Siren’s Cry: „Als wären wir vom Mars“

Katie, Phil und Michael von Siren’s Cry sprechen über ihr neues Album und schüchterne Belgier

Siren’s Cry ist eine junge Band, die in der Metal-Musik ihren ganz eigenen Weg geht und sich traut Neues auszuprobieren. Alleine schon die Tatsache, dass nicht ein Mann ins Mikrofon schreit, sondern eine Frau singt, die noch dazu klassischen Gesang studiert, lässt die Band schon etwas aus der Masse herausstechen. Dass sie diesen Hintergrund dann auch noch auszunützen wissen und Progressive Metal mit neoklassizistischem Gesang und Jazz-Einflüssen vereinen, das macht sie dann wohl zu einer sehr seltenen Art in der Landschaft der harten Töne. Eben diese atypische Zusammensetzung führte neben zahlreichen internationalen Auftritten zuletzt auch dazu, dass sie vom amerikanischen Label Nightmare Records unter Vertrag genommen wurden.

Foto: Michael Nowak

Foto: Michael Nowak

mokant.at: Katie, wie kommt man als Frau dazu in einer Metal-Band zu singen?
Katie: Ich bin eigentlich so quasi ein Urgestein, kann man sagen. Ich höre Metal schon seit meiner Kindheit. Das war so eine typischer Klassikergeschichte wie „Der große Bruder von einer Freundin lässt einmal Rammstein laufen“ und so weiter. Mit 13 oder 14 möchte man dann eben nicht standardmäßig das machen, was die anderen machen, sondern versucht sich halt einfach selbst irgendwo zu finden. Ich wollte auch immer etwas außergewöhnlich tun, etwas, das eben nicht jeder macht oder etwas, das es in der Form schon oft gibt und so ist es eben auch zu der Idee gekommen, dass wir zwei Stile kombinieren und nicht nur eine Schiene fahren. Metal war für mich einfach immer eine Musik, die Kraft und Energie versprüht und ich wollte sie halt so farbenfroh, bunt und kreativ wie möglich gestalten.

mokant.at: Wie steht es mit eurem Album?
Phil: Unser Album wird dieses Jahr weltweit released werden – als Digitaldownload, zum Beispiel auf iTunes, aber natürlich auch als CD. Produziert haben wir das Ganze in Wien, in einem Studio unseres Vertrauens, das war eine sehr interessante Erfahrung für uns. Wir haben eine Menge neue Leute kennengelernt und es ist auch sehr sehr lehrreich gewesen.

mokant.at: Um was geht es in dem Album und in eurer Musik im Allgemeinen?
Michael: Das Album trägt den Titel Scattered Horizons – ein Titel, der uns eigentlich sehr am Herzen liegt, weil er uns aus der Seele spricht und in gewisser Weise auch ein Spiegelbild der Realität, der Wahrheit und auch der Gegenwart darstellen soll. Das Album beinhaltet sehr emotionale und abwechslungsreiche Songs, wo es um Hoffnung geht, um Träume, um Kraft und um Optimismus. Da wir auch teilweise sehr unterschiedliche Menschen sind, auch von musikalischer Seite, sind die Songs auch sehr abwechslungsreich und vielfältig – das hat für uns der Titel dann zusammenfassend getroffen.
Phil: Noch kurz zum Intro: Das ist ein Konglomerat aus Schlagzeilen, die in dem letzten Jahr, wo wir das Album aufgenommen haben, geschehen sind und die Welt bewegt haben, die wir dann musikalisch untermalt haben. Das Intro bereitet also das Album vor und greift teilweise auch etwas vorweg. Es beginnt eigentlich relativ pessimistisch, aber durch die Musik nimmt das Ganze dann eine positive Wendung.

Foto: Romana Messenbüchel

Foto: (c) Romana Messenbüchel

mokant.at: Erzählt uns etwas aus eurer Bandgeschichte! Was ist euch bisher Lustiges oder Schlimmes widerfahren?
Katie: Da fällt mir eine kleine Geschichte aus Belgien ein, wir waren dort auf Tour und haben am letzten Tag bei einem Festival gespielt, das hat Wizz’s Helloween Ball geheißen. Dort waren wir eben auf der Bühne und haben gespielt. Man denkt sich dann, die Leute müssen erst ein bisschen warm werden, wenn sie einen nicht kennen. Dann spielen wir halt den ersten Song, den zweiten, den dritten, den vierten und irgendwie kam einfach kein Applaus oder eine Reaktion. Die Leute waren total still und haben uns angeschaut als wären wir vom Mars. Wir haben uns auf der Bühne schon alle ganz entsetzt angesehen und uns gefragt was los ist, ob irgendetwas nicht stimmt.
Nach dem letzten Lied habe ich dann angekündigt, dass wir nachher am Merchandise-Stand sind. Wir sind dann halt dort hin und auf einmal kam ein Schwall von Menschen – die haben uns die T-Shirts und die CDs fast aus den Händen gerissen, wollten unbedingt Fotos mit uns machen und haben dabei fast den ganzen Stand kaputt gemacht. Wir waren echt überfordert mit der Situation, weil wir uns zuerst gedacht haben, die können uns nicht leiden. Die Band, die vor uns gespielt hat war aus England und da war Luke Appleton, der neue Bassist von Iced Earth, dabei. Der war schon öfters auf dem Festival und hat gemeint, dass die Leute dort einfach so sind – die brauchen anscheinend ein oder zwei Konzerte. Bis dahin haben sie dann die Lyrics gelernt und dann fiebern sie erst so richtig mit.

mokant.at: Wie kommt es, dass die Metal-Musik in Österreich gerade einen doch merkbaren Aufschwung erlebt?
Phil: Österreich war immer so ein bisschen das Stiefkind Europas. Die österreichischen Bands haben international einfach nie so richtig gezündet und nie den Stellenwert erreicht, den andere Bands haben. Zum Beispiel werden Bands aus Ungarn oder Tschechien und natürlich auch aus Frankreich, England, Italien oder Deutschland international ganz anders wahrgenommen. Aber in letzter Zeit ändert sich das einfach ein bisschen, weil auch aus Österreich wirklich viele gute Bands kommen, die sich langsam international einen Namen machen.
Katie: Was man dazu auch sagen kann, ist, dass Österreich speziell durch Wien sehr klassisch geprägt ist. Es ist auch so, dass alles, was aus Österreich kommt und mehr in Richtung Unterhaltung geht, weniger ernst genommen wird als eben zum Beispiel Klassisches. Mozart, Schubert, Beethoven – das ist so ein bisschen der Stempel, den man als Österreicher international hat. Ich glaube, dass aus dem Grund auch viele Leute etwas Neues probieren und versuchen diese Maske abzulegen und den Stempel auszuradieren. Anscheinend funktioniert das jetzt auch langsam, weil sich immer mehr Bands auch trauen Metal zu spielen.

mokant.at: Was möchtet ihr der Welt noch mit auf den Weg geben?
Michael: Nicht aufgeben!
Phil: Danke an alle Fans, Freunde und Zuhörer!

 

Titelbild: (c) Felix Mitterer

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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