Film/riss: Lust auf Revolution

(c) Ag Doku / coop99

#unibrennt – Bildungsprotest 2.0 im Filmriss
 Dokumentarfilm, Österreich, 2010

Bild: © Ag Doku / coop99

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„Das Audimax ist voll wie immer. Aber heute irgendwie anders.“ Mit der Besetzung des größten Hörsaals der Universität Wien setzte die #unibrennt-Bewegung ein erstes großes Zeichen gegen die schlechten Bedingungen an den österreichischen Hochschulen. Der Film #unibrennt – Bildungsprotest 2.0 dokumentiert die Geschehnisse rund um die Studierendenproteste, die im Herbst 2009 ihren Anfang nahmen.

Mit einer Kameraführung, auf die jeder Independentfilm-Produzent neidisch wäre, zeigt die Dokumentation die Unibrennt-Bewegung aus der Sichtweise der Beteiligten. Die AG Doku filmt das Geschehen während der Proteste und der Audimax-Besetzung und befragt Politiker und Privatpersonen zum Thema. Als Zuseher fühlt man sich schon fast als Teil der Protestierenden und man bekommt Appetit auf ein bisschen Revolution. Das Bedürfnis wird erweckt, irgendetwas Bedeutendes oder zumindest Sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen. Es funktioniert auch, mit der Dokumentation das Publikum auf die Seite der Studierenden zu ziehen: In den Interviews wirken die Politiker eher wie Manager, die aus den Unis Konzerne machen wollen – streng nach Effizienzkriterien ausgerichtet.

Als Friedrich Faulhammer, der damalige Generalsekretär des Wissenschaftsministeriums, in einem Interview sagt, er halte nicht viel von grundeform der Universitäten geht.

Da der Film zeitlich sehr nahe am Geschehen liegt, zeigt er vor allem den groben Verlauf der Bildungsproteste und hält sich auch an die Chronologie. Die Struktur der Unibrennt-Bewegung ähnelt jener eines Hypes: am Anfang machen alle mit, es gibt viel Wirbel und auch ein bisschen Chaos, das sich aber durch ein wenig Selbstorganisation („Fühl dich wie zuhause: wasch selber ab!“) teilweise legt. Auch die Vernetzung innerhalb des Kollektivs und nach außen hin zu internationalen Unis mittels Social Media wird hervorgehoben. Sobald die Fortschritte aber ausbleiben und es darauf ankommt, „dranzubleiben“, um die Proteste zu erhalten, springen viele Leute ab.

Was nicht gezeigt oder diskutiert wird, sind die Folgen und Möglichkeiten, vor denen die Studierenden nun stehen. Die Fragen bleiben ungeklärt: Soll eine Universität wie ein Wirtschaftskonzern geführt werden? Bedeutet Bologna den Untergang des Bildungsideals der Hochschulen? Welche Folgen hat die unveränderte Übernahme der Curricula der Diplomstudiengänge in das Bachelor-Master-System?
Quo vadis, universitas?

 

Titelbild: (c) Ag Doku / coop99

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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