Donots: „Stolpern ziellos zusammen irgendwohin“

Foto (c): Patrick Runte

Zwanzig Jahre Donots – Im Interview spricht die Band über die Gefahr der Routine, umweltfreundliche Festivals und die Arbeit großer Labels 

„Seid ihr betrunken? Wir möchten sehr wohl, dass ihr betrunken seid!“ schreit Frontsänger Ingo Knollmann am Tomorrowfestival ins Mikrophon. Die Donots wissen genau, wie man mit einem Festivalpublikum umgehen muss. Das Konzert ist der Startschuss einer besonderen Festivalsaison. Die fünf Musiker feiern diesen Sommer ihr zwanzigjähriges Jubiläum und möglicherweise gibt es noch 2014 ein neues Album. Vielleicht sogar ihr erstes auf Deutsch. Denn neue Ansätze und eine spannende Arbeit sind ihnen nicht nur auf Tour, sondern auch im Studio wichtig. Nichts darf zur Routine werden. Am Festival haben wir Guido, Ingo und Alex (Bild: li,mi,re) im Vorfeld zu einem Interview getroffen. Die Punk-Rocker verraten im Gespräch das Rezept ihrer langen Bandbeziehung, sprechen über die Veränderung der Major Labels und über politische Musik.

mokant.at: Das Tomorrow Festival findet dieses Jahr erst zum dritten Mal statt und sieht sich als zertifiziert mit dem Umweltzeichen. Sind umweltfreundliche Festivals in eurem Sinn?
Alex: Es ist ein Trend, den es auch in Deutschland gibt. Ich finde es gut, wenn große Veranstaltungen auch Verantwortung übernehmen und den ökologischen Fußabdruck beachten. Es kommen viele Menschen zusammen, es wird ein großes Unterhaltungsangebot aufgebaut, alle müssen anreisen, es muss betrieben werden und dann darauf zu achten, einen  entsprechenden Ausgleich zu schaffen. Das finde ich super.
Ingo: Ja, auf jeden Fall.

mokant.at: Glaubt ihr funktioniert das mit Mülltrennung wirklich?
Ingo: Es funktioniert auf jeden Fall besser, wenn man es den Leuten sagt, als wenn man es ihnen nicht sagt. Man weiß aber auch, dass das Festivalpublikum ein Müllpublikum ist. Das muss nicht heißen, dass man am Ende des Abends sein Zelt verbrennt. Zumindest in Deutschland gibt es das Sounds For Nature, was auch beim Taubertal (deutsches Musikfestival, Anm. d. Red.) dabei ist. Die achten besonders darauf. Dort haben sie einige Kollaborationen um auf etwas hinzuweisen. Also ich finde das super.
Guido: Festival ist Entertainment. Die Leute haben Spaß. Aber es ist gut, wenn es nicht zu hundert Prozent darauf beschränkt ist und einem zumindest ein bisschen etwas mitgibt. Wenn es nicht nur um Saufen und Party geht, sondern auch mal darum um über Etwas nachzudenken.

mokant.at: Es gibt hier neben Musik und Festivalfeeling auch Workshops. Wollt ihr auch Yoga in luftiger Höhe ausprobieren (Aerialyogaworkshop, Anm. d. Red.)?
(alle lachen)
Ingo:  Wir hatten gerade eine Kernkraftwerkführung. Das ist für mich quasi inneres Yoga, es war so beruhigend, weil es keine Fenster gab. Man konnte nicht nach draußen sehen. Das war abgefahren, ich bin noch nie in meinem Leben in einem Kernkraftwerk gewesen.

mokant.at: Also kein Yoga?
Ingo: Ne, das innere Yoga kommt aus der Flasche.

mokant.at: Ihr feiert dieses Jahr euer zwanzigjähriges Bestehen. Die meisten Ehen halten nicht so lange. Was ist das Rezept eurer Beziehung?
Ingo: Das Rezept ist, dass es keines gibt.
Alex: Keine Erwartungen, kein Druck, kein Stress und kein Gedanke, das und jenes jetzt erreichen zu müssen. Und auch keinen in der Band, der sich zu wichtig nimmt. Aber das, was man macht, muss man ernsthaft machen, damit es auch gut wird.
Guido: Also wir stolpern ziellos zusammen irgendwo hin (alle lachen).
Alex: Man muss sich auch immer wieder kleine Highlights am Weg schaffen und das Ganze frisch und neu halten. Das gilt für Touren und für das Studio. Wir sind jetzt dabei eine neue Platte aufzunehmen. Dabei suchen wir jedes mal einen anderen Ansatz, wie so eine Aufnahme laufen könnte oder wie man unsere Musik von einer anderen Seite beleuchten kann. Dann wird es spannender bleiben und auch neu. Und dann ziehen alle an einem Strang und haben Bock.

mokant.at: In den meisten Interviews, die ich so gesehen habe, sprichst du am meisten, Ingo.
Ingo: Ja, das ist mir quasi in die Wiege gelegt (lacht).

mokant.at: Also siehst du dich nicht als Chef der Bagage?
Ingo: Nein, wir haben…
Alex: Du bist der Präsident.
Ingo: Ja, ich bin wirklich der eingetragene Präsident Band, in der Tat. Dass ich so oft rede, liegt daran, dass es bei vielen Interviews im vorhinein heißt, der Sänger muss dabei sein. Aus irgendeinem Grund erwarten die Leute von außen, dass der Sänger der Frontmann ist. Das gibt es bestimmt auch in vielen Bands. Aber wir sind so ein Fünfer ohne Steuermann mit einem, der ein bisschen mehr labert als der Rest.

mokant.at: In vielen Interviews, die ihr gegeben habt, ist von Bier die Rede bzw. trinkt ihr meistens. Trinkt ihr seit zwanzig Jahren?
Ingo: Wir trinken schon länger, aber seit zwanzig Jahren machen wir das erst professionell und werden dafür bezahlt. Wie geil ist es, für das Trinken bezahlt zu werden.
Alex: Ich trinke nichts. Ich trink hier nur Saft zum Beispiel (zeigt einen Beerensaft).

mokant.at: Glaubt ihr werdet ihr dafür mal zu alt?
Ingo: Man ist ja immer so alt, wie man sich trinkt. So lange sich das frisch und authentisch anfühlt, so lange man sich nicht bemühen muss, irgendwas zu sein, was man nicht ist, so lange kann ich mir das vorstellen ewig und drei Tage zu machen. Wenn irgendwann mal der Punkt kommt, wo wir im Studio stehen und uns nichts mehr einfällt, wenn es sich wirklich wiederholt, dann weiß man, dass man wo anders hin muss.

mokant.at: Ihr habt 2012 euer letztes Album veröffentlicht. Dieses Jahr soll angeblich zum Jubiläum ein Neues rauskommen. Was darf man sich erwarten?
Ingo: Wir sind zumindest am Aufnehmen. Ob es dann dieses Jahr erscheint, werden wir noch sehen. Vor zirka einen Monat haben wir mit der Band zum Zwanzigjährigen eine neue 7-inch  rausgebracht mit den zwei ersten Deutschen Songs, die wir jemals aufgenommen haben. Mit dabei war Tim McIlrath von Rise Against und  auch er hat auf Deutsch gesungen, was echt abgefahren war. Der Ansatz ist hier wieder auch ein neuer und frischer. Wir sagen, es muss nicht immer englisch sein.

mokant.at: Also es kommt vielleicht noch mehr Deutsch?
Guido: Wir schauen mal und dann machen wir das, was sich am besten anfühlt.
Ingo: Genau.

mokant.at: Der Song, über den du gerade gesprochen hast, ist inhaltlich ziemlich politisch. Seht ihr euch als politische Band?
Alex: Nicht explizit im Vordergrund. Aber wenn man sich jetzt gerade die Europawahl anschaut. In Österreich war auch ein Viertel FPÖ im Ergebnis.
Ingo: Da wird einem echt schlecht. Wir sind in erster Linie eine Band, die eine gewisse Reichweite hat. Und es wäre wirklich bescheuert, sein Sparchrohr nicht zu benutzen und sich für eine gute Sache einzusetzen. Von da her, ja, politische Aktion unterstützen wir zeitnah und aktionsgebunden, wo es Sinn macht. Aber wir laufen nicht mit einer Holzplatte durch die Gegend und knallen die Leute vor den Kopf.

mokant.at: Aber es spiegelt sich auch in den Texten wieder.
Alex: Es ist dann eher das Politische persönlich. Es gibt bestimmte Themen oder Entwicklungen, die einem tierisch auf den Sack gehen und dass muss dann musikalisch raus, ohne jedoch dabei zu denken, ich bin ein Volksbekehrer oder so. Genauso, wie du deinem Freund erzählen würdest, das dir was auf die Nerven geht.

mokant.at: Eher wie ein Statement (alle nicken). Seid ihr der Meinung, dass eine Band zu viele Alben veröffentlichen kann?
Ingo: Wenn sie gut sind, dann nicht.
Guido:  Genau. Bands können nur schlechte Alben rausbringen, was nicht gut wäre.  Aber wenn es gut ist, dann raus damit.
Ingo: Ich freue mich immer, wenn Bands sich neu erfinden. Das mag ich. Pioniere von irgendwelchen Genres wie Bad Religion, ACDC oder Ramones will ich nicht anders hören. Die hätten auch vierzig oder fünfzig Mal das selbe Album aufnehmen können und es wäre in Ordnung gewesen. Aber alle anderen Bands sollten sich ein bisschen weiterentwickeln.

mokant.at: Ihr wart bei einem Mainstreamlabel unter Vertrag, seid dann aber wieder raus. Wurde euch zu viel reingepfuscht oder was war das Problem?
Alex: Wir haben ja selber angefangen und zwei Platten alleine gemacht. Dann ergab sich das so, dass wir bei einem Label in der Nähe von unserem Zuhause gelandet sind, was erst mal neu war. Nach sechs Jahren Arbeit, hat das Ergebnis einfach nicht gepasst. Wir waren genervt, sie waren genervt und es hätte einfach nirgends mehr hingeführt. Da haben wir uns auseinanderdividiert und erst einmal alleine weitergemacht, was wichtig war.  Und dann sind wir wieder an einen Punkt angelangt, wo es zu viel ist, von dem was man zeitlich reinstecken müsste. Das packen wir einfach nicht mehr. Dann haben wir uns in ein Gespräch begeben und gemerkt, dass in der Zwischenzeit große Labels auch anders als früher arbeiten. Eher so, wie wir das auch machen würden, mit mehr Dampf dahinter und deshalb haben wir uns wieder in eine Kooperation begeben. Wir machen den Großteil selbst, aber andere Teile einfach nicht mehr, weil es zeitlich nicht machbar ist.

mokant.at: So eine Mischung funktioniert?
Alex: Genau. Die sind von Abteilung zu Abteilung ziemlich unterschiedlich und wir sind froh, wenn uns jemand Input gibt und sagt, wie es laufen soll. Da machen wir gar nicht erst eine große Bürokratie daraus.
Ingo: Das klassische Bild von ‚Major ist böse‘ und ‚Indie ist gut‘, ist mittlerweile sowas von aufgeweicht. Du findest bei Major genau so gute Leute, wie du bei Indies große Arschlöcher findest.

mokant.at: Dieses Klischee schwirrt aber noch ziemlich herum.
Ingo: Ja, die große Industrie, hier ist alles böse und so. Natürlich muss man nicht alles abfeiern, was Majors machen. Aber die arbeiten auch in kleinen Dependancen, in kleinen Büros. Es sind letzten endens viele kleine Labels, die unter einem gemeinsamen Dach, namens Universal hoffieren. Hier kannst du an gute und an schlechte Leute geraten. Das kann dir aber auch bei Kotzreizrecords passieren, oder wie auch immer du das Label nennen willst. Mit denen kannst du auch Probleme haben.

mokant.at: Jetzt habe ich noch drei Abschlussfragen:

Ein Feel-Good-Song, der dich immer aufheitert?

Alex: In den letzten zwei Wochen: Beatsteaks- DNA. Der Song hat einen guten Drive. Egal, ob man es morgen beim Aufstehen hört oder nachmittags, er ist immer cool.
Ingo: London Calling- The Clash. Wird auf ewig die beste Poprocksingle bleiben.

Die Musik, die dich und dein Leben geprägt hat?

Ingo: Von Wave Pop, über die Metalplatten vom großen Bruder und Punk Rock bis heute hin auch zu ruhigen Sängern und Songwritern wie Johnny Cash und Amie Man.
Guido: Ich war klischeehaft eingefahren auf Punk Rock und habe die schäbigsten Bands gehört. Die Musik ist einfach auch viel zu gut um sich zu beschränken.
Alex: Die größte Liebe war Pearl Jam.  

Dein Guilty Pleasure-Song, zu dem du heimlich unter der Dusche tanzt?

Guido: She Wolf – Shakira (Applaus und alle lachen)
Ingo: I Kissed A Girl – Katy Perry. Aber eigentlich alles, was sie macht.
Alex: In Da Club – 50 Cent

Titelbild: (c) Patrick Runte / DONOTS

katharina.egg@mokant.at'
Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.