Alkbottle: „Schlimmer als ein altes Ehepaar“

Gut gemeinte Ratschläge und Gretchenfragen für, an und mit Roman Gregory von Alkbottle

mokant.at hat diesmal weder Kosten noch Mühen gescheut und ein wahres Experteninterview für dich auf die Beine gestellt. Roman Gregory ist Sänger der österreichischen Band Alkbottle. Diese ist um exakt zwanzig Jahre älter als unser Magazin und daher haben wir uns von Roman ein paar gut gemeinte Ratschläge und Tipps geben lassen. Hier erfährst du von den beiden Seiten der Alkbottle-Medaille, Richards Lugners Song-Contest-Ambitionen und den Geminsamkeiten von Musik und Fußball

Foto: (c) Georg Marlovics

Foto: (c) Georg Marlovics

mokant.at: Wie fühlt es sich an, dass die Austria Meister geworden ist und nicht Rapid?
Roman: In erster Linie bin ich ja Sportsmann und beim Fußball geht’s mir eher um den Spaß am Spiel. Daher ist es auch meistens unspannend, wenn immer der Gleiche gewinnt. Die Austria hat das heuer absolut verdient gewonnen. Ich wär’ ein schlechter Sportsmann, wenn ich da nicht aufrichtig gratulieren könnte. Ich vergönn es dem Peter Stöger auch sehr. Den kenn ich ganz gut, immerhin hat er auch eine Rapidvergangenheit (lacht). Heuer hat es anscheinend nicht sein sollen. Es ist eben momentan eine Phase, man sich langsam wieder hocharbeiten muss und da kann man auch dem Stärkeren gratulieren. Wer dem Sieger nicht gratulieren kann, hat’s auch nicht verdient selber zu gewinnen.

mokant.at: Du hast nach unserem Interview auch noch einen Solo-Auftritt. Was sind denn deiner Meinung nach die größten Vor- und Nachteile, die es hat, solo unterwegs zu sein beziehungsweise in einer Band zu spielen?
Roman: Ganz alleine tu ich mir recht schwer. Prinzipiell muss man sagen, dass ich auch hier nicht ganz solo auf der Bühne stehe, sondern genauso eine Band hinter mir hab. Es ist halt nur eine ganz andere Formation und eine ganz andere Musik. Mit Alkbottle fühl ich mich aber nach wie vor am wohlsten. Immerhin kenn ich die Jungs seit über zwanzig Jahren, das ist wie meine Familie. Nicht immer einfach und oft schlimmer als bei einem alten Ehepaar, weil wir ja doch zu fünft sind und fünf Meinungen unter einen Hut kriegen müssen. Auch weil gewisse Themen auch schon recht austherapiert scheinen. Da sind wir einfach auch typische Männer. Wir sagen nichts und reden nicht drüber und irgendwann kommt es dann raus. Aber solche Prozesse braucht es für eine gemeinsame Entwicklung als Band und die macht immer Spaß.

mokant.at: Alkbottle gibt es seit 23 Jahren. Damit seid ihr genau 20 Jahre älter als unser Magazin. Trotz kurzer Auflösung und Besetzungswechsel, habt ihr alles gut gemeistert – immerhin gibt es euch immer noch. Habt ihr irgendein bestimmtes Erfolgsrezept?
Roman: Es gibt natürlich kein Erfolgsrezept, das für alle passt. Aber wenn du dir selbst die Frage „Würd ich für so an Schaß Eintritt bezahlen?“ mit „Ja“ beantworten kannst, dann ist das schon mal ein guter Weg.

mokant.at: Bereut man eigentlich manchmal den Bandnamen, den man sich vor über zwanzig Jahren ausgesucht hat?
Roman: Diese Medaille hat natürlich zwei Seiten. Die erste ist der Name, der auffällt. Als unbekannte Band gibt’s nichts Besseres. Egal wo wir Alkbottle draufgeschrieben haben, die Leute haben die Nase gerümpft, waren dann aber doch ganz neugierig, was das sein soll. Unsere Stärke war immer, dass wir dann auch positiv überraschen konnten. Von der Hochkultur und den Mainstreammedien zwar gemieden, hat sich dann mit der Zeit trotzdem etwas aufgebaut. Aber gerade jetzt als arrivierte Band bekommen wir es immer heftiger zu spüren, dass der Bandname vielerorts nicht salonfähig ist. Bei vielen Veranstaltern und bei ausnahmslos allen Radiosendern sind wir ein Tabuthema, weil denen schon alleine unser Name eine gewisse Klientel verheißt, wovon sie Abstand halten wollen. Bevor die nur einmal reinhören würden, sind wir schon in der „Prolo-Schublade“ entsorgt. In Zeiten des Gender-Wahnsinns und der Fortschreitung des politisch korrekten Bezeichnungszwangs wird es für uns nicht leichter. Und Politik spielt da eine große Rolle. Es ist auch kein Zufall, dass wir schon das dritte oder vierte Jahr nicht am Donauinselfest spielen.

mokant.at: Ihr habt euch mal für den Songcontest beworben. Würdet ihr das wieder tun?
Roman: Ich will den Teufel tun das Wort „nie“ in den Mund zu nehmen, aber wir haben aus dieser überhasteten Bewerbung einige Erkenntnisse gezogen und würden es in dieser Form sicher nicht mehr tun. Prinzipiell ist es schon ein reizvolles Thema, weil der Songcontest natürlich kurzfristig einiges an Aufmerksamkeit herbeischafft, die man dann recht gut zu seinen eigenen Zwecken missbrauchen kann. Es hat uns zu der Zeit auch ganz gut in den Kram gepasst. Wir waren da ein bisschen die Opposition dabei und eben diese nicht ganz ernsthafte Komponente. „Wir san da ned zum Spaß, wir gwinnen euch den Schaß“ war dementsprechend mit Augenzwinkern gemeint. Die Antithese zu dem ganzen Kasperltheater. Ich war dann aber ganz froh, nicht hinzufahren. Ich hätte aber ehrlich gesagt, nicht gewusst, was wir dort gemacht hätten. Da kannst du dann drei Monate lang bei jeder Songcontestparty, die sie dir dort aufs Aug drücken den offiziellen österreichischen Grußaugust machen und darfst dir das Ganze auch noch am besten selbst bezahlen. Im Endeffekt wird man da für eine Maschinerie benutzt, bei der man zu funktionieren und seine Karriere aufs Spiel zu setzen hat. Bei Misserfolg bist du dann natürlich für eine Zeit lang komplett weg vom Fenster.

mokant.at: Was hältst du davon, dass Richard Lugner seine Kolibri nächstes Jahr zum Songcontest schicken will?
Roman: Damit hab ich mich nicht beschäftigt und weiß auch nicht wirklich, was er damit vor hat. Ich halte es für eine notwendige Beteiligung eines Baumeisters an einem weiteren Thema, von dem er keine Ahnung hat. Wie er das ja auch schon in der Vergangenheit öfters bewiesen hat. Er ist ja auch schon zum Bundespräsidenten angetreten oder mit einer Partei. Also alle diese Bemühungen kann man durchaus gutheißen, sie erzeugen nicht mehr als einen Promotionseffekt für sein Shopping Center. Aber warum nicht, viel schlechter kann’s eh nicht mehr werden.

mokant.at: Es gibt in Österreich ganz viele junge Bands oder Bands, die jetzt gerade versuchen durchzustarten. Wäre das, was du gerade gesagt hast, auch der Ratschlag, den du diesen Bands mitgeben würdest?
Roman: Durchhalten ist das Um und Auf. Ich hab schon so viele gute Bands und wahnsinnig viele Talente in dem Land gesehen, aber beim leichtesten Gegenwind wurden sie wieder in alle Richtungen verweht. Und das ganze Fanpotential, das sie aufgebaut haben, wurde gleich wieder zur nächsten Haustüre geschickt. Ab einem gewissen Level stehen die Leute vor der Frage, ob sie davon jemals leben können und ob es sinnvoll ist, da weiter zu machen. Jetzt könnte ich endlich eine große Tour kriegen, müsste aber dafür meinen Job aufgeben. Die Gretchenfrage. Dann gibt es halt meistens drei Leute, die sagen: „Nein lieber doch nicht, ich mach doch die Ausbildung zum Hausmeister bei Humboldt“ – und das Ganze zerfällt, auch weil dieses Land den Musikern kaum Perspektiven bietet. So sind wir halt ein Volk aus Weltmeistern in „Hätt i, war i“ und da wären wir wieder beim Fußball.

Titelbild: (c) Georg Marlovics

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

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