aRevo: „Ess’ nur mehr Springerleberkäs-Semmeln“

Foto: (c) Raimund Appel

Österreichischer Ska in knall –orange

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Announced Revolution, kurz aRevo genannt, spielen nicht nur in ihrer Freizeit gerne Tetris. Auch auf der Bühne hat die achtköpfige Band manchmal Mühe sich aufzustellen und daher kam es auch schon vor, dass einige Bandmitglieder mitten im Publikum gespielt haben. Ihren letzten Auftritt hatten sie bei der Show „Herz von Österreich“ auf Puls4. Was sie sich von der Castingshow erhoffen, was es mit dem orangefarbenen Hemden auf sich hat und wieso Oscar Wilde eine tragende Rolle spielt erfahrt ihr im mokant.at Interview.

mokant.at: Was heißt eigentlich Ska?
Matthias: Das ist eigentlich nur ein Geräusch.
Dorian: Es ist keine Abkürzung für irgendetwas.
Peter: Lautmalerisch für diesen Off-Beat.

mokant.at: Euch gibt es schon seit dem Jahr 2007 – seid ihr auch wirklich seit damals in dieser Formation?
Dorian: Nein. Es hat sich so ein harter Kern erhalten. Das sind so quasi die Masterminds, also auch die richtigen Musiker in der Band. Aber in der Formation wie wir hier sitzen, also zu acht, gibt es uns seit circa drei Jahren und ich hab a guats G’fühl dabei. Wia san staok wie a Fölsn.

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mokant.at: Oh das bietet sich als gute Überleitung zu meiner Puls4 Frage an. Auf eurem Puls4 Bandprofil schreibt ihr die klassischen Antworten auf die Frage: Wieso habt ihr euch beworben. Aber was erwartet ihr euch wirklich davon?
Dorian: Womit wir eigentlich immer punkten oder punkten wollen, egal ob wir jetzt live spielen oder irgendwo bloß mit den Leuten reden, ist unser sympathisches Auftreten. Ich würde sagen wir erhoffen uns einfach, dass das Publikum uns sympathisch und witzig findet und dass ihnen unsere Musik oder unsere Interpretation von einem Lied gefällt und sie sich denken „Hey, die könnt ich ja mal irgendwohin einladen zum Spielen“.

mokant.at: Was ist, wenn das genaue Gegenteil passiert?
Dorian: Dass wir Hassmails bekommen?
Peter: Naja es ist ja so, dass Puls4 in Zukunft wohl nicht so viele Ska-Konzerte übertragen wird, demzufolge können wir eigentlich froh sein, wenn wir wieder von der Bildfläche verschwinden, weil wir ja bis jetzt noch nie auf irgendeiner Bildfläche waren. Und Ska-Konzerte sind ja sowieso immer irgendwie im Nischenbereich das heißt wenn wir einmal eine größere Plattform haben und dann wieder nicht mehr ist das auch okay für uns.

mokant.at: Um noch mal kurz auf die Größe der Band einzugehen. Ihr seid zu Acht. Ist es nicht unglaublich mühsam Auftritte zu organisieren, bei denen dann auch wirklich alle von euch auf der Bühne stehen?
Andi: Seit drei Jahren spielen wir eigentlich immer nur zu acht. Früher haben wir hin und wieder zu Siebt und einmal sogar nur zu Sechst gespielt, aber …
Dorian: Aber das hat sich nicht bewährt.
Andi: Wenn irgendeiner nicht kann, dann sagen wir meistens ab. Aber das passiert nicht so oft.
Matthias: Ich finde auch was die Proben anbelangt ist die Disziplin in der Band wirklich bewundernswert! Weil wenn es heißt, wir haben dann und dann Auftritt und der ist auf längeres planbar, dann ist das geplant und dann ist das eigentlich fix und da gibt’s dann auch keine Fragen.

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mokant.at: Managt ihr euch eigentlich selbst?
Peter: Nein, wir haben seit letztem Jahr eine ganz tolle Managerin. Die Fanny Jacobson und den David von Mano Cornuta Artistmanagement.
Matthias: Früher war halt immer der, der das Konzert aufgerissen hat auch verantwortlich dafür, dass alles organisiert wird und schaut welche Instrumente mitgenommen werden müssen.
Peter: Stimmt. Ich komm zum Beispiel aus Bayern, ich hab dort schon mal was organisiert, der Gernot hat uns ein paar Gigs in der Steiermark organisiert und ja der Andi überhaupt! Der hat in Österreich Gigs organisiert und im Ausland, einfach überall.
Matthias: Andi, der geheime Organisator.
Dorian: Ich hab einmal was organisiert, da haben wir aber kein Geld bekommen. (allgemeines Gelächter)
Peter: Es kommt natürlich auch vor, dass uns irgendwelche Menschen oder Organisationen über unsere Bandemailadresse direkt fragen.

mokant.at: Ich hab mir ein paar von euren Texten angeschaut, wer von euch ist ein Oscar Wilde Fan?
Gernot: Alle.
Peter: Ich les gern Oscar Wilde und hab mir damals während des Lesens gedacht: Mach ein Lied draus. Einfach so.

mokant.at: Wie kann man sich als Laie denn generell so diesen Prozess vorstellen? Wie entsteht ein Lied?
Peter: Also ich kann das eigentlich nur von mir aus sagen, dass ich immer wieder irgendwelche Melodien in meinem kranken Hirn hab und dann kommen da irgendwie Lieder zustande wenn ich mich mit der Gitarre hinsetze. Und dann müssen die befüllt werden mit Texten. Das ist dann meistens auch ziemlich mühsam.
Matthias: Ein paar Mal haben wir probiert gemeinschaftlich zu texten und die Lieder sind durchaus auch anhörbar (allgemeines Gelächter) aber meistens ist einer für den Text verantwortlich.
Gregor: Und für die Melodie.

mokant.at: Wie lange braucht ihr durchschnittlich für ein Lied?
Dorian: Ja das kann man wirklich schwer so verallgemeinernd sagen. Bis das Lied in der Band wirklich steht und man es dann solide durchspielt dauert das ca. vier Wochen. Aber bis mal so ein Lied  steht, bis man mal die Ideen gehabt hat und die zu Papier gebracht hat, das ist wirklich ein individueller Prozess.
Gregor: Ein durchwegs langwieriger auch.
Peter: Und auch bei alten Liedern verändern wir oft noch was.
Dorian: Bauen neue Sachen ein.

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mokant.at: Wir hatten schon einmal eine Band im Interview, die beschlossen hat, dass sie auf der Bühne alle dasselbe anziehen. Was ist eure Motivation dahinter das auch zu tun?
Peter: Es schaut einfach gut aus.
Tom: Auffällig und ein bestimmter Wiedererkennungwert.
Benedikt: Es ist eigentlich eine Hommage an frühere Ska-Bands, die auch großteils mit Hemd und Krawatten aufgetreten sind und daher ist das eben unser Beitrag mit orangenen Hemden und Krawatten.

mokant.at: Wieso habt ihr euch für orange und schwarz entschieden?
Dorian: Weil man da die Schweißflecken so gut sieht.
Peter: Das Orange haben wir eigentlich rausgeholt, weil’s so richtig knallig ist und es wirklich in den Augen gestochen hat. Klassisch schwarz-weiß wollten wir nicht, das ist halt die typische Ska-Kombination. Das haben viele anderen Bands auch und orange war einfach die Farbe, die noch niemand gehabt hat und die uns eigentlich ganz gut gefallen hat. Das war noch vor BZÖ Zeiten.
Matthias: Wir haben nämlich im Gegensatz zu denen überlebt.

mokant.at: Jetzt hab ich den Übergang zu meiner Frage verloren…
Peter: Du wolltest noch etwas wegen dem Pferd fragen. Dem Springer.

mokant.at: Jetzt hast du’s angesprochen! Jetzt darfst du auch was darüber erzählen beziehungsweise es erklären!
Peter: Wir haben den Springer als unser Bandmaskottchen beziehungsweise Logo.
Tom: Das Perd?
Peter: Springer und Pferd sind beim Schach das Gleiche.
Tom: Echt?
Dorian: Also ich ess nur mehr Springerleberkässemmeln.
Peter: Einmal geht’s um den Hinweis dieser Schachfigur, weil dieses Schachmuster steht ja auch für Ska-Musik im generellen und für antirassistische Musik und zum anderen ist für mich zumindest der Springer ein Symbol der Wendigkeit, der nicht festgefahren ist, der auch mal um die Ecke hüpfen kann und als Einziger über andere drüber.
Andi: Wir wollten damit eigentlich nur zeigen, dass wir uns nicht auf eine bestimmte Nische konzentrieren, sondern vielseitig und wendig sind.

mokant.at: Wenn ich euch jetzt vor die Wahl stelle und sage, dass ich euch den besten Gig aller Zeiten zur Verfügung stelle, mit der Bedingung, dass ihr euch danach auflöst. Würdet ihr das annehmen?
Dorian: Wie sieht so eine Auflösung aus? Werden wir räumlich getrennt voneinander und dürfen die Kontinente nicht mehr verlassen? Aber wie willst du uns verbieten, dass wir nicht mehr zusammen spielen?

Foto: (c) Raimund Appel

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mokant.at: Das ist die Bedingung an der Sache. Es ist ja bloß ein Gedankenexperiment.
Dorian: Also ich würde spielen, mir nachher die Haare schneiden und einen Bart wachsen lassen und danach mit blauen Hemden wieder auftreten.
Matthias: Dann machen wir ein neues Projekt.
Andi: Wir treten dann mit blauen oder gelben Hemd als skarevo auf.
Dorian: Eine richtige Auflösung ist ausgeschlossen.
Peter: Denk ich auch. Unser Ziel sind schon die Rolling Stones.
Gernot: Die Auflösung kommt früher oder später von selber, weil der eine oder andere sterben wird. Da kommen wir nicht drum herum. Auch wir sind nicht unsterblich.

 

Titelbild: Raimund Appel

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

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