Wien Museum: Experiment Metropole

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Das Wien Museum präsentiert eine Ausstellung mit zwei Themen: Wien um 1873 und die Weltausstellung.

Manche Wiener träumen von einem Leben in einer anderen, vergangen Zeit. Die Ausstellung im Wien Museum bietet jenen verträumten Köpfen ein Wien mit Weltbedeutung, in das sich manch einer wünschen würde. Eine Stadt auf der Überholspur zur modernen Stadt, Großstadt und Weltmetropole.

Eine Ausstellung in der Ausstellung
Mit dem ersten Schritt in die Ausstellungsräume verlangsamt sich die Zeit. Man lässt das Wien 2014 hinter sich und schlüpft in das Jahr 1873. Gezeigt wird ein Zeitschnitt der Stadt im späten 19. Jahrhundert und seine Gesellschaft, in all ihren Facetten. Vor den Augen des Besuchers entfaltet sich eine Epoche der Veränderung. Eine Zeit der Beschleunigung. Technische Erfindungen sorgten für einen radikalen und schnellen Fortschritt in den unterschiedlichsten Bereichen. Die Ringstraße, so wie sie heute in all ihrer Pracht vor uns steht, war damals eine Baustelle – ein Experiment. Neben all den Beweißstücken für den Umbruch der damaligen Zeit wird auch jene Veranstaltung präsentiert, die das Donauinselfest und den Life-Ball in den Schatten stellt: die Weltausstellung.

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(c) Wien Museum

In drei Räumen auf zwei Stockwerken sammeln sich die Ausstellungsstücke. An niedrigen Wänden reihen sich Zeichnungen, Gemälde und Karten aneinander. Eine Welle von Informationen überflutet die Säle und überfordert den Betrachter. Ein Besucher der Ablenkung und leicht verdaubare Kunst sucht, ist hier falsch. Die hier versammelten Kunstwerke verlangen eine intensive Wahrnehmung. Direktor und Kurator Wolfgang Kos meint die Ausstellung themenspezifisch gestaltet zu haben. Schweift das Interesse des Besuchers ab, soll er zum nächsten Thema überspringen. Um dem Besucher mehr Orientierung zu bieten, sind die zwei Themenschwerpunkte auf unterschiedliche Farben aufgeteilt. Rot zeigt den historischen Hintergrund. Blau deutet auf die Weltausstellung hin. Ganz gelingt das Vorhaben nicht. Zu viele Fakten und Details sorgen eher für Verwirrung und hinterlassen einen orientierungslosen Museumsbesucher. Vielleicht hätte man auf den ein oder anderen Themenblock verzichten können und dafür mehr leeren Raum für Gedankenspiele lassen können.

Glanz und Elend
Zu Beginn der Ausstellung sieht man Wertpapiere – welche allerdings bald ihren Wert verloren hatten. Der Börsenkrach, der sich noch im selben Jahr ereignete, vernichtete viele Vermögen. Tritt man weiter fällt der Blick auf die technischen Innovationen: ein Rohrpostapparat und ein Gasometer. Das Lebenstempo der Menschen 1873 wurde rasant beschleunigt. Neue Verkehrsmittel – die Pferdetramway –, der Bau der Hochquellwasserleitung waren große Errungenschaften. Auch das Zeitungswesen und die Telegrafie standen am Anfang ihrer Blüte und nahmen einen raschen Aufschwung. Interessant wirken die ausgestellten Modelle und Geräte. Sie sorgen für Abwechslung in der sonst so trockenen Schau. Doch nicht nur der Glanz der Epoche findet seinen Platz in der Ausstellung. Von einem Regal voller mit Wappen und Namen geprägter Ziegel ist es nicht mehr weit zum Elend der Arbeiter. Wie ein Magnet lockte Wien damals mit unzähligen Arbeitsangeboten. 1873 hatte Wien mehr als eine Million Einwohner. Weder jemals davor noch danach, kamen mehr Migrantinnen und Migranten in die Hauptstadt. Kehrseite der Medaille war die soziale Not der Arbeiter.

Eine Stadt in der Stadt
Bei einem Spaziergang durch den Prater erinnern heute nur mehr einige Straßennamen und Gebäude an das was vor 141 Jahren auf die Wiesen gesetzt wurde. Die Ausstellungsstraße, Rotundenallee und die Meierei an der Hauptallee sind Zeugen der einstigen Glanzepoche. Das Gelände des Wiener Praters wurde auserkoren um die erste Weltausstellung im deutschsprachigen Raum zu veranstalten. Es wurde eine Stadt in der Stadt gebaut. 53.000 Aussteller aus 35 Ländern standen 194 atemberaubende Pavillons zu Verfügung. Krönung der extravaganten Baukunstwerke war die 85 Meter hohe Rotunde, die Vierzigtausend Besucher fasste. Wäre der Kuppelbau nicht 1937 abgebrannt müsste sich der ORF wohl nicht mehr den Kopf zerbrechen, wo der Song Contest 2015 veranstaltet werden soll.

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(c) Wien Museum

Die Ausstellung im Wien Museum verbindet Kunst mit Technik und Geschichte. Sie präsentiert verschiedene europaweit gesammelte Ausstellungsstücke das erste Mal an einem Ort. Ein interessanter Überblick über Technik, Medizin, Architektur, Kultur und Lifestyle von 1873.

Die Ausstellung ist noch bis 28. September im Wien Museum zu sehen.

Titelbild: © Wien Museum

Klara Kostal ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: klara.kostal[at]mokant.at

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