KopfhörerInnen: SDP – Bunte Rapublik Deutschpunk

Stonedeafproduction – Bunte Rapublik Deutschpunk
(VÖ: 10.1.2014 / Berliner Plattenbau)

sdp cover

Cover: (c) SDP

Hände hoch! Dag und Vincent von SDP übernehmen die Weltherrschaft. Die beiden haben versehentlich eine Zeitmaschine gebaut. Prinzipiell ja nicht schlecht, nur hätte es eigentlich eine Machtübernahme Maschine werden sollen. Glücklicherweise lässt sich die Weltherrschaft aber auch mit einer Zeitmaschine ganz gut übernehmen.

Wer bis jetzt kein Wort verstanden hat, der kennt SDP offenbar noch nicht. „Bunte Rapublik Deutschpunk“ heißt das neue Album der zwei Berliner, die nach eigenen Angaben nicht ganz sauber ticken. In ihrem Konzeptalbum sinniert die Zwei-Mann-Band darüber, wie es wäre wenn sie die Weltherrschaft übernehmen würde. Das Produkt wären haufenweise Mittelfinger, brennende Schulen und Candle Light Döner.

Im Großen und Ganzen ist das Werk ein klassisches SDP-Produkt, wenn auch in zugegeben äußerst kreativer Aufmachung. Der Stil hüpft, untermalt von ohrwurmtauglichen einfachen Beats, zwischen Rap und Gesang. Dabei wechseln sich völlig sinnfreie Lieder mit beinahe sinnfreien Liedern ab und zwischendurch kommt das eine oder andere gesellschaftskritische Thema zum Vorschein. Eben genau das, was Spaß macht und man von SDP hören will.

Aber auch die Romantiker unter uns kommen wieder nicht zu kurz. Einmal mehr brechen SDP damit, dass sie eigentlich nie ein Liebeslied schreiben wollten. Mit „Wegen dir“ und „Candle Light Döner“ zeigen die beiden einmal mehr, dass sie auch eine sensible Seite haben. Da man das schönere Geschlecht aber nicht zu sehr loben sollte, bekommen die Damen in „Als ich Mädchen noch scheiße fand“ und „Die Olle mit der Macke“ postwendend auch ihr Fett ab.

Nachdem SDP zuletzt zwei Mal mit Sido produzierten, holten sie sich dieses Mal gleich vier Gäste auf ihre CD. Eko Fresh, Weekend, Keule und Bass Sultan Hengzt steuern jeweils die eine oder andere Strophe zum Album bei.


Eine andere Band, die sich zumindest eine Erwähnung verdient hat, sind aber die Ärzte. Beim „Lied für die Fans von den anderen Bands“ erkennen womöglich nur die eingefleischtesten Ärzte-Fans Parallelen zu dem Titel „Ein Lied für Dich“ von der selbsternannten besten Band der Welt. Wer aber bei „Wer ficken will muss freundlich sein“ nicht zumindest kurz an „Männer sind Schweine“ von den Ärzten denken muss, der hat gerade sowieso nur Männer in weißen Kitteln im Kopf. Aber gut, wenn man sich heutzutage gar nicht von anderen Bands inspirieren lassen dürfte, dann hätte so mancher Weltstar noch keinen einzigen Hit.

Zusammenfassend muss man das Gesamtpaket als schwer gelungen bezeichnen. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber wer bei diesem Album nicht zumindest ein Mal lachen muss, der darf sich mit gutem Gewissen als spaßbefreit bezeichnen. In einer „Bunten Rapublik Deutschpunk“ wäre das Leben sicher kein schlechtes.

Passend dazu: Interview mit SDP

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at