Film/riss: Die Große Versuchung

(c) Luna Filmverleih

Eine Handvoll Männer wollen einen Arzt verführen. Das klingt spannender, als es ist.

Den Bechdel-Test hat Die große Versuchung wohl nicht bestanden. Dabei geht es um die Repräsentation von Frauen in Filmen: kommen darin mindestens zwei Frauen vor, die Namen haben und miteinander über etwas anderes als Männer reden? Im Film von Don McKeller werden Klischees (von Männlichkeit) bedient.

© Luna Filmverleih

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Gekünsteltes Paradies
In dem kleinen Dorf Tickle Head in Neufundland herrscht Arbeitslosigkeit. Die Leute leben von der Sozialhilfe oder sind bereits in die Stadt gezogen, um dort zu arbeiten. Nun aber bekommt Tickle Head die Chance, dass sich eine Ölgesellschaft in ihrem Ort niederlässt und durch den Bau einer Fabrik Arbeitsplätze schafft. Die einzige Bedingung: ein Arzt muss her. Also versuchen Murray (Brendan Gleeson) und einige andere Einwohner, Dr. Paul Lewis (Taylor Kitsch) das Landleben schmackhaft zu machen. So tischen sie ihm eine Lüge nach der anderen über das Leben und die Leute in Tickle Head auf. Das sorgfältig aufgebaute Bild des Ortes beginnt langsam zu bröckeln, genau wie die Beziehung des Arztes zu seiner Verlobten, die in der Stadt geblieben ist.

Ein Klischee kommt selten allein
Der Film ist ein Remake von dem 2003 erschienen kanadischen Streifen Die große Verführung. Doch Die große Versuchung könnte selbst schon zehn Jahre alt sein, denn es herrschen immer noch die altbekannten Klischees. Die Leute am Land sind herzlich und bodenständig, die Männer sehen sich abends bei einem kühlen Bier im Pub eine Sportübertragung an. Stadtmenschen hingegen sind modern, international und sagen auch zu Kokain nicht nein. Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder sind mit kleinen Ausnahmen ebenfalls stereotyp: Wenn die eigene Ehefrau in der Stadt arbeiten muss, ist es höchste Zeit, eine Chemiefabrik in den Ort zu holen, damit das Gleichgewicht im Leben wieder hergestellt wird.

Aus dem Kino, aus dem Sinn
Der Film hat sicherlich ein paar witzige Momente (Stichwort: Cricket-Spiel) und lebt vor allem durch die Nebendarsteller Gordon Pinsent und Mark Critch. Auch die Drehorte sind gut gewählt: in den knapp zwei Stunden kann man die schöne Landschaft Neufundlands bestaunen und in Gedanken schon den nächsten Urlaub planen. Für all jene, die eine Abwechslung vom Mainstream der Kinolandschaft wollen, bleibt die große Versuchung sich den Film anzusehen aber wohl eher aus.

Kinostart: 10. Juli 2014

Titelbild: © Luna Filmverleih

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

1 Comment

  1. maki123@gmx.at'

    maki

    19. Juni 2014 at 11:29

    film/riss oder ver/riss

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