein Nachbar von dir, und wenn du ihn auf der Straße triffst, sieht er manchmal etwas betrübt aus. Du hast ihn schon oft von weitem gesehen. Alles an ihm scheint vollkommen normal. Niemals würde dir einfallen, dass Max sich von kleinen Mädchen sexuell angezogen fühlt.

Mehr als erwartet
Wie die meisten Pädophilen hat Max nie eine Straftat an Kindern begangen und wird von der Gesellschaft nicht als Pädophiler erkannt. Dies ist viel häufiger der Fall, als vermutet wird: Mindestens ein Prozent der Bevölkerung ist pädophil. Auf die Schweiz gerechnet sind dies 80‘000 Männer und Frauen. Entgegen der Annahme, dass nur Männer pädophil sein können, gibt es auch Frauen mit dieser Neigung, wenn auch bedeutend weniger.

In den Medien werden meist nur diejenigen Fälle bekannt, bei denen sich ein Kindesmissbrauch ereignet hat. Pädophile hingegen, die gelernt haben, mit ihrer Neigung umzugehen, sind gezwungen, sich zu verstecken, denn eine Enthüllung würde ihr sofortiges soziales Aus bedeuten. Für sich selbst einstehen, können sie höchstens unter einem Pseudonym, so wie Max, als er Tink.ch seine Geschichte erzählt.

Aus allen Wolken fallen
Max war vierzehn, als ihm erstmals auffiel, dass er in Anwesenheit jüngerer Mädchen begann, sie im Geiste auszuziehen. „Anfangs hielt ich meine Neigung zu Kindern noch für normal. Viele haben es, aber keiner spricht darüber, dachte ich mir.“ Nachdem Max jedoch im Alter von zwanzig an einem Badestrand mit nackten Mädchen konfrontiert wurde, verband er plötzlich seine Vorliebe mit dem Wort Pädophilie. Aus dem Wunsch nach „Mal-sehen-wollen“ wurde derjenige nach „Mal-anfassen-wollen“. Angst und eine starke Identitätskrise folgten dieser Erkenntnis. Fragen wie „Bin ich ein Monster? Ich will doch keine Kinder vergewaltigen! Wer bin ich denn?“, kamen in Max auf. Der Weg hin zu Antworten und damit zu mehr Selbstachtung würde für ihn lange und beschwerlich werden.

Pädophilie vergeht nicht
Pädophilie ist nicht heilbar, denn die Störung ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Auch wenn sie durchaus krankhafte Züge haben kann, handelt es sich dabei in erster Linie um eine „Paraphilie“ oder „sexuelle Präferenzstörung“. Ist man von einer Störung in der Präferenz betroffen, fühlt man sich von unüblichen Sexualpartnern oder sexuellen Tätigkeiten stimuliert.

Neben der Pädophilie gehören unter anderem auch Sadomasochismus, Sodomie oder auch Fetischismus zu den Paraphilien. „So wie ein Homosexueller nicht zum Arzt gehen kann, um hetero zu werden, kann ein Pädophiler nicht zum Arzt gehen um normalophil zu werden“, erklärt Max. An der Pädophilie lässt sich nicht rütteln. Ein Betroffener bleibt ein Leben lang pädophil. Die einzige Entscheidung, die bleibt, ist die, wie man mit der Präferenzstörung umgeht.

„Bei Erwachsenen fehlt das kindliche Wesen“
Eine einheitliche Lösung für den Umgang mit dieser Neigung gibt es kaum, denn es gibt unzählige Ausprägungen der pädophilen Neigung. So fühlen sich Kernpädophile beispielsweise ausschließlich von Kindern angezogen, nicht-ausschließlich Pädophile hingegen, können sich auch mit erwachsenen Menschen intimen Kontakt vorstellen. So wie Max. Er hatte auch schon eine Beziehung mit einer erwachsenen Person, fühlt sich aber deutlich stärker zu Mädchen im Altersbereich von fünf bis zehn Jahren hingezogen, als zu gleichaltrigen Frauen.

An Mädchen finde er besonders deren Offenheit, Niedlichkeit und fröhliche Lebenseinstellung anziehend. Eine erwachsene Frau mit diesen Eigenschaften könnte für Max theoretisch auch attraktiv sein, wenn auch weniger als ein Kind. Was macht den Unterschied? „Das Körperschema entscheidet darüber, wen wir als attraktiv empfinden. Für mich, als Pädophilen, ist ein kindliches Körperschema Voraussetzung dafür, dass ich eine weibliche Person überhaupt sexuell anziehend finde. Am attraktivsten ist für mich das Körperschema eines Mädchens, das schon erste Anzeichen von Weiblichkeit aufweist. Eine erwachsene Frau kann diesem nur teilweise entsprechen.“

Kinder schützen
Max hat mittlerweile dank einer Therapie alles zurückgewonnen, was er verloren hatte, als ihm seine Pädophilie bewusst wurde. Er kann sogar Nachhilfeunterricht geben und so mit Kindern Kontakt haben, ohne sexuelle Hintergedanken. „Ich unterrichte aber keine Kinder, die ich attraktiv finde, das wäre fahrlässig.“

Vor ihm müssen sich Mädchen also nicht fürchten. Trotzdem gibt es Pädophile, die ihre Sexualität an Kindern ausleben, sogenannt Pädosexuelle. Leider wird der Unterschied zwischen Pädophilie und Pädosexualität viel zu selten gemacht. Daher kommt auch der Irrglaube, jeder Pädophile begehe auch Übergriffe. Tatsächlich scheint das aber nur auf die Wenigsten zuzutreffen.

Wie kann man denn nun Kinder vor Übergriffen Pädokrimineller schützen? Max weiß eine mögliche Lösung: „Man muss die Kinder stark machen, ihnen Aufmerksamkeit schenken. Jedes Kind hat Aufmerksamkeit nötig und verdient. Bekommen die Kinder diese aus dem Elternhaus nicht, sind sie eher zugänglich für die einnehmende Aufmerksamkeit eines Pädokriminellen.“

Auch die Entstigmatisierung des Themas „Pädophile“ würde Kinder schützen. In der momentanen gesellschaftlichen Situation hat ein Pädophiler praktisch keine Möglichkeiten, sich einer anderen Person anzuvertrauen, weil er mit einem Ausschluss aus der Gesellschaft rechnen muss. Für einen Pädophilen kann aber bereits ein Gespräch massiv entlastend sein. „Mehr Akzeptanz von der Gesellschaft für das schwierige Thema der Pädophilie würde Kinder direkt schützen!“, meint Max.

Anmerkung:
Max ist Mitbetreiber der beiden Websites www.schicksal-und-herausforderung.de und www.shadowsproject.net. Ziel der Webseiten ist es unter anderem, Pädophilen eine Möglichkeit zum Dialog zu bieten und eine erste Anlaufstelle für Hilfesuchende zu sein.

Ein Artikel von Tatjana Pürro
Titelbild (Symbolbild): Gian Luca Frei
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Dieser Artikel wurde von unserem Partnermagazin tink.ch entweder für mokant.at verfasst oder zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung gestellt.

6 Comments

  1. gast@gast.at'

    gast123

    3. Juni 2014 at 16:35

    Ich finde den Vergleich mit den Schwulen sehr interessant. Eigentlich ein naheliegender Aspekt, der doch auf viel Gegenwehr stoßen dürfte.

    • a0944587@unet.univie.ac.at'

      Isabella

      4. Juni 2014 at 10:44

      Ich glaube nicht dass man das in irgendeiner weise vergleichen kann. Wenn jemand homosexuell ist, kann diese Person in einer vollwertigen Beziehung leben mit einem Menschen, der seine Gefühle erwidert – man kann eine glückliche und erfüllende beziehung führen.

      • gast@gast.at'

        gast123

        4. Juni 2014 at 11:18

        Schon klar, aber im Endeffekt sind beides Präferenz-Störungen. Anomalien, die von der Natur aus nicht vorgesehen sind. Homosexuelle haben das Glück, dass sie dadurch niemanden schaden und sich ausleben können. Pädophile können für ihre sexuelle Präferenz nicht mehr oder weniger, richten dadurch womöglich aber enormen Schaden an, wenn sie sich nicht unter Kontrolle haben.

        • a0944587@unet.univie.ac.at'

          Isabella

          5. Juni 2014 at 14:26

          Ich glaube nicht, dass Homosexualität eine Präferenz-Störung ist, das gibt es auch im Tierreich.
          Was die Kontrolle angeht: unter Kontrolle haben muss sich jeder. Es wird ja auch nicht jeder heterosexuella Mann zum Vergewaltiger. Ob man etwas empfindet oder es tatsächlich in die Tat umsetzt, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge

          • a0821104@unet.univie.ac.at'

            mp

            5. Juni 2014 at 14:40

            Das Argument check ich nicht, Warum können Tiere keine Präferenzstörung haben?
            Außerdem ist Homosexualität eine Sackgasse, da keine Fortpflanzung möglich ist. Insofern ist es rein wissenschaftlich evolutionär und biologisch eine Fehlentwicklung. Wie mans nennt ist wirklich egal.
            Deshalb hab ich aber keine Probleme mit Homosexuellen, ist ja jedem sein eigenes Bier.

        • Hermine.gertuz733737@yahoo.de'

          hermine

          7. Juni 2014 at 07:14

          Genau.Die Unglücklichen müssen Ihre Sexualität ein Leben lang strikt kontrollieren.Eine unglaubliche Herausforderung.Deswegen Respekt für Alle die nie einem Kind geschadet haben…

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