Reiseguide: Frankfurt

Reisetipps für Frankfurt am Main. Die Finanzmetropole hat einiges zu bieten

Mainmetropole. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2013. Glaubt man Reiseführern und der Touristeninformationszentrale hat Frankfurt einiges zu bieten. Bedeutende Sehenswürdigkeiten, eine überwältigende Einkaufsmeile und ein großes Wirtschaftszentrum liegen dicht und leicht erreichbar nebeneinander. Von Bankern, die mit nacktem Oberkörper in der Mittagspause Federball spielen, Kleinkindern, die sich im Springbrunnen vor der alten Oper mit Minipaddelbooten duellieren und einer Brücke, die Paris ihren Titel „Stadt der Liebe“ streitig macht, ist in den gängigen Reisefibeln natürlich nichts zu lesen. Davon darf man sich aber getrost im Alleingang und ohne große Vorankündigung selber ein Bild machen.

Foto: (c) Sandra Mader

Foto: (c) Sandra Mader

Tipp Nr. 1: Morgenspaziergang durch die Altstadt
Während die Bewohner Frankfurts schön langsam aus dem Schlaf erwachen, kann Herr und Frau Urlauber/in sich ruhig schlendernd unter die geschäftige, langsam erwachende Masse mischen. Man kann zusehen, wie Bauarbeiter mit Hilfe dutzender Kräne die wenigen lichten Stellen im Komplex der größten Bürogebäude Europas bearbeiten. Wie zum Beispiel beim „Neue-Altstadt-Frankfurt-Projekt“, bei dem bis zum Jahr 2016 fünfzehn Originalrekonstruktionen von Altstadthäusern erschaffen werden, um etwas vom mittelalterlichen Flair (der vor dem zweiten Weltkrieg noch gegebenen war) zurückzubringen. Wahrnehmen, wie sich mit der Zeit neben Bauarbeitern auch geschäftig wirkende in Stiftröcken und Anzügen gekleidete Frauen und Männer auf den Straßen tummeln. Einen Pappbecher mit koffeinhaltigen Heißgetränk in der Hand und der (vermeintlich) aktuellen Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen“ oder „Die Welt“ unterm Arm machen sich 80.000 Banker auf den Weg in die Arbeit. Stereotyp? Natürlich. In diesem Fall subjektiv und zumindest oberflächlich bestätigt. Nach dem Sattsehen am geschäftigen Treibens der Wirtschaftler und der Besichtigung von Baustellen und hochkomplexer Bürogebäude wie der europäischen Zentralbank und der Hessischen Landesbank, gibt es noch andere sehenswerte Ungewöhnlichkeiten, die sich beim Abklappern von touristischen Routineplätzen preisgeben.

Tipp Nr. 2: Der Besuch spezieller Museen
Entlang des Mainufers findet man 34 Museen. Neben dreißig gewöhnlichen und altbekannten Beschäftigungs- und Weiterbildungshallen (unter anderem naturwissenschaftliche Museen und Kunstmuseen in den verschiedensten Ausprägungen) gibt es in Frankfurt auch andere, nicht dem Mainstream entsprechende Unterhaltungsoasen. Um zehn Euro (ermäßigter Preis für Studenten) erhält man die Museumsufercard, die die Tore aller Frankfurter Museen für zwei Tage lang öffnet. Übersichtlich gestaltete Schilder und Informationstafeln weisen den Weg und machen ausgeklügelte Reiseführer überflüssig. Als Frankfurter hot spot empfiehlt sich ein Besuch des Goethe-Hauses und Goethe-Museums. Johann Wolfgang von Goethe war bereits zu Lebzeiten ein bekannter Künstler und verehrter Mann. Im Goethe-Haus und Goethe-Museum bekommt man einen Einblick in seine Lebenszeit und seine Werke. Ein weiteres Muss in der Kategorie der Weiterbildung ist das Geldmuseum, in dem man wirtschaftliches Basiswissen im historischen Zusammenhang erklärt bekommt.

Will man sich über die Ursprünge und Entwicklungen der zwischenmenschlichen Kommunikation bewusst werden, empfiehlt sich ein Besuch des Kommunikationsmuseums. Von den Anfängen zwischenmenschlicher Verständigungen in Form von Rauchzeichen und Höhlenmalerei bis hin zum Internet und social media werden die wichtigsten Entwicklungen und Errungenschaften im Bereich der Kommunikation dargestellt.

Tipp Nr. 3: Liebe inhalieren
Um vom Museumsufer zurück in die Altstadt zu gelangen, sollte man den „eisernen Steg“, eine Fußgängerbrücke, die von Bürgern im Jahr 1868 erbaut wurde, benutzen. Neben den vielen anderen Brücken, bietet diese einen romantischen Gegenpol zum reinen Wirtschaftsgedanken des international angesehen Finanzzentrums. An den seitlichen Stahlvorrichtungen der Brücke hängen hunderte Schlösser stellvertretend für große Liebesgeschichten.

Tipp Nr. 4: Internationale Speisen
Sollte sich im Laufe der touristischen Erkundung trotz reichlich Luft und Liebe ein Hungergefühl einstellen, hat man die Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Restaurants und Imbissbuden. Neben einer großen Anzahl an asiatischen Lokalen, findet man italienische, französische und typische Frankfurter Apfelwein-Lokale. Es macht sich bezahlt, die Preise zu vergleichen, da es große Preisunterschiede gibt. Das bekannte Frankfurter Würstel wartet allerdings in Wien darauf ins heiße Wasser geworfen zu werden. In Frankfurt gibt es Wiener Würstel.

Tipp Nr. 5: Pauluskirche – Wiege der Demokratie
Dass nicht immer alles so ist, wie es im ersten Moment scheint, demonstriert die Pauluskirche. Außen Kirche, innen Zeugnis der demokratischen Geschichte und Veranstaltungssaal für Verleihungen. Ein Schildermeer mit geschichtlichen Erläuterungen und die Fahnen der deutschen Bundesländer zieren die Halle. 1848 tagte hier die deutsche Nationalversammlung, um eine demokratische Verfassung für ein geeintes Deutschland zu beschließen. Die Pauluskirche gilt als Wiege der deutschen Demokratie und ist allein aus diesem Grund einen Besuch wert.

Foto: (c) Sandra Mader

Foto: (c) Sandra Mader

Tipp Nr. 6: Frankfurt von oben
Um die beeindruckende Symbiose zwischen Alt- und Neubauten von oben zu betrachten, bieten sich verschiedene Aussichtsplattformen an. Wem es schwerfällt, den Ruf der Zeil – Frankfurts großer Einkaufsmeile – zu ignorieren, sollte den Bummel mit einem Besuch der Skydeck-Panoramaplattform verbinden. Am Dachgeschoß des Einkaufszentrums kann man den Kirchentürmen auf Augenhöhe gegenübertreten. Möchte man höher hinaus, kauft man sich am besten ein Ticket im Maintower (fünf Euro) und genießt die Aussicht in zweihundert Metern Höhe. Wenn man Glück hat, trifft man das Hessische Fernsehen und kann sechs Personen beobachten, wie sie mit der langwierigen Aufnahme einer eineinhalb minütigen Wetteransage beschäftigt sind.

Tipp Nr. 7: Entspannen im Nizza Garten
Entlang des Mainufers erstreckt sich über 4,5 Hektar eine tropische Parkanlage. Durch die windgeschützte Südlage gedeihen hier zahlreiche Pflanzen der mediterranen Flora und laden zum Entspannen ein. Möglicherweise überdenkt man hier auch Klischees, während man Banker beobachtet, die mit nacktem Oberkörper in der Mittagspause Federball spielen.

Was du auf keinen Fall machen solltest (und warum Planung so wichtig ist):
1.
Viel Geld bei Toilettengängen ausgeben. In Einkaufszentren, öffentlichen Toiletten und Fast Food Restaurants werden zwischen 50 Cent und einem Euro für die Verrichtung des Geschäfts verlangt. Die Planung von Toilettengängen kann hier einiges an Geld ersparen.
2. Zu warm oder zu luftig kleiden. Bei der Planung der Museumsbesuche sollte an heißen Sommertagen die unterschiedliche Hitzeentwicklung in Gebäuden berücksichtigt werden. Während man sich im Goethemuseum an heißen Sommertagen auf Grund der mangelnden Wärmeregulierungen in alten Gemäuern gerne alle Kleider vom Leibe reißen möchte, wünscht man sich in den anderen Museen aufgrund der einwandfrei arbeiteten Klimaanlagen ein ordentliches Beinkleid und einen warmen Pullover zurück.
3. Mit dem Ticket-Kauf zu lange warten. Die ÖBB wirbt mit Tickets von Wien nach Frankfurt um 29 Euro. Diese sollte man allerdings bereits einige Wochen, wenn nicht gar Monate im Voraus bestellen. „Die Sparschiene ist sehr begehrt“, erklärt die Dame aus der Kundendienstzentrale. Beim begrenzten Kontingent ist es nicht verwunderlich, wenn die wenigen Plätze bereits nach kurzer Zeit vergeben sind. Reservieren kann man übrigens bereits sechs Monate im Voraus.

Artikel von Sandra Mader
Titelbild: flickr.com/*Debs*

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