KopfhörerInnen: Palo Alto (Music from the Motion Picture)

Palo Alto: Music from the Motion Picture – Various Artists
(VÖ: 30.05.2014 | Domino Records)

(c) Domino Records

(c) Domino Records

Nur Kunstbanausen schauen einen Film an und lesen erst danach das Buch dazu. Folglich müsste man sich einen Filmsoundtrack auch anhören, ohne den dazugehörigen Film gesehen zu haben, um die Musik unvoreingenommen aufzunehmen. Welcher Film entsteht also im Kopf, wenn man sich den Soundtrack zu Gia Coppolas Regiedebut Palo Alto anhört? Ein Selbstversuch.

Nach eingehender Begutachtung der Filmmusik kann der Film nur von einer Jugendliebe handeln. Der Klassiker: Frau trifft Mann nach Jahren wieder. Es war die erste Liebe, man sieht in vielen Rückblenden, wie das junge Paar nach zahlreichen dramatischen Wendungen zueinander gefunden hat. Champagne Coast von Blood Orange, das vierte Lied des Albums, erinnert an Szenen (in diesem Vintage-Effekt),  in denen sich ein zierliches, jugendliches Mädchen in einem weißen Spitzenkleid und ein cooler Halbwüchsiger in Jeanshemd küssen.

Gia Coppola verfilmt hier James Francos gleichnamige Kurzgeschichtensammlung. Vier Lieder wurden von Devonté Hynes (Blood Orange) geschrieben. Der Song Palo Alto eröffnet den Soundtrack und  ist die erste Auskoppelung seit der Veröffentlichung des Vorgängeralbums Cupid Deluxe im Jahr 2013. Weitere Interpreten sind Robert Schwartzman, Mac Demaco und Jack Kilmer. Betrachtet man das Album im Gesamten, klingt es fast melancholisch. Ein Gutteil der Lieder ist minimalistisch arrangiert und setzt auf hauchende Stimmen.

Der Song 5FT7 erinnert mit den verzerrten Stimmen filmtechnisch an Party-Szenen; zum ersten Mal Gras rauchen, betrunken sein. Weiter geht es mit einer dramatischen Wendung im Film: Is this Sound Okay, eine vom Klavier begleitete Ballade – das aus irgendwelchen Gründen getrennte Pärchen ist nachdenklich und schaut vom Fenster aus in den Regen. Bisher passt alles ganz gut in den Klischee-Film, der nach einer Mischung aus Virgin Suicides und LOL (Laughing Out Loud) klingt. Doch ein Track stört das Bild des Teenie-Dramas: Senza Mamma von Francesco Pennino würde eher in einen Agentenfilm passen.

Nach einem Happy End klingt der Soundtrack nicht. Er schließt mit You’re Not Good Enough von Bood Orange, einem Lied, das etwas an die Band HAIM erinnert. Für weitere Details muss man sich den Soundtrack wohl selbst anhören. Der Film Palo Alto lief am 09. Mai in den US-amerikanischen Kinos an, für Österreich gibt es noch kein Erscheinungsdatum. Der Soundtrack macht jedenfalls neugierig auf den Film. Und für alle, die nicht auf den musikbasierten Plot vertrauen, gibt es hier den echten Trailer:

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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