Waves Festival: Feel the Tide

Grimus im Flex Cafe

Jung, international und ein bisschen hipster: das Waves Vienna Festival 2013

Ein Ausflug nach Bratislava, ein Filmfestival, eine Konferenz zu Themen rund ums Musikbusiness und jede Menge Konzerte – die Besitzer eines Pro-Passes fürs Waves Vienna Festival konnten sich wirklich nicht beschweren, letztes Wochenende nichts zu tun zu haben. Doch auch alle mit normalem Pass hatten beim diesjährigen Line-Up die Qual der Wahl. Ein Festivalbericht ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

© Patrick Münnich

Foto: © Patrick Münnich

Auf gut Glück 
Das Waves Vienna versteht sich als Showcase Festival, sprich, neben einigen bekannteren Bands hatte man die Chance, viel neue Musik kennenzulernen. Eine völlig unbekannte Band anzusehen ist natürlich immer ein Risiko. Nachdem ich am Badeschiff gemeinsam mit etwa zehn weiteren Personen die talentierte kroatische Sängerin Lovely Quinces allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne bewunderte, machte ich mich auf den Weg zum Flex. Kurz blieb ich bei Marla Blumenblatt, einer Fifties-Retro-Pop-Band hängen, bevor ich wenig später My Heart Belongs to Cecilia Winter hörte, deren Outfits einen Hauch von Empire of the Suns Frequency-Auftritt hatten.

Von allem ein bisschen
Die Genres deckten ein großes Spektrum ab. Auch Liebhaber elektronischer Musik kamen auf ihre Kosten. Bands und DJs begeisterten zu späterer Stunde im Fluc und in der Pratersauna. Roosevelt brachte die Tanzfläche zum Kochen und auch das belgische Duo Soldout bewies, dass ihre Musik tanzbar ist. Vor allem die Sängerin zeigte mit dunkler Sonnenbrille und exzentrischen Dancemoves Stil.

„Verwöhnt mit Locations“

© Mona Hermann

Foto: © Mona Hermann

Schon am Vormittag durften sich die Beth Edges über einen außergewöhnlichen Spielort freuen:  ein Boot, das von Wien nach Bratislava fuhr. Eine ganz besondere Atmosphäre wurde bei ihrem Konzert am Samstagabend im Odeon geschaffen. Das Bühnenbild, eingerichtet wie ein Wohnzimmer, harmonierte perfekt mir ihrem Akustik-Set. Durch die eher ungewöhnliche Situation, die Band von der Tribüne aus zu sehen, wirkte das Publikum allerdings etwas schüchtern und zeigte sich beim Jubeln sehr zurückhaltend. Das Ganze hatte eher den Anschein einer Lesung als den eines Popkonzertes.

Klatschen ist erlaubt
Generell kann man die Besucher des Waves Festivals nicht mit jenen des Frequencys oder ähnlichen Veranstaltungen vergleichen. Bei vielen Konzerten waren wenige Leute, stille Zuhörer, nach grölenden Groupies müsste man wohl lange suchen. Die rumänische Band Grimus holte ihr Publikum im Flex Café sogar von den Bänken auf die freie Fläche vor der Bühne. Der Sänger nahm die Sache selbst in die Hand, stellte sich auf einen der Tische und sagte „If you are not enjoying us, I’m enjoying you!“.

Wien ist anders
Das Waves Vienna ist kein herkömmliches Festival. Das legt natürlich schon die Ausgangssituation fest – Clubs statt Open Air, neue Talente statt Headliner mit Superstarstatus. Wer sich aber abseits des Mainstreams von Location zu Location treiben lies, hatte die Chance, talentierte Künstler kennen und lieben zu lernen. Alle, die die diesjährige Auflage verpasst haben, können beruhigt sein, der Termin für 2014 steht bereits. Von 2. bis 5. Oktober wird das Waves Vienna Festival 2014 stattfinden.

Titelbild: © Simone Eilmsteiner

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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