Und Überhaupt: Ostern

Mit UND ÜBERHAUPT startet bei mokant.at die erste, ab sofort regelmäßig erscheinende Kolumne von Sabrina Freundlich 

Wer den Karfreitag, wie ich, mit einem Schinkenomelette startet, der liegt schon mal gut in der Zeit.

Überhaupt muss man sich ja fragen, ob Gründonnerstag von der Spinatindustrie erfunden wurde. Oder von Iglo. Oder vom ÖSV. Ich persönlich ess’ auch während des Jahres öfter mal „wos G’scheit’s“, folglich verbringe ich die Vorosterzeit mit Bärlauchschinken und verzichte auf Spinat. Ich freu mich zwar über diese Zufallslogik, aber eigentlich ist mir religiös- oder traditionsbedingtes Fasten herzlich schinken. Überhaupt kommt mir vor, als hätte sich der Fastentrend in Richtung „Diversfasten“ entwickelt und die Sache mit dem Fleisch zieht sowieso nur mehr in Oma-Küchen und Kaff-Schulkantinen (Nein, ich vergesse niemals, Hauptschule W*!). Am liebsten sind mir ja die Facebook-Faster. Dieses Jahr zwar weniger als sonst vertreten, sind die Facebook-Faster die Menschen, die dann plötzlich über alle anderen ungeübten Kanäle ihren Sozialmedienkonsum ausleben, und zwar nachdem man sich via besinnlicher Statusmeldung für ein bis zwei Wochen verabschiedet hat. Twitter freut sich dann immer ganz besonders über den Küken-Zulauf und erklärt gerne nochmal die Sache mit den Hashtags.

Wer, wie ich, die Ostertage mit Arbeiten in der Feiertags-/Wochenend-Serviceindustrie zubringt, der hat kaum Zeit, sich über unfreiwillig grüne Kost oder Scheinheiligkeit zu ärgern. Hier hat man nämlich hauptsächlich mit den Ausdünstungen der Ostermaschine zu kämpfen: gestresste und ventilsuchende Eltern, zuckerüberdrehte Kinder und stressemotionsgeladene Kollegen. Überhaupt laufen meine Osterwochen irgendwie umgekehrt. Wenn das ganze vorbei ist und sich das Kollektiv wieder arbeitend und schulegehend langsam von der Schoko-Eigelb-Überdosis erholt (und dann zumindest aus ehrlichen self-hate-Gründen fastet), fahre ich auf Urlaub. Es wird die ehemalige Mitbewohnerin besucht, die mich für eine deutsche Stadt hat sitzen lassen und mich in der darauffolgenden Wohnungssuche in die Wiener Peripherie getrieben hat. Als späte Rache dafür werde ich eventuell die digitale Küchenwaage zurück nach Hause schmuggeln, die sie damals bei der Scheidung bekommen hat.

Und überhaupt: als nachträglichen Aprilscherz die Waschmaschine auch. (Meine neue schleudert nicht so toll.) Als Wahlkölnerin muss sie sowas verstehen.

Weil überhaupt: Der Osterhase war’s.

Titelbild: (c) Harald Groven/flickr.com

Sabrina Freundlich ist stellvertretende Chefredakteurin von mokant.at. Sie beschreibt sich als writeophile and fortune cookie lover. Kontakt: sabrina.freundlich[at]mokant.at

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