Thanks: „Musik aus den Gedärmen”

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Thanks erzählen im Interview über die Vorteile kurzer Namen, warum man als amerikanische Band lieber in Europa auf Tour geht und wieso für die Tour zwei Bandmitglieder sogar ihren Job gekündigt haben.

Im April und im Mai touren Thanks mit ihrem Debüt-Album Blood Sounds durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Belgien. Ungewöhnlich ist daran vor allem, dass Thanks aus den Vereinigten Staaten kommen, aber auch dort noch relativ unbekannt sind. Den großen Durchbruch wollen die sechs Musiker, rund um die Frontfrau mit dem klingenden Namen Jimi Hendrix, nun in Europa schaffen. Ihr erster Stop war dabei das B72 in Wien. Wir haben sie dort für ein Interview getroffen. Was das Genre betrifft, kann man ihre Musik am ehesten als Dark Soul einordnen. Wer sich darunter allerdings düstere Musiker à la Amy Winehouse vorstellt, der liegt ganz weit daneben. Selten haben wir eine Band im Interview gehabt, bei der derartig der Spaß im Vordergrund stand und bei der so viel gelacht wurde wie bei Thanks.

Das Interview wurde auf Englisch geführt und anschließend übersetzt, hier gibt es das Interview in Originalsprache zu lesen: Thanks: „Visceral and real“

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Foto: (c) Raimund Appel

mokant.at: Eine Frage, die euch wahrscheinlich schon hundert Mal gestellt wurde: Warum der Name Thanks? Warum so ein einfacher und kurzer Name?
Drew: Ich wollte schon immer eine Band gründen und mit Freunden gemeinsam Musik machen. Dabei hatte ich auch mehrere Ideen für Namen, Thanks war einer davon. Der Name Thanks war also schon da bevor es überhaupt eine Band gab. Inspiriert ist der Name von einem meiner Lieblings-Country-Songs, Thanks a lot von Ernest Tubb. Eigentlich ist das aber ein sehr sarkastisches Lied. Das Thanks a lot ist dabei an eine Frau gerichtet, die ihm das Herz gebrochen hat.
Andrew: Den Namen mochten wir dann prinzipiell alle, weil er super kurz und einfach ist. Das ist besser als einen lagen Namen zu haben, der schwer auszusprechen ist. Besonders wenn man zum Beispiel in einer Bar ist, es laut ist und jemand nach dem Bandnamen fragt. Wenn man dann mit einem langen Namen kommt ist die Reaktion immer „Was?!“, wenn man aber sagt dass man „Thanks“ heißt, ist die Antwort „You’re welcome!“ (alle lachen)
Noah: Nein, eigentlich fragen sie auch dann immer „Was?!“.
Jimi: Mit unserem Namen kann man viele Witze machen. Die Witze werden auch gemacht und zwar bei jeder Gelegenheit!
mokant.at: Würdet ihr euch wieder so nennen? Auch mit dem Wissen, dass ihr damit auf Facebook und google beinahe unauffindbar seid?
Lilly: Ja, das ist ein Problem…
Drew: Man muss den Namen des Albums kennen, mit dem findet man uns sofort.
Jimi: Außerdem planen wir ja sowieso, dass wir berühmt werden. (lacht)
Lilly: Dann werden wir ohnehin der erste Treffer auf google sein! (lacht)
Jimi: Aber ja, wir werden das oft gefragt. Wir würden uns immer wieder so nenne, weil wir den Namen mögen. Wenn die Musik gut genug ist, dann macht es keinen Unterschied, wie man heißt.
Noah: Schlussendlich hast du uns dann ja doch gefunden.
Andrew: Natürlich sind wir schwerer zu finden als andere Bands aber wir haben uns so an den Namen gewöhnt, dass wir ihn nicht ändern würden. Wir glauben, dass wir gut genug sind um dafür zu sorgen, dass der Name funktioniert.

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Foto: (c) Raimund Appel

mokant.at: Eine letzte Frage zum Thema Namen. Ist dein Name wirklich Jimi Hendrix?
Jimi: Mein Nachname ist Hendrix. Deswegen nennt mich schon immer jeder Jimi.
Noah: Sie hat schon Jimi Hendrix geheißen bevor sie in einer Band war.
Jimi: Ja, es ist also kein Künstlername. Es ist mein Spitzname seit ich elf Jahre alt war. Ich versuch mich nicht mit Jimi Hendrix zu messen. (lacht)

Mokant.at: Gut, das war es dann mit den Namen. Diesen Jänner ist euer erstes Longplay-Album veröffentlicht worden. Was ist die Botschaft hinter dem Album, was macht das Album aus?
Jimi: Die Botschaft hinter dem Album… Das ist eine schwierige Frage, obwohl ich diejenige bin, die die Texte schreibt. Es ist so ein weitläufiges Projekt, dass es mir schwer fällt es zusammenzufassen. Aber der Titel des Albums lautet ja Blood Sounds. Grundsätzlich heißt Blood Sounds für mich: Die ehrlichste Musik die man machen kann. Musik, die von innen kommt. Das ist es wohl, was unsere Musik ausmacht, sie kommt von ganz tief drinnen. Musik aus den Gedärmen also! (lacht) … Emotionen sind dabei sehr wichtig.
Lilly: Außerdem… Ich will jetzt aber nicht zu kitschig werden…
Garrett: Tu dir keinen Zwang an!
Lilly: … für mich heißt „Blood” auch Familie und ich weiß, dass ihr es auch fühlt! (alle lachen)

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Foto: (c) Raimund Appel

mokant.at: Ganz etwas anderes. Jede europäische Band träumt davon in die Vereinigten Staaten zu gehen und berühmt zu werden. Ihr macht es anders herum. Was erwartet ihr euch von eurer Europa Tour?
Drew: Spaß!
Jimi: Europa sehen!
Andrew: Wir haben an diese Tour keine all zu großen Erwartungen. Wir wissen, dass es unser erstes Mal hier ist und wir hier eine ziemlich unbekannte Band sind. Wir wollen einfach einmal eine Fan Base aufbauen und eines Tages wieder zurückkommen. Lustig an der Sache ist, dass in Amerika viele Bands die Idee haben nach Europa zu gehen um dadurch in den Staaten berühmter zu werden. Das berühmteste Beispiel dafür sind The Dandy Warhols, die sind in Europa sogar berühmter als in den Staaten. Andere Beispiele sind The Gossip oder The National. Außerdem ist das Touren in den U.S.A. viel schwieriger.
Jimi: … es ist sehr teuer.
Lilly: Die Leute behandeln eine auch nicht so nett wie hier.
Andrew: Aus all diesen Gründen hatten wir gar keine andere Wahl als die Chance nach Europa zu gehen wahrzunehmen.
Drew: Außerdem haben wir noch keinen Plattenvertrag. Wir haben also kein Label, das uns in irgendeiner Form finanziell unterstützt. Wir müssen alles alleine machen. Es ist also so, dass wir sozusagen ohne Fangnetz unterwegs sind. Wir könnten als Band also jederzeit abstürzen und finanziell zu Grunde gehen. Europa ist also eine tolle Möglichkeit. Wir werden für unsere Shows besser bezahlt und Künstler werden hier allgemein viel besser unterstützt. Das sind riesige Vorteile, auch wenn es einiges gekostet hat um herzukommen.
Lilly: Das ist es wert.
Drew: Das ist es absolute wert und außerdem ist es der tollste Urlaub, den man gemeinsam mit Freunden machen kann.

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Foto: (c) Raimund Appel

mokant.at: Das ist gleich ein perfekter Übergang zur nächsten Frage. Ich nehme an, dass ihr alle nebenher noch schwer arbeiten müsst um eure Musik zu finanzieren. Wie ist es euch gelungen, dass alle gleichzeitig für einen ganzen Monat Urlaub bekommen haben?
Drew: Ich habe gekündigt.
Garrett: Wir haben beide gekündigt! (alle lachen)
mokant.at: Als was habt ihr gearbeitet?
Garrett: Ich habe in einer Bar gearbeitet, aber er war immerhin Küchenchef.
Drew: Ja, ich habe ein Restaurant in Portland geleitet und gekündigt.
Lilly: Du wolltest doch sowieso schon länger kündigen! (lacht)
Jimi: Du hast nur auf einen guten Grund gewartet! (lacht)
Drew: Ja, ich habe wohl wirklich nur darauf gewartet! (lacht)
Jimi: Der Rest von uns hatte einfach Glück, dass unsere Chefs sehr verständnisvoll waren und unser Vorhaben unterstützen. Ich glaube mein Chef wollte auch einfach nur sagen können: „Oh, die ist gerade auf Tour in Europa!“ (lacht) Ich glaube wir haben wirklich Glück dass uns so viele Leute unterstützen.
Drew: Ja, wir haben beide auch Möglichkeiten, wenn wir zurückkommen. Wir haben ein richtiges Unterstützer-Netzwerk zuhause.
Garrett: Ja, ich habe auch keine Brücken hinter mir eingerissen, ich werde schon wieder Arbeit bekommen in Portland. (lacht)
Drew: Die Sache ist auch die, dass wir nicht nur für unsere Musik sehr hart arbeiten, sondern auch in unseren normalen Jobs. Wir haben uns diesen Urlaub wirklich erarbeitet und haben alle Möglichkeiten, wenn wir zurückkommen. Die einen konnten ihre Jobs behalten und die anderen haben eben gute Angebote für neue. Ich habe auch Freunde die wirklich schlecht sind, wenn es ums Arbeiten geht. (lacht) Aber das ist hier in diesem Raum nicht so der Fall. Was uns also auszeichnet ist, dass wir hart arbeiten können und darum bin ich auch sehr zuversichtlich, dass wir es mit unserem Projekt zu etwas bringen werden.

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Foto: (c) Raimund Appel

mokant.at: Wie habt ihr eure Tour eigentlich geplant? Am einen Tag seid ihr in Köln, dann in München und am nächsten Tag wieder in Gent. Ihr fahrt quasi durch halb Europa und wieder zurück.
Andrew: Die Antwort ist ganz einfach, dass wir sie gar nicht geplant haben. (alle lachen)
Jimi: Wenn man eine junge Band ist, dann ist das einfach so.
Lilly: Wir nehmen die Auftritte wie sie kommen.
Jimi: In den U.S. A. fährt man fast immer so viel zwischen Shows. Zehn Stunden sind da ganz normal.
Noah: Besonders wenn man an der West-Küste ist. Da liegt alles extrem weit auseinander.
Jimi: Hier dauert unsere längste Fahrt nur acht Stunden, eine Kinderspiel also. (lacht)
mokant.at: Aber die West-Küste kann man nur rauf oder runter fahren. Ihr bewegt euch in Zick-Zack-Form durch Europa.
Jimi: Ja, ein großartiger Weg um viel von Europa zu sehen! (lacht)
Andrew: Wenn man von Portland nach San Francisco fährt, dann fährt man mindestens zehn Stunden und da sind nicht einmal wirkliche Städte dazwischen. Morgen fahren wird von hier nach Zürich, das sind gerade mal acht Stunden. Das ist eine Standard-Fahrt für amerikanische Bands.
mokant.at: Aber ihr legt beinahe ein Monat durchgehend solche Strecken zurück.
Jimi: Ja, aber wir sind vorbereitet… zumindest ein bisschen vorbereitet. (lacht)
Garrett: Wir freuen uns auch schon auf die Landschaften. Auf die viele verschieden Orte die wir sehen werden.
Jimi: Wir haben ja auch ein paar Tage Pause. Wir haben ein paar Tage in Prag und auch ein paar in einer Hütte in den Alpen, wo wir uns erholen können und Musik schreiben wollen. Wir haben also auch Sachen auf die wir uns freuen können!

mokant.at: Als letzte Frage: Welche österreichischen Musiker, die noch am Leben sind und nicht Chronic City sind, kennt ihr? (Mit Chronic City haben sie an diesem Abend ein Konzert gespielt, Anm. d. Red.)
Lilly: Wir kennen Giantree! (lacht)
mokant.at: Das ist aber eine Band, die von derselben PR-Agentur wie ihr unterstützt wird. Sonst noch eine?
Garrett: Wir haben vor ein paar Tagen einige Musiker bei einem Red Bull-Event kennengelernt. Das war cool, aber ich kann mich an keine Namen mehr erinnern.
Lilly: In der Vereinigten Staaten bekommen wir nicht viel österreichische Musik zu hören.
mokant.at: Das Problem ist, dass man hier in Österreich auch nicht viel österreichische Musik zu hören bekommt. Wir hatten erst vor kurzem eine große öffentliche Debatte, weil die großen Radios kaum Österreicher spielen.
Jimi: Das ist eine Schande! Besonders, weil ihr andere Bands so toll unterstützt.
Drew: Ich habe eigentlich sogar wirklich gehofft, dass wir hier lauter österreichische Musik zu hören bekommen, wenn wir das Radio aufdrehen, aber stattdessen haben wir bisher fast dasselbe gehört, das wir auch aus den Staaten kennen.

Titelbild: (c) Raimund Appel

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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