KopfhörerInnen: Farewell Dear Ghost – We Colour the Night

Farewell Dear Ghost – We Colour the Night
(VÖ: 15.11.2013 | Schönwetter Schallplatten)

(c) Lena Prehal

Foto: (c) Lena Prehal

Wenn das Wetter im November für irgendetwas zu gebrauchen ist, dann für Zugfahrten. Kalt, nass, neblig: perfekt, um seiner dramatischen Ader Ausdruck zu verleihen. Man sitzt im Warmen, sieht aus dem Fenster, wie die Landschaft vorbeizieht und hört Musik. Der passende Soundtrack: Farewell Dear Ghost.

„We Colour the Night“ heißt das Debutalbum von Philipp Szalay, dem Kopf hinter Farewell Dear Ghost. Beim ersten Anhören kann man kaum glauben, dass es sich um Indiepop made in Austria handelt. Nicht, dass österreichische Musik schlecht wäre; man ist eher positiv von der heimischen Musikszene überrascht und denkt sich: Hey cool, die sind aus Österreich?

Der Song „Cool Blood“ wurde schon im Sommer veröffentlicht. Dennoch ist es nicht unbedingt das, was man unter einem Sommerhit versteht. Auch das Video erinnert eher an kältere Tage als an heiße Sommernächte. Die Frage, ob es aber überhaupt erstrebenswert ist, einen Sommerhit zu schreiben und mit „Macarena“ in einem Atemzug genannt zu werden, sei dahingestellt. „Cool Blood“ hat jedenfalls Wiedererkennungswert und der Refrain bleibt einem wohl tagelang im Kopf.

Das Album bildet ein harmonisches Gesamtbild. Es ist nicht langweilig, aber es steckt auch nicht voller musikalischer Überraschungen. „We Colour the Night“ beginnt mit einem Einatmen und endet mit vielen, langgezogenen „oooohs“, als wäre das Album in einem einzigen Atemzug entstanden. „Fire“ stellt eine Zäsur dar. Nach dem melancholischen Start und der anfangs etwas rauen Stimme kommen treibende Gitarren und tanzbare Lieder. Die düsteren Novembernächte werden tatsächlich ein bisschen bunter. Der Fokus wird von den gehauchten Vocals, die anfangs nur vom Klavier begleitet werden, auf Gitarre und Schlagzeug verlegt.

Vor seinem Projekt Farewell Dear Ghost hatte Philipp Szalay bereits ein selbstbetiteltes Album (2010) veröffentlicht, welches eher in Richtung Singer/Songwriter ging – es war etwas zurückhaltender. „Demons II“, das letzte Lied auf „We Colour the Night“, war schon im Oktober 2011 auf Szalays Bandcamp-Seite zu hören. Es ist der einzige Song, der auf dem neuen Album re-released wurde. Szalays Stimme, begleitet von einer Orgel, bildet den perfekten Abschluss in dem insgesamt sehr runden Gesamtbild.

In a Nutshell
Stimmung > Ein bisschen Melancholie ist okay
Highlights > Fire, Demons II
Hörerkreis > Catastrophe & Cure, Arcade Fire
Live-Shows > 05.12.2013: B72 (Wien)

 

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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