Song Contest 2014: Die Favoriten im Kurzcheck

(c) Dominik Knapp

Heute beginnt mit dem ersten Halbfinale, der erste von drei Teilen des diesjährigen Eurovision Song Contests. Donnerstag folgt dann das zweite Halbfinale – an dem auch Österreichs Vertreter sein Glück versuchen wird – und am Samstag schließlich das große Finale

„Heimat großer Töchter und Söhne” – frei nach dem Motto der Bundeshymne entsendet Österreich mit Conchita Wurst in diesem Jahr eine Mischung aus Tochter und Sohn zum Eurovision Song Contest. Zur Abwechslung tritt für Österreich diesmal ein ehemaliger Teilnehmer einer ORF-Casting-Show an. Man muss dem Erfolgskonzept schließlich treu bleiben (Eric Papilaya und die Trakshittaz wurden Vorletzter und Letzter im Halbfinale; Nadine Beiler immerhin 18. im Finale).

Trotz der „durchwachsenen” Bilanz der ORF-Protektionskinder, darf sich Conchita Wurst alias Thomas Neuwirth erheblich bessere Chancen auf eine Topklassierung ausrechnen – zumindest wenn man den Vorhersagen der Wettanbieter glauben schenkt, die in den vergangenen Jahren mit ihren Prognosen zumeist richtig lagen. Im Klassement der Wettanbieter liegt Conchita Wurst nämlich auf dem achten Rang (Stand: 4. Mai), womit zumindest der Finaleinzug gesichert sein sollte.

Da uns der Song Contest nicht Wurst ist, haben wir für euch die Top4 des Wettanbieterrankings (Stand: 4. Mai) sowie die persönlichen Favoriten unserer Musik-Redakteure genauer unter die Lupe genommen.

Können Wettquoten irren?

Armenien – Not Alone – Aram Mp3:
Schenkt man den Buchmachern bedingungsloses Vertrauen kann der Sieger des ESC 2014 nur Aram Sargsyan heißen und aus Armenien stammen. Sein Lied Not Alone erinnert – zumindest gegen Ende – ein wenig an Radioactive von den Imagine Dragons und Too Close von Alex Clare. Nach mehrmaligem Hören klingt der Song jedenfalls sehr vertraut und könnte jederzeit in den heimischen Charts laufen. Da es beim Song Contest aber bekanntlich nicht nur um die Qualität des Titels und des Interpreten geht, sondern auch um die Beziehungen zu den jeweiligen Nachbarländern, steht hinter dem prognostizierten Sieg von Armenien dennoch ein gewaltiges Fragezeichen. Zwei Drittel der mokant.at Musik-Redakteure hatten Not Alone allerdings ebenfalls im erweiterten Kreis der Topfavoriten.

Schweden – Undo – Sanna Nielsen:
Als zweitheißesten Titelanwärter sehen die Wettanbieter die Schwedin Sanna Nielsen voraus. Auch für ihren Hit Undo gilt, dass er passagenweise gewaltig an bereits bestehende Songs erinnert, deshalb besonders flott ins Ohr geht und sich dort festsetzt. Da die Skandinavier auch nicht müde werden, sich gegenseitig Punkte zuzuschieben, muss mit dem fünffachen ESC-Gewinner Schweden auch diesmal wieder gerechnet werden.

Ukraine – Tick-Tock – Marija Jaremtschuk:
Mit einem bekannten Titelnamen stellt sich die Ukraine vor. Marija Jaremtschuks Tick-Tock hat allerdings ansonsten recht wenig mit Ke$has Hit gemein. Die Ukraine ist mein persönlicher Favorit und das nicht nur, weil sie in all ihren bisherigen elf Teilnahmen immer im Finale und dabei sieben Mal in den Top10 landete. Gegen die Ukraine spricht, dass die Interpretin bei ihren Liveperformances doch kontinuierlich Töne verfehlt. Die Studioversion hingegen ist einwandfrei und auch optisch weiß Marija Jaremtschuk zu gefallen. Auch die Wettanbieter haben die Ukraine unter den Top3.
In Anbetracht der politischen Differenzen mit Russland darf man froh sein, dass die Ukraine mit Dancing Lasha Tumbai (Russia goodbye)  bereits 2007 angetreten ist. Zwölf neuerlichen Punkten aus Russland steht daher wohl nichts im Wege.

Dänemark – Cliché Love Song – Basim:
Ebenfalls auf der Rechnung der Wettanbieter steht das Gastgeberland Dänemark. Mit Basim schicken die Titelverteidiger einen leichten Bruno Mars Verschnitt ins Rennen. Sein Cliché Love Song ist ein typischer gute Laune Song, bei dem besonders der Refrain Ohrwurmcharakter aufzuweisen hat. Dänemark ist auch heuer ein Topkandidat auf einen Platz unter den besten fünf. Zumindest die “twelve points” von Schweden sollten dem Gastgeber auf alle Fälle sicher sein. Bei den Wettquoten liegt Dänemark auf Rang 4.

Können Musik-Kenner irren?
Auch die mokant.at Musik-Redakteure Alissa Hacker, Michael Nowak und Dominik Knapp haben die diesjährigen Teilnehmer einer kleinen aber feinen Analyse unterzogen.

Niederlande – Calm After The Storm – The Common Linnets:
Besinnliche Töne schlägt der Act aus den Niederlanden an und entwickelte sich damit zum persönlichen Favoriten meiner Kollegin Alissa Hacker. Betrachtet man die Wettquoten ist Calm After The Storm mit Rang 18 jedoch nur ein Außenseitertipp, mit realistischen Chancen auf eine Finalteilnahme. Neben dem Beitrag aus den Niederlanden haben es Alissa außerdem die Acts aus Malta, Lettland und Dänemark angetan.

Norwegen – Silent Storm – Carl Espen:
Auch Kollegen Michael Nowak hat es ein Storm angetan, allerdings der Silent Storm von Carl Espen aus Norwegen, den er als Mischung der Bands Snow Patrol und Saybia bezeichnet. Silent Storm von Carl Espen ist eine schöne, eher ruhigere Ballade, die bei den Buchmachern immerhin auf Rang 7 zu finden ist. Neben dem Beitrag aus Norwegen stehen weiters Armenien, Finnland, Malta und die Niederlande (in alphabetischer Reihenfolge) auf seiner persönlichen Bestenliste.

Weißrussland – Cheesecake – Teo:
Mein persönliches Herz schlägt dieses Jahr für Weißrussland, aber nicht (nur) weil der Song Gusto auf Süßspeisen erweckt. Cheesecake ist moderner Pop-Sound der bereits nach wenigen Sekunden im Gedächtnis bleibt, wie auch der charismatische Interpret Teo. Die Wettquoten hingegen stehen äußerst schlecht. Auf oddschecker.com rangiert Weißrussland nur auf dem 30. Platz. Cheesecake ist jedoch nur ein persönlicher Geheimfavorit, wesentlich größere Siegchancen dürfen sich laut meiner bescheidenen Prognose die Ukraine, Armenien und Deutschland ausrechnen. Der große Bruder schickt erstmals seit Satellite von Lena Mayer-Landrut wieder einen wirklich guten Song zum Contest.

Zum Abschluss noch die Studioversion der Ukraine zum Reinhören:


Titelbild: (c) Dominik Knapp

Dominik Knapp war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaften und beschäftigt sich derzeit vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest.

5 Comments

  1. a0821104@unet.univie.ac.at'

    mp

    6. Mai 2014 at 21:42

    Schön auf den punkt gebracht, das mit der Nachbarschaftshilfe

  2. a0821104@unet.univie.ac.at'

    singer

    7. Mai 2014 at 19:56

    Bin gespannt ob einer gewinnt, der tatsächlich singen kann. Die kann ich an einer Hand abzählen

    • a0821104@unet.univie.ac.at'

      singer

      11. Mai 2014 at 11:55

      Naja singen kann er/sie/es wenigstens. Performance war super. Würd mich aber interessieren, wie gut der Song ohne Bart abgeschnitten hätte.

  3. maria_e_fuchs@gmx.at'

    Lukela

    9. Mai 2014 at 18:13

    Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Geschmäcker sind. Hier wird davon gesprochen, dass Deutschland mal wieder einen richtig guten Song ins Rennen schickt. Ich persönlich finde, dass dieser Sióng eintönig ist und daher ziemlich langweilig. Wenn man das im Radio hört, könnte man es wohl jedem der Künstler andichten, die den ganzen Tag auf Ö3 singen.

  4. a0821104@unet.univie.ac.at'

    mp

    11. Mai 2014 at 12:31

    Analysen etc. in Zukunft bitte von Frau Hacker, die hat anscheinend die meiste Ahnung (Niederlande) 🙂

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