Level 4 Festival: Kein Herz für Akustik

Level 4

Grandiose Stimmung, bemerkenswerte Bands und zu wenig Menschen beim Level 4

Am 24. August ging in der Wiener Arena das eintägige Level 4 Festival über die Bühnen. Bei bester Stimmung und gutem Wetter durften sich die Besucher bereits ab Mittag über ein breitgefächertes Spektrum an Musikrichtungen freuen. Die härteren Genres fanden dabei ganz klar den größten Anklang.

Tolle Atmosphäre vor der Main Stage
Von Seiten des Veranstalters gab man sich in einer ersten Reaktion nach der Veranstaltung sehr zufrieden. Besonders die Stimmung und die Bandperformances wurden dabei herausgehoben. Diesen Eindruck musste man auch als Besucher teilen, wobei doch nicht zu leugnen war, dass das Festival den einen oder anderen Teilnehmer mehr verdient gehabt hätte. Die Main Stage, auf der sich die metallastigen Bands wie Eskimo Callboy und We Butter The Bread With Butter die Ehre gaben, war bestens besucht und bot den ganzen Tag lang eine wirklich erstklassige Atmosphäre.

Foto: Michael Nowak

Foto: Michael Nowak

Auf der „2nd Stage“ hingegen war die meiste Zeit so etwas wie eine Sicherheitszone zwischen Band und Publikum zu bemerken. Zwischendurch wies der Sänger der Band The Austerities das Publikum sogar darauf hin, dass die fünf Meter vor der Bühne keineswegs ausschließlich für Fotografen reserviert waren. Es dauerte zwar etwas, doch seinem Hinweis wurde schlussendlich dann doch noch Gehör geschenkt. Je später es wurde, umso enger wurde es direkt vor der Bühne. Langsam aber doch wurde das Fotografieren vom Tanzen und Feiern abgelöst.

Verlorener Brandwagen
Das konnten die Bands, die im Freien am Red Bull Brandwagen spielen durften (oder eher mussten), von ihrer Bühne nicht behaupten. So hatte die Tontechnik wohl nicht ihren besten Tag. Die Sängerin der Band Demian mutmaßte während des Auftritts etwa, dass sie demnächst taub sein werde. Außerdem war die Bühne stark unterbesucht. Den ganzen Tag lang tummelten sich vor dem stark akustisch angehauchten Brandwagen nie mehr als zwanzig Personen. Das lag sicher nicht an den paar kleinen Aussetzern der Technik und schon gar nicht an den Acts, sondern eher an der eingangs erwähnten bevorzugten musikalischen Ausrichtung der Besucher.

Foto: Michael Nowak

Foto: Michael Nowak

Diese war nämlich an diesem Tag ganz klar im Metal-Genre angesiedelt, für ruhigen Gesang konnten sich da nur wenige Ohren begeistern. Die Wenigen, die sich trotzdem zum Brandwagen verirrten, wurden reich belohnt. So punkteten die Herren von Leckerbissen mit grandiosen Covers und einer Stimme, von der man kaum genug bekommen konnte. Letzteres galt auch für Stuart Neville. Der in Schottland geborene Sänger der Band Judo Push, der für das Level 4 Festival ausnahmsweise zur Akustikgitarre griff, hätte sich auf jeden Fall ein größeres Publikum verdient gehabt. Er machte jedoch das Beste aus seinem Auftritt. Damit sorgte er zumindest dafür, dass man auf das Debut-Album seiner Band, das noch heuer erscheinen soll, mehr als gespannt sein darf.

Schöne Bänder aber wenig Deko
Was man als nüchterner Beobachter auch etwas vermissen musste war die Dekoration. So sehr das Festival im Vorfeld mit den Nintendofiguren Mario und Luigi beworben wurde, so wenig war am Festival selbst dann von den beiden zu sehen. Zwar hatte man einige der berühmten Bausteine aus den Super Mario-Spielen in sehr gelungener Form nachgebaut, diese gingen jedoch auf dem großen Festivalgelände ziemlich unter. Alles in allem zwar nur eine Spielerei, aber das eine oder andere Transparent hätte wohl ganz nett ausgesehen. Dafür entschädigt wurden die Sammler von Festival-Bändern. Die Stoffbändern, die wir von allen größeren Festivals kennen, durfte man nämlich als sehr gelungen bezeichnen.

Nächstes Level: 5!
Resümierend kann man sagen, dass das Festival, wäre es ein reines Metal-Festival gewesen, eines der Extraklasse gewesen wäre. Das Vorhaben, eine große Bandbreite an Genres auf verschiedenen Bühnen zu integrieren, das muss man zumindest für dieses Jahr als gescheitert bezeichnen. Dass es nächstes Jahr ein fünftes Level geben wird, ist laut dem Veranstalter bereits fix. Wann und wo dieses stattfinden wird, das steht allerdings noch nicht fest. Sollte die nächste Auflage wieder im Arena-Gelände stattfinden, so bleibt zu hoffen, dass dann der eine oder andere Besucher mehr den Weg zum Level-Festival findet. Bereuen wird er es kaum und die vorwiegend jungen österreichischen Bands sowie das Festival an sich hätten sich ein komplett ausgelastetes Areal auf jeden Fall verdient.

Titelbild: Michael Nowak

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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