Reiseguide: Amsterdam

Reisetipps für Amsterdam: Die Stadt, die weit mehr zu bieten hat als Coffeeshops und das Rotlichtviertel.

Amsterdam ist mit seinen schmalen hohen Häusern, engen Gassen und weltberühmten Grachten eine der charmantesten Städte Europas. Als eine der beliebtesten Destinationen für Wochenendausflüge bietet sie sowohl etwas für Kunstinteressierte als auch für das Partyvolk. Denn neben den zahlreichen Museen und Sehenswürdigkeiten kann man auch den moralisch umstritteneren Interessen legal nachgehen, wie Haschisch zu rauchen oder sich im Rotlichtviertel beglücken zu lassen.

Tipp 1: „Canal Cruises“ – kitschig, aber originell und effizient
Die „Canal Cruises“, ausgehend vom Hauptbahnhof, decken fast jede Sehenswürdigkeit und jedes Viertel der Altstadt Amsterdams ab. Es gibt drei verschiedene Linien, die man alle mit einem einzigen Ticket benutzen und so von der Hop-on, Hop-off Möglichkeit an den 16 verschiedenen Haltestellen Gebrauch machen kann. Ein Vorteil der Bootstour ist, dass sie mit 18 € pro Tag günstiger ist, als ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel (2,80 € für eine Fahrt). Der zweite Vorteil liegt darin, dass die „Canal Busses“ effizienter sind. Sie fahren gezielt zu den interessantesten Plätzen. Das ist bequemer, als sich mit dem komplizierten Straßenbahn- und Busnetz von Amsterdam auseinandersetzen zu müssen. Neben der normalen „Canal Cruise“ gibt es auch eine „Cocktail-Cruise“, eine „Dinner-Cruise“, sogar eine „Pizza-Cruise“, bei der man sich Pizza aufs Boot bestellen kann. Auch bei Schlechtwetter kann eine „Canal Cruise“ durch ihre überdachten Boote punkten. Das ist Sightseeing auf andere Art: Vor- und Rückwärtsmanövrieren der Boote in den engen Grachten, instinktives Ducken, wenn sie unter den aufklappbaren Brücken durchfahren und Zuwinken der Bewohner der Hausboote aus ihren Wohnzimmern.

 

Foto: (c) Aylin Pritz

Foto: (c) Aylin Pritz

Tipp 2: Der etwas andere Aussichtspunkt
Ein paar Hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt, befindet sich die „Openbaare Bibliothek van Amsterdam“. Sie ist sehr modern und entspricht nicht den klassischen Bibliotheken, die man aus anderen Städten kennt. Beim Schmökern in Büchern kann man sich sanft sowohl von klassischer, als auch von moderner Musik berieseln lassen. Studenten des nahegelegenen Konservatoriums üben nämlich gerne am Klavier neben dem Eingang. In dieser Bibliothek kann man locker einen ganzen Tag verbringen und wird sich vermutlich nicht so schnell langweilen. In sechs Stockwerken findet man Musik, Literatur und Veranstaltungsräume. Als besonderes Highlight ist die Aussichtsterrasse des Restaurants „La Plaza“ zu empfehlen. Auch ohne etwas konsumieren zu müssen, darf man die wunderschöne Aussicht über die Stadt genießen, den Möwen zuhören und sich die frische Seeluft um die Nase wehen lassen.

 

Foto: (c) Aylin Pritz

Foto: (c) Aylin Pritz

Tipp 3: Findet „Nemo“!
Auf der Halbinsel „IJ“, die die Amsterdamer Innenstadt von Nordamsterdam trennt, kann man ein merkwürdiges grünes Gebäude sehen, das an ein Schiff erinnert. Darin befindet sich das neue Science Center von Amsterdam. „Nemo“ ist vergleichbar mit dem technischen Museum in Wien. Im Vordergrund steht der Spaß an der Wissenschaft und der Technologie. Egal ob physikalische Experimente, Erfahrungen mit den eigenen Sinnen oder unkonventionelle Erkenntnisse über Orgasmen – dieses Science Center lässt wortwörtlich kein Auge trocken. Denn auf der weitläufigen Dachterrasse des Centers bietet es an heißen Sommertagen Abkühlung mit dem sogenannten „Splashing Water Wonder“, einer Installation, bei der man selbst, durch das Verändern der Richtung von Röhren, Wasser lenken kann. Und auch sonst bietet die Dachterrasse einen tollen Platz zum Erholen, Kaffee trinken und die Aussicht über Amsterdam genießen.

Tipp 4: Das ist doch alles Käse!
Ganz und gar nicht! Das typisch holländische Gericht erinnert stark an die britische Küche. Es besteht aus Fleisch, Gemüse und Kartoffeln – meist ohne Saft oder Sauce, wenig bis gar nicht gewürzt. Aber keine Sorge, die holländische Küche ist mittlerweile stark von anderen Ländern beeinflusst und in Restaurants ist das Essen meist wirklich sehr gut. Wenn man in Amsterdam essen gehen möchte, sollte man sich darauf einstellen, dass die Rechnung etwas höher ausfallen kann als in Wien. Besonders auf den bekannten Touristenplätzen wie „Leidseplein“ oder „Museumsplein“ wäre es empfehlenswert, nur etwas zu trinken oder zu snacken und das bunte Treiben zu beobachten. Denn dort kann ein Burger schon einmal um die 15 Euro kosten. Einheimische bevorzugen daher die Gegend rund um den „Nieuwe Markt“ oder „Zeedeik“. Man hat dort ebenfalls eine große Auswahl an internationalen Restaurants und ist etwas preiswerter gesättigt. Wie in vielen anderen Ländern sind auch holländische Kellner mit dem Aufteilen der Rechnung meist überfordert. Möchte man nicht den ganzen Abend im Restaurant verbringen, sollte man keine getrennte Rechnung verlangen. Beim Trinkgeld wartet man, anders als bei uns, bis zum Verlassen des Lokals und lässt 15 Prozent des Rechnungsbetrages auf dem Tisch zurück.

Tipp 5: Amsterdam für Nachtschwärmer
Amsterdam bietet eine Fülle an Clubs, Pubs und Konzerthallen. Das Abendangebot ist an jedem Tag der Woche umfangreich, so ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ein Konzertbesuch in „Melkweg“ oder „Paradiso“ ist wegen dem kleinen privaten Ambiente besonders empfehlenswert. Für große Konzerte gibt es den „Ziggo Dome“ oder die „Heineken Music Hall“, die sich gleich neben dem Amsterdamer Fußballstadion „ArenA“ befinden. Zusätzlich zu den zahlreichen kleinen, sehr gemütlichen Pubs, ist in den schickeren Clubs wie „Escape“, „AIR“ und „Jimmy Woo“ auch etwas für jene dabei, die etwas glamouröser feiern möchte. Für alle Clubs und Pubs gilt jedoch: auf Wertgegenstände aufpassen! Man kann den Abend aber auch etwas ruhiger gestalten. Ein Kabarett, holländisch oder englisch, ein Kinobesuch (alle Filme in Originalsprache!), oder einfach nur gemütlich etwas trinken gehen – es gibt unzählige Möglichkeiten.

Foto: (c) Aylin Pritz

Foto: (c) Aylin Pritz

Drei Insidertipps
1. Snacks aus dem Automaten: Nach einer intensiven Partynacht ist es für jeden Einheimischen üblich sich einen Snack aus dem Automaten zu genehmigen. Diese gelben Automaten mit roter Leuchtreklameaufschrift vermitteln nicht gerade den Eindruck eines leckeren gesunden Mahls, doch die Snacks werden alle frisch zubereitet, laufend ersetzt und sind, wie die Einheimischen sagen: „vet lekker“!

2. „Bitterballen“ zum Heineken bestellen: Gönnt euch zu jeder Tageszeit ein Heineken in einem Pub und bestellt unbedingt die sogenannten „Bitterballen“ (kleine Bällchen, die so ähnlich aussehen und schmecken wie Kroketten) dazu. So werdet ihr sofort für Einheimische gehalten!

3. Übernachten in einem urigen Amsterdamer Hotel! Nichts vermittelt ein authentischeres Gefühl von Amsterdam als in einem der alten, engen, schmuddeligen Hotels in der Altstadt zu wohnen. Mit ihren engen hohen Stufen, den dünnen brüchigen Wänden und kleinen Fenstern sind sie alles andere als luxuriös und auch die Badezimmer, die oft von einem ganzen Stockwerk benutzt werden, sind nichts für Zartbesaitete! Eine Übernachtung sollte man aber auf jeden Fall wagen, denn danach hat man garantiert etwas zu erzählen.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1.
Ins Sexmuseum gehen! Es ist winzig und es erinnert mehr an einen Sexshop als an ein Museum. Lieber die 7 € Eintritt in eine Peepshow im Rotlichtviertel investieren. Das ist unterhaltsamer, günstiger und es ist dort dank der vielen Touristen auch ungefährlich.

2. Mit dem Fahrrad die Stadt erkunden. In Amsterdam hat jeder Einwohner mindestens ein Fahrrad und pro Tag bewegen sich rund 881 000 Fahrräder durch die Stadt. Zusätzlich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, Mopeds und Autos gibt es daher wesentlich mehr Verkehr als in Wien und so kann man hier leicht den Überblick verlieren, was gefährlich werden kann.

3. Das „Van Gogh Museum“ besuchen. Abgesehen von den unglaublich langen Wartezeiten (bis zu einer Stunde), bietet dieses Museum leider nicht so viel wie erwartet. Die meisten Van Gogh Gemälde sind das ganze Jahr über immer wieder in anderen europäischen Museen ausgestellt. Die Werke, die man permanent besichtigen kann, sind von Touristen belagert.

 Titelbild: flickr.com/Neil Thompson (cc)

Aylin Pritz war als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: aylin.pritz[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.