Trend: Smart, smarter, Wien?

Wien zählt zu den intelligentesten Städten der Welt. Aber was macht Wien eigentlich so smart?

Wie misst man den Intelligenzquotienten einer Stadt? Am durchschnittlichen IQ der Bürger? Oder zieht man eine der zahlreichen Untersuchungen zurate? Der PISA-Studie zufolge wäre Wien wohl keine sogenannte Smart City. In Boyd Cohens Ranking aus dem Jahr 2011 steht Österreichs Hauptstadt allerdings auf Platz eins, europaweit liegt Wien im Jahr darauf immerhin noch auf Rang 4. Was macht diese Stadt also so smart?

Überraschung!
Oberflächlich wird Wien vergangenheitsverbunden gesehen. Schönbrunn, Belvedere und Hofburg sind nur einige wenige Aushängeschilder der Stadt. Auch für Boyd Cohen, den Leiter der Studie, war Wien ein überraschender Gewinner, da man die Stadt nicht unbedingt mit High Tech und Hochhäusern verbindet. Doch smart bedeutet laut Boyd Cohen mehr als modernste Technologien. Es heißt, Ressourcen effizient einzusetzen, gut mit Energie und Budget zu wirtschaften, die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern und den ökologischen Fußabdruck zu verringern.

 

Was hat Wien, was sonst keiner hat?

(c) Boyd Cohen

(c) Boyd Cohen

Die Begründung, warum Wien 2011 an der Spitze der Smart Cities stand, liegt darin, dass es keine andere Stadt in allen Kategorien (innovation city, regional green city, quality of life, umweltfreundliche Energie-, sowie Technologieformen und verfolgt ehrgeizige Ziele in der Stadtplanung. Im europaweiten Vergleich, bei dem die Parameter konkretisiert wurden, hat Wien vor allem wegen der E-Government-Initiative gut abgeschnitten.

Was heißt das genau?
Schlagwörter wie „zukunftsfähige Treibhausgasbilanz“ und „Modal Split“ klingen zwar nett, sind konkret aber schwer zu erfassen. Deshalb haben wir bei „Smart Cities – intelligente Städte Europas“ und „TINA Vienna – Urban Technologies & Strategies“ nachgefragt, wovon die Bewohner der Stadt tagtäglich profitieren. TINA Vienna beschäftigt sich mit smarten Projekten in Wien, die Initiative Smart Cities legt ihr Augenmerk auf österreichweite Projekte. „Bei Smart City Wien geht es um die zukünftige Stadt, mit dem Ziel, eine kohlendioxidneutrale Stadt zu werden. Dabei werden die Lebensqualität, soziale Eingebundenheit, Umweltschutz, Wirtschaft, Ausbildung und Gesundheit auf Dauer gewährleistet“, erfahren wir von Birgit Ginzler, Pressesprecherin bei TINA Vienna und der dazugehörigen Smart City Wien Agentur.

Aktuelle Projekte
„Es gibt viele Projekte, die bereits umgesetzt wurden oder in Planung sind. Zum Beispiel: die BürgerInnensolarkraftwerke, das Projekt Leben ohne Auto in der Stadt, E-Busse, die Bike City und die Marxbox, Österreichs erstes ‚grünes‘ Laborgebäude“, sagt Ginzler. Ein großes Projekt sei der Ausbau der Seestadt Aspern. Der Stadtteil sei gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden und nütze gebäudeübergreifende Energieversorgung. Außerdem sind die beteiligten Interessengruppen in den Entwicklungsprozess eingebunden. Auch Liesing Mitte soll attraktiver gemacht werden. Zentral sind hier die Reduktion des CO2-Fußabdrucks und die Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Beim BürgerInnen-Solarkraftwerk haben die Bewohner der Stadt die Möglichkeit, beim Ausbau erneuerbarer Energien mitzumachen. Durch die E-Gonvernment Initiative erspart man sich den Weg zum Amt; man kann etliche Anträge online stellen.

Langfristige Ziele werden in einer Rahmenstrategie. Dazu zählen beispielsweise die Reduktion von Treibhausgasen und als Fernziel Null-Emissionsgebäude als Standard, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Verringerung des Individualverkehrs sowie Bewusstseinsbildung der Bürger und Bürgerinnen.

Vorbilder in der EU und anderswo 
Keine eindeutige Antwort erhält man auf die Frage, was in Wien noch verbesserungswürdig ist, beziehungsweise was man sich von anderen Städten abschauen könnte. „Ein Vergleich von Städten ist nicht immer einfach, weil die Gegebenheiten oft ganz unterschiedlich sind“, meint Birgit Ginzler. „Wir verfolgen vor allem andere europäische Städte, damit wir wissen, welche Projekte durchgeführt werden, wie sie finanziert werden, aber wir beobachten auch andere Weltstädte außerhalb der EU. Es ist immer wichtig, neue Ideen zu bekommen. Die Projekte sind nicht immer übertragbar, wir können aber die Idee diskutieren und eigene Lösungen entwickeln. Dazu beteiligt sich Wien auch an zahlreichen Städtekooperationen, Netzwerken, Austauschprojekten et cetera, wo es genau darum geht, Synergien zu nutzen und gemeinsame Lösungen zu finden.“

 

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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