Holi: Der pure Kommerz?

Was und vor allem wer hinter dem Farbenfestival steckt, das ganz Österreich überrollte. Ein Kommentar zu den Holi Festivals.

Letztes Jahr fand in Berlin das erste große Farbenfestival mit dem Namen „Holi – Festival of Colours“ in Europa statt. Auf dieses sollten noch im selben Jahr drei weitere in Deutschland folgen. 2013 war es dann auch bei uns so weit. Das Holi-Festival kam auch nach Österreich! Wobei das Holi-Festival wohl nicht wirklich die richtige Formulierung sein dürfte. Die Holi-Festivals trifft das Ganze wohl schon etwas besser. Mit dem eigentlichen Holi, das jedes Jahr in Indien und anderen Ländern mit hinduistischer Bevölkerung im Frühling stattfindet, hatten die Holi-Festivals in Österreich wenig zu tun.

Holika muss brennen
Das ursprüngliche Holi, das 2013 übrigens am 27. März begann und nach einer Woche vorbei war (in Österreich dauerten die Festivals vom Sommerbeginn bis in den Herbst hinein an) hat seinen Namen von der dämonischen Holika. Einem bekannten Mythos zufolge war es einst der kleine Prahlada, der für das Holi verantwortlich war. Prahlada sollte seinen Vater anbeten wie einen Gott. Er weigerte sich jedoch und betete weiterhin nur den hinduistischen Gott Vishnu an. Der Vater wollte seinen Sohn daraufhin auf mehrere Arten töten, scheiterte jedoch. Schlussendlich ließ er ihn mit der bösen Holika, die gegen Feuer resistent hätte sein sollen, ins Feuer springen. Entgegen den Erwartungen verbrannte jedoch Holika und Prahlada blieb unversehrt. Die Moral dahinter kann sich wohl jeder selbst denken. Was bis heute davon blieb, ist dass zu Beginn des Festes eine Holika-Figur im Feuer verbrannt wird.

Wettlauf um Österreich
Dass bei den österreichischen Ablegern freilich absolut nichts verbrannt wurde, das ist nicht weiter verwunderlich. Denn mehr als den Namen und die Farben hatten die Festivals mit ihrem indischen Vorbild nicht gemein. Von einem religiösen Fest, das das Gute über das Böse stellen soll, Gleichheit symbolisiert und in Indien vermehrt im familiären Rahmen abgehalten wird, war keine Spur. Die Festivals bestanden in der Regel daraus, dass wie auf einem normalen Musik-Festival Musik gespielt wurde und zu jeder vollen Stunde Farbe in die Luft geschossen wurde. Die Farbpäckchen konnte man zuvor am Festivalgelände erstehen. Nach einem Tag zogen die Mengen dann wieder ab und legten eine Farbspur vom Gelände über die Öffis bis zu ihnen nach Hause.

Vor allem unterschieden sich die Festivals vom eigentlichen Holi auch dadurch, dass auch der Profit keine unwesentliche Rolle spielte. So kam es zu einer wahren Flut an Holi-Festivals. Gleich drei größere Veranstalter hatten nach den Erfolgen 2012 Lunte gerochen. Sie warben bereits im Frühling damit, endlich das Holi-Festival nach Österreich zu bringen. Allerdings ohne irgendetwas fixiert zu haben, einfach nur um die Ersten zu sein und Aufmerksamkeit für die geplanten Festivals zu erregen. Namentlich waren das die Holi Concept GmbH, welche für die Holi-Festivals in Deutschland im Vorjahr verantwortlich war, die Staune GmbH, eine österreichischer Event-Veranstalter, und die internationale Holi One World ltd. Gruppe.

Leere Versprechen
So kamen der Wörthersee sowie die Städte Graz, St.Pölten, Innsbruck, Salzburg, Bregenz, Linz und Wien zu ihren Holi Festivals. Linz gleich zwei Mal, Wien drei Mal und Innsbruck gar vier Mal. Spätestens jetzt muss sich so mancher Bewohner dieser Orte fragen, wie er das verpassen konnte. Recht hat er damit, denn in Innsbruck, Salzburg, Bregenz und am Wörthersee gab es dann irgendwie doch kein Festival. Auch wurde Wien nicht gleich drei Mal, sondern nur einmal mit einem Holi-Festival beehrt. Nachdem jeweils groß Werbung über Facebook gemacht wurde, klappte es einerseits „leider aus vielerlei Gründen nicht“ (Holi Concept GmbH via Facebook) und andererseits hatte man die Festivals „aus Zeitgründen 2013 nicht mehr bewerkstelligen können“ (Staune GmbH auf mokant.at-Anfrage via E-Mail). Dass an den jeweiligen Orten tatsächlich ein Festival geplant war, das ist gut möglich. Im Endeffekt waren die Facebook-Seiten dann aber sicher keine schlechte Werbung für jene Festivals, die auch wirklich stattfanden.

Aber Moment, da waren doch noch mehr… In Wien und Innsbruck hatten sich ja noch weitere Veranstalter angekündigt. Diese waren es dann, die endgültig den Vogel abschossen. Die Holi Concept GmbH hatte immerhin ein Festival in Wien und eines in Linz veranstalten können und die Staune GmbH war in Graz, St.Pölten und Linz erfolgreich. Die weiteren Organisationen, der internationale Veranstalter Holi One World ltd. (Wien) und ein unbekannter Veranstalter (Innsbruck), richteten hingegen kein einziges Festival aus. Dabei hatte sie schon Facebook-Seiten mit Tausenden Fans erstellt. Dort wurde auch kräftigst Werbung gemacht. So wurden sogar jeweils zehn Freikarten verlost (Link: Freikarten für Wien & Link: Freikarten für Innsbruck). Nur schade, dass es nie eine Veranstaltung gab, bei der man die Freikarten hätte einlösen können. Glückliche Gewinner sehen wohl anders aus.

Fortsetzung folgt bestimmt
Nichtsdestotrotz waren die Festivals ein riesiger Erfolg. Zumindest jene, die auch wirklich stattfanden. Die Besucher waren aufgrund der Neuartigkeit des Ganzen mehr als begeistert. Dass es auch 2014 wieder ein Übermaß an Holi-Festivals in Österreich geben wird, das ist jetzt schon klar. Fraglich ist jedoch, wie lange sich dieser Trend in seiner jetzigen Form halten kann, bei einer derartigen Vielzahl an Veranstaltungen. Denn wirklich billig waren meist weder Farben noch Tickets. Die Acts hingegen waren oft nur lokale Berühmtheiten. Bei einem Festival mit tausenden Besuchern darf man aber eigentlich schon etwas mehr erwarten.

Den (hoffentlichen) Abschluss für 2013 machte übrigens ein kleineres Holi-Festival in Gmünd am 21. September. Der Veranstalter hatte es damit sogar beinahe geschafft, am kalendarisch vom indischen Holi weitestmöglich entfernten Wochenende, noch ein Festival ins Jahr 2013 zu quetschen. Vielleicht feiern die Inder ja demnächst auch Weihnachten im Juni. Freilich ohne Besinnlichkeit und Familie, sondern nur mit Vanillekipferl, Mistelzweigen und Kaufrausch. Das wäre doch nett.

 

Hier die vollständige Liste der Links zum selbst nachlesen:
Websites der großen Veranstalter:
Holi Concept GmbH
Staune GmbH
Holi One World ltd.

Erfolgreiche Veranstaltungen:
Gmünd, Ymmd.at
Graz, Staune GmbH
Linz, Staune GmbH
Linz, Holi Concept GmbH
St. Pölten, Staune GmbH
Wien, Holi Concept GmbH

Gescheiterte Veranstaltungen:
Bregenz, Staune GmbH
Innsbruck, Holi Concept GmbH
Innsbruck, Staune GmbH (Nicht bestätigt)
Innsbruck, Unbekannter Veranstalter
Innsbruck, Unbekannter Veranstalter
Salzburg, Staune GmbH
Wien, Holi One World ltd.
Wien, Staune GmbH
Wörthersee, Staune GmbH

Freikarten-Gewinnspiele:
Bregenz, Staune GmbH
Innsbruck, Unbekannter Veranstalter
Salzburg, Staune GmbH
Wien, Holi One World ltd.
Wien, Staune GmbH

 
Titelbild: flickr.com/Steven Gerner (cc)

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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